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Mittwoch, 23. Dezember 2015

Star Wars 7: Das Erwachen der Macht

… ist ein Remake – aber ein gelungenes! Erzählt wird im Grunde die gleiche alte gute Geschichte wie im ersten Star-Wars-Film. Warum auch nicht? Schließlich sind vierzig Jahre vergangen, die kleinen Jungs von damals sind jetzt Eltern, und deren Kinder können dem Raunen des Alten am Lagerfeuer nun die gleiche Faszination abgewinnen, vorausgesetzt, dass die alten Geschichten in der Sprache ihrer Zeit erzählt werden. Ein Epos dieser Tiefe kann natürlich nicht durch Inhaltsangaben erfasst werden (ist eh‘ immer das gleiche), deshalb präsentiere ich Friendlys Fragenkatalog:

Verfall und Niedergang: Aus den Trümmern des Imperium kann man wenigstens noch ein paar Kondensatoren klauen

Worum geht’s?


[Besserwissermode on] Um das manichäische ewige Ringen des Lichtes mit der Finsternis und Luke Skywalker als der verborgene Parakletos, den es für die Erlösung zu finden gilt. Nebenbei wird wieder ein Fascho-Todesstern vernichtet. [Besserwissermode off]

Wo ist der Praxisbezug?


Grundlegende Lehren des Filmes sind: 1) Vor dem Einleiten des Giftgases den korrekten Sitz der Atemmasken kontrollieren, 2) Tentakelmonster können ganz schön biestig sein, 3) Wenn Du als dunkler Lord überforderst bist, steige lieber aus (anstatt durch übertriebene Gräueltaten immer noch einen draufzusetzen)

Han Solo wie wir ihn kennen und lieben: irgendwie werde ich mich schon wieder herausreden

Hat die ‚Neue Ordnung‘ eine Chance?


Nicht, solange die Panzerung der Sturmtruppler Geschosse auf diese Weise anzieht. (Ja, ich weiß auch, das die im Film „Erste Ordnung“ genannt werden, aber das ist wahrscheinlich nur deshalb so, weil „New Order“ Merchandise-mäßig bereits vergeben war. ‚Neue Ordnung‘ klingt einfach Größenordnungen besser!)

Spaß beiseite (Hihi…): Nachdem die dunkle Seite in Folge sieben bereits den dritten Todessstern verloren hat (also ein Durchschnitt von einem Stern pro zehn Jahren), ist das bei einer benötigten Menge von 833.000 Jahresproduktionsmengen Roheisen [1] für einen einzelnen Todesstern der Kategorie 1 schon ein erheblicher Verlust, selbst für Imperien dieser Größe. Ökonomisch scheint das Niederschlagen von Rebellionen nicht so profitabel zu sein, wie es zunächst aussieht. (Und da sind Kleinschäden durch übermotivierte, laserschwertschwingende „Dunkle Lords“ noch nicht mit drin!)

Eine detaillierte Analyse dieser Frage steht noch aus, allerdings scheint die Rebellion trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit a) besser gerüstet, b) besser motiviert, c) deutlich legerer gekleidet und hat auch im Ganzen weniger mit Atembeschwerden durch ungeeignete Schutzkleidung zu kämpfen.


Was macht die Liebe?


Nix. Schrotthändlerin und Nebenerwerbsheldin Rey verliert ihren Fin (ich liebe Vornamen aus nur drei Buchstaben) direkt mal im Krieg (wobei der Feigling eh‘ nicht allzu viel taugte. Immerhin hat er sie geliebt). Luke ist Eremit, einzig Han Solo und Leia nähern sich nach Jahren der Entfremdung („Du hast unseren Sohn Ben total verzogen!“ – „Was soll man vom Sohn eines Gesetzlosen auch anderes erwarten!“) wieder etwas an.

Reichlich abgeklärt: Generalin Leia und Han haben den Verlust ihres Sohnes nicht verwunden

Gab es technische Weiterentwicklungen?


Wenig. Nach mehrstündigem vor- und zurückspulen und detaillierter Side-by-side-Analyse der Filmbilder von 1980 und 2015 hat der imperiale TÜV die Bauartzulassung für die X-Wings in Film 7 noch so graaaaaade eben aufrecht erhalten. Generell ist alles (und das gefällt mir sehr gut) älter, staubiger, schmutziger geworden.

Welche großen Interpretationslinien kann ich am Glühweinstand bemühen, ohne dumm dazustehen?

  1. Star Wars ist die Geschichte einer kleinen Gruppe hochmotivierter und sich moralisch überlegen fühlender Terroristen, die sich mit Selbstmordattentaten gegen eine hochgerüstete und überlegene fremde Macht wehren.

  2. Im siebten Film taucht zum ersten Mal überhaupt Blut auf (gut, früher wurde verstümmelt, verbrannt, erschlagen, erschossen – aber es war kein Tropfen Blut zu sehen). Die Hand eines sterbenden Kameraden markiert Fins weißen Sturmtruppen-Helm mit einem roten Abdruck und hebt ihn damit aus der Menge der gesichtslosen Krieger heraus und macht ihn eigentlich damit erst zum Menschen und Subjekt. Nebenbei bemerkt: die Rote Hand verweist auf die weiße Hand der Saruman-Orks. Erzähle mir keiner, dass das ein Zufall ist.

  3. „It runs in the family“: Schrotthändlerin Rey ist also selbst ohne Ausbildung ähnlich mächtig (im Sinne von „Fühle die Macht, Luke“) wie der übermotivierte „Böse Lord“ Ben. Wie passt Rey in diese Familienaufstellung herein? Wessen Tochter ist sie denn nun? Nachdem Prinzessin Leia sicher aufgefallen wäre, wenn sie auf einem Wüstenplaneten eine kleine Tochter vergessen hätte, bleibt eigentlich als Mutter nur die gute Padme, oder?

  4. Aufstieg und Fall der Nationen: Die aktuelle Beobachtung, dass von den kurzen Perioden der Weltkriege abgesehen alles immer besser wird (mehr Wohlstand, mehr Lebensqualität, mehr Erkenntnis) ist gültig, wenn man nur einen kleinen Ausschnitt der Geschichte beobachtet. In der Spätantike und im frühen Mittelalter gab es durchaus lange (und wir reden über hunderte von Jahren) Perioden, in denen alles den Bach runterging: Reduktion des Fernhandels, Aufgabe von Wassermühlen und Ersatz durch Göpelwerke, Reduktion des Feldertrages, Verlust von Kunstfertigkeiten und wissenschaftlicher Erkenntnis [2]. Deshalb liegen bei Star Wars völlig realistischerweise halbausgeschlachtete Sternenzerstörer herum und werden Teilchen für Teilchen gegen Instant-Schrippen getauscht. Ich mag das!

  5. Frisuren sind bei Star Wars ein wichtiges Thema. Während die liebe Prinzessin (jetzt Generalin) Leia mit ihrem Tymoschenkow-Ährenkranz die Over-Ear-Schnecken aus dem ersten Film nur sachte variiert, wird mit dem Altsächsischen Kriegerkopf des bösen Ben eine völlig neue Ebene der Verunstaltung erreicht, die eigentlich nur Professor Snape als Vorläufer anführen kann. Prima!  
So dumm schauen sie nur selten: generell ist die Schauspielkunst in Star Wars 7 nicht so schlecht, wie man es befürchten durfte. Eher besser als in den letzten sechs Filmen des Franchise.

Friendlys Schulnote: Das ist alles gut, sogar sehr gut. Wahrscheinlich ist SW7 das Beste, was man aus der Geschichte jetzt machen konnte. Abrams geht respektvoll, aber unverbraucht an den Mythos heran. Er macht nicht alles anders, aber er lässt sich von Übervater Lucas und seinem Mega-Plot nichts vorschreiben.

Zu mäkeln habe ich nur ein Detail: Wer kann mir sagen, warum der Besuch in der Oase so verschenkt worden ist? Wie aufwendig kann man das Finden eines Lichtschwertes eigentlich inszenieren? Welche Funktion hat die Oasenbesitzerin? Und warum wird sie als ‚gefährlich‘ angekündigt, ist dann aber nur die nette Oma?

P.S.: Die Tentakelmonster konnten sogar vor dem strengen Auge meiner Liebsten als „phantasievoll“ durchgehen!

P.P.S.: Meine Söhne fanden’s auch gut!

P.P.P.S.: Ich hätte noch gerne etwas über Leias Büstenhalter-Problematik geschrieben, habe aber keinen Vorwand gefunden.

P.P.P.P.S: Das Casting für diesen Film stelle ich mir sehr, sehr lustig vor: Wenn Abrams seine Getreuen ausschwärmen lässt, um die alten Darsteller wieder zu finden (vielleicht, heruntergekommen, vielleicht der Schauspielerei längst entwachsen, vielleicht Schafscherer in Neuseeland?) und zu überreden, noch einmal auf den alten Gaul "Star Wars" zu steigen ... Na gut, vielleicht hat die Gage doch etwas geholfen? (Ok, in Wirklichkeit waren die alten Schauspieler - Ford, Hamill, Fisher - noch aktiv und sogar recht erfolgreich...)

[1] …eines erdähnlichen Planeten. Aktuell liegt der jährliche Stahl-Output weltweit bei 1,6 Milliarden Tonnen (Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl, Verband der Stahlindustrie in Deutschland, www.stahl-online.de)

[2] H.-J. Gilomen: „Wirtschaftsgeschichte des Mittelalter“, C.H. Beck, 2014

[3] Mani, (216-276 n. Chr.) Persischer Theologe und Begründer des Manichäismus: Erlösungsgeschehen wird durch das ewige Ringen zwischen Licht und Dunkelheit, Gut und Böse bestimmt (-> Gnosis)

[4] "verborgene Parakletos":  aus der Welt (aus meist religiösen Gründen) zurückgezogener Sektengründer (wörtlich: Fürsprecher). Beispiele: Mohammed, Barbarossa


Samstag, 13. Dezember 2014

Alien 2

„Aliens“ war der erste erfolgreiche Horror-Actionfilm und Inspiration für alles was danach kam. Wenn man zwei Genres miteinander vermengt, kommt oft nichts Gutes heraus – es braucht schon einen genialen Regisseur wie James Cameron, um eine ganz neue Art von Film zu schaffen.

Mit Adjektive wie „genial“ wirft selbst Euer notorisch hochgestimmter Friendly nicht jeden Tag herum, deshalb als Beleg ein Auszug aus der Cameron- Filmografie:
  • 1984: Terminator
  • 1985: Rambo II 
  • 1986: Aliens 
  • 1989: Abyss
  • 1991: Terminator 2
  • 1994: True Lies 
  • 1997: Titanic
  • 2002: Solaris
  • 2009: Avatar
Das nenne ich mal eine Erfolgsgeschichte. Camerons Filme sind nicht nur einige der kommerziell erfolgreichsten, es sind auch im höchsten Maße einflussreiche Filme - Filme, die das künstlerische Repertoire aller Regisseure erweitert haben.

Zurück zum Film:

Ich liebe diese körnigen Bilder: Ripley rappelt sich hoch aus dem Kälteschlaf. Sie wird ihre ganze Kraft brauchen
Ellen Ripley ist am Ende des Vorgängerfilms „Alien“ (ohne „s“) im Kälteschlaf (aber mit Kater) vom Schauplatz der Auseinandersetzung mit dem grauenhaften Killer-Parasiten, der die gesamte restliche Mannschaft ausgelöscht hatte, geflüchtet. 53 Jahre später wird ihr Schiff geborgen, sie wird aufgetaut und muss sich vor einem Untersuchungsausschuss zu den Ereignissen an Bord des Frachtraumschiffes „Nostromo“ erklären.

Wie erklärt man den Totalverlust eines 70-Millionen-Raumschiffs? Am besten nicht mit einer Geschichte über außerirdische Lebensformen. Der Ausschuss glaubt ihr kein Wort - die Mitglieder fühlen sich schon sehr großzügig, wenn sie die Zwischenfälle auf Verwirrtheit zurückführen und nur Ripleys Offizierspatent einziehen – Arbeit als Ladearbeiterin ist das Beste, was sie jetzt noch erwarten kann.

Die Story ist ja auch wirklich hanebüchen: Schließlich gibt es auf dem Planeten LV-426, auf dem die Nostromo gescheitert war, nun bereits seit 20 Jahren eine lebhafte Kolonie – Mooooment! Siedler auf dem Alien-Planeten? Ripley gerät in Panik, der Saalschutz muss sie entfernen.

Einer im Ausschuss weiß mehr als die anderen: Carter Burke ist der Repräsentant der Betreibergesellschaft der Kolonie, seiner Gesellschaft gehörte die „Nostromo“. Ein Wesen, das eine Schiffsmannschaft einfach so ausknipst, kann offensichtlich von unschätzbaren Wert für die Wehrtechnik-Sparte des Konzerns sein.
Ganz ruhig Ripley, die müssen so aussehen. Marines eben...
Als die Kolonisten nicht mehr auf Funksprüche antworten, überredet er Ripley, mit ihm, einem Androiden und einem Kampftrupp Marines zurück nach LV-426 zu fliegen.

Egal, ob man den Vorgängerfilm gesehen hat – das auf LV-426 etwas Böses wartet ist offensichtlich. Mit Peilgeräten suchen die Marines die vermissten Siedler – und finden sie schließlich eingewachsen in eine enorme, ganze Gebäudetrakte auskleidende Gewebestruktur. Ripley findet die gut versteckte Rebecca – ein achtjähriges Mädchen ist der einzige unversehrte Überlebende.
Rebecca, aka "Molch", hat sich erfolgreich vor den Aliens versteckt. Ob sie es Ripley beibringen kann? Ripley hat ihre Tochter verloren und wird noch mehr verlieren.
Das zu tun, wozu Marines gut sind, verbietet sich hier: Explosivgeschosse sind in direkter Umgebung des Kühlungssystems eines Fusionsreaktors eher nicht zu empfehlen. Das macht den Kampf nicht leichter – und prompt greifen Aliens an.

Ripley evakuiert Rebecca in einen Schutzraum, wird aber von Carter gelinkt, der zwei Aliens im Parasitenstadium in den Raum scheucht. Sein Plan ist einfach: wenn es schon schwierig ist, erwachsene Aliens gefangen zu nehmen, will er wenigstens Larven in den Wirtskörpern von Ripley und Rebecca schmuggeln.

Ripley rettet die Lage durch das Auslösen des Feueralarms. Dann geht der Tanz erst richtig los: Aliens greifen durch die Zwischendecke an. Im Getümmel wird Rebecca entführt und Ripley macht sich auf die Suche.
Das sieht jetzt schon mal nicht gut aus. Rebecca wird überleben - eine Zeit lang.
Rebecca ist schon am Alien-Gewebe befestigt als Ripley sie findet und befreit – der Rückweg führt leider durch ein Gewölbe mit der eierlegenden Alien-Mammi (ein wahrhaft furchteinflößendes Monster, vorne skelettierte Kampfmaschine, hinten ein zeppelingroßer Eiersack). Zunächst sieht es nach einem Gentlewoman’s Agreement aus: „Du lässt meine Kleine in Ruhe und ich tue Deinen Eiern nichts“. Ich habe es vielleicht nicht mitbekommen, warum Ripley schließlich doch den Flammenwerfer zündet, aber sie jätet im Garten, bis Mrs. Alien ihren Eiersack abwirft und sich auf die Jagd begibt.

Der Rückzug gestaltet sich schwieriger, als Ripley gedacht hatte, und irgendwann ist zwar die Munition alle, das Oberalien ist aber immer noch hinter ihr her. Ein geschlossenes Schott gibt ihr dreißig Sekunden Zeit, und jetzt kommt das, was ich unter meine All-Time-Greatest der Kampfszenen einordnen möchte (gut, hier schreibt jemand, der sowohl einen Stapler- als auch einen Kranschein hat): Ripley hat sich in einen Exoskelett-Lademanipulator gezwängt (eine Art von kleiner Ausgabe eines Battlemechs, aber ohne Waffen) der normalerweise für das Verladen von Schwergut verwendet wird.

Mit _diesen_ Muskeln hat sie auch im Ringkampf gegen Mamma Alien eine Chance. Allerdings hat das Alien zwei Hände _und_ einen lanzen-spitzen und gefährlich langen Schwanz…
Ja, gut: das sind halt 80er-Frisuren. Trotzdem hat der Film nichts an Frische verloren.
Was folgt ist sehenswert: nach etlichem Hin- und Her kann Ripley das Alien schließlich in eine Luftschleuse stürzen. Jetzt nur noch das Außenschott öffnen! Problematisch bleibt, dass Ripley selbst auch in der Schleuse hängt und das Innenschott weiter sperrangelweit offen steht. In einem Anfall von Heroismus zieht Ripley am Override-Hebel und pustet das Alien (und auch fast sich selbst) in den Weltraum hinaus. Ripley überlebt, Rebecca überlebt, der Androide Bishop überlebt, allerdings als zwei Hälften. Von den Marines überleben ebenfalls zwei. Sie programmieren das Schiff auf Heimkurs und gehen schlafen.

Wie war’s?

Das ist ein echt guter Film! Wenn man solche Filme mag! „Solche“ bedeutet hier vor allem die Kombination von Horror mit Baller – ein Borror-Film, gewissermaßen. Kerndialektik dieses Films: Du kannst einen ganzen Trupp hartgesottener Marines neben dir haben und dennoch ist Angst im Dunklen durchaus angebracht. 

Was der Film leistet: er führt mit dem Kind in uns, das sich vor dem Monster im Schrank fürchtet, ein ernsthaftes Gespräch: „Ja, das Monster im Schrank gibt es wirklich. Und nein, Papa kann nichts dagegen tun. Wenn es kommt, dann bist Du wahrscheinlich verloren. Tut mir leid.“

Tja, das ist schon ganz schön gruselig.

Welche Rolle spielt Ripley? Sie ist das Kind, das kämpft.
Schlagt es tot, es quält sich ja nur noch... Das ist Bishop, der Android. Der ist aber nur mehr halb von Nutzen
Friendlys Schulnote: eine Eins-Minus. Eigentlich eine glatte Eins, aber Ripleys Frisur muss auch irgendwie in die Wertung eingehen. FSK-16, ich empfehle den Film ab 14 Jahren.

Rätselfrage: Jodie Foster (die ich noch ein bisschen mehr für ihre Kunst verehre als Sigourney Weaver) hat nicht in dem Film mitgespielt, den ich meine (sondern in „Contact“). Dafür war Vivica A. Fox (die aus Kill Bill) dabei. Und es wird ein sehr bekanntes Lied der sehr guten Band R.E.M. gespielt, bevor es richtig losgeht. Wie heißt der Film? (Noch ein Tipp, dann ist es aber gut: einer der männlichen Hauptdarsteller ist im Film mit einer Stripperin liiert)

Antwort der letzten Frage: Wie schon richtig von einem Leser beantwortet: Charles Dance war es! Er spielt in „Game of Thrones“ den Tivin Lennister, Vater des Tyrion Lennister.

Montag, 17. November 2014

Interstellar

Dieser Film schafft es, sowohl besonders gut als auch besonders mittelmäßig zur gleichen Zeit zu sein. Mit 169 Minuten Laufzeit hat er ja auch die Zeit dazu. Schlecht ist der Film, wenn zwei Wissenschaftler-Darsteller vor einem Whiteboard stehen und sich gegenseitig mit Pseudo-Physik zuschwurbeln. Gut ist er, wenn die schwarze Leere des Weltraums auf einmal unendlich zu sein scheint und das Raumschiff sehr, sehr klein.
Cooper kapert eine vergessene Drohne. Wenn er sie hat, wird sie zur Mähdreschersteuerung umgebaut

Worum geht’s?

Wie gesagt: 169 Minuten Laufzeit, da kommt einiges zusammen. Ich fasse mich kurz: Der Klimawandel und die Änderung der Atmosphärenzusammensetzung setzen der Erde zu: Die meisten Kulturpflanzen wachsen nicht mehr und die Ernährung der Bevölkerung ist das vorherrschende Problem auch in den entwickelten Staaten.

Als Folge arbeiten fast alle Menschen in der Landwirtschaft – so auch die Familie von Ex-Astronaut Cooper. Cooper findet über Beobachtungen seiner Tochter Murphy (wer seine Tochter ‚Murphy‘ nennt, kann sich nachher nicht beschweren, wenn sie ihn mit der Axt erschlägt, finde ich) Kontakt zu einer im Untergrund operierenden NASA, geleitet von Professor Brand, seinem früheren Chef.

Er erfährt, dass Brand vor Jahren zwölf Astronauten durch eine interstellare Abkürzung (aka ‚Wurmloch‘) zu einem fernen Sonnensystem mit 12 Planeten geschickt hat, um als Vorauskommando nach einem bewohnbaren Planeten zu suchen. Cooper soll nun zusammen mit Brands Tochter und zwei weiteren Astronauten hinfliegen und die Berichte der zwölf Späher einholen und überprüfen. Danach würde die NASA an die Öffentlichkeit gehen und die Menschheit in das hoffentlich gefundene Paradies evakuieren (Plan A) oder wenigstens 500 gefrorene, befruchtete Eizellen, die sie Cooper und Brand eingepackt haben, heranwachsen lassen um den Planeten zu besiedeln (Plan B).
"Wir brauchen keine Ingenieure mehr, wir brauchen Farmer!" - jaja, und die Mondlandung war ein großes Täuschungsmanöver, um die Russen in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben...
Cooper verabschiedet sich von Sohn und Tochter (die ihm den Abschied sehr übel nimmt) und bewältigt die abenteuerlich Reise in das andere System knapp, aber lebend.

Der Treibstoff reicht leider nur mehr für den Besuch eines der drei Planeten, von dessen Oberfläche noch Funksignale kommen. Die Besatzung entscheidet sich für den Planeten mit den besten Umweltbedingungen.

Erfreulicherweise ist Astronaut Dr. Mann, der auf diesem Planeten vor Jahren gelandet ist, noch am Leben. Sie wecken ihn aus dem Kälteschlaf – was vielleicht ein Fehler war, weil Dr. Mann die Sensordaten gefälscht und dem unwirtlichen Eisplaneten eine lebensfreundliche Oberfläche unter dem Eispanzer angedichtet hatte, mit dem Ziel, die nachfolgenden Expeditionen dazu zu bewegen, ihn doch bitte wieder abzuholen. Jetzt muss etwas vertuscht werden, und er beginnt erst mal damit, Cooper die Helmscheibe einzuschlagen.
Lebensfeindlicher Eisplanet wird als Blumeninsel verkauft - Hauptsache jemand kommt mich abholen!
Jetzt wird es etwas turbulent: Mann flüchtet mit dem Landeboot und will am Raumschiff andocken, verbockt es und fliegt in die Luft. Cooper und Miss Brand kommen mit dem zweiten Lander nach und docken an das beschädigte Raumschiff an. Leider haben sie nun zu wenig Treibstoff, um irgendwo hinzukommen. Sie versuchen es schließlich mit einem Trick: ein Swing-By um das Schwarze Loch im Zentrum des Systems und das gleichzeitige Abwerfen des Landers soll das Raumschiff mit Fräulein Brand auf einen der anderen vielversprechenden Planeten bringen. Einziger Pferdefuß: der Lander muss mit Cooper drin abgeworfen werden.

So wird’s gemacht. Cooper ist so gut wie tot, als er mit dem Lander auf das schwarze Loch zufliegt – stürzt aber nicht in den Tot, sondern in ein seltsames Konstrukt, in dem alle Zeiten und Optionen einer Situation zugleich wie aufeinandergestapelte Würfel für ihn zugänglich sind. In diesem Konstrukt gelingt es ihm, seiner Tochter Murphy die alles entscheidenden Messdaten über das schwarze Loch zukommen zu lassen (und nebenbei noch ein paar Ungereimtheiten in der Story durch astreine Paradoxien zu ersetzen).

Cooper wacht in einem Krankenhausbett an Bord einer besiedelten Raumstation auf, die von seiner Tochter unter Verwendung seiner Daten konstruiert worden ist. Er trifft seine mittlerweile über 90-jährige Tochter wieder (Zeitdehnung), Finish, Ende, Aus. Über das weitere Schicksal von Fräulein Brand ist nichts bekannt.
Na wenigstens kann die NASA noch schöne Aufnäher designen.

Wie war’s?

Naja. Es heißt, Regisseur Christopher Nolan habe sich geraume Zeit mit Relativität und Quantenmechanik beschäftigt, bevor er den Film gedreht hat. Das hätte er besser bleiben lassen sollen, vielleicht hätte er dann nicht das Verlangen gefühlt, seinen Figuren so viel pseudowissenschaftlichen Quatsch in den Mund zu legen. Überhaupt: Warum reden? Ich dachte wir sind im Film? Ich möchte, dass im Film mehr passiert, als dass sich die Mäuler bewegen.

Obendrein: Wenn Wissenschaftler reden, dann nicht so. Die Sprache der Physik ist die Mathematik, kein Physiker außerhalb von „Big Bang Theory“ würde mit seinen Kollegen so schwammig über Quantenschäume und Ereignishorizonte reden wie es die Figuren in diesem Film tun. Diese ganze Geschwätzigkeit hebt sich leider unvorteilhaft von einem Klassiker wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ und sogar von seinem direkten Vergleich aus 2014, „Gravity“ ab. Diese Filme vertrauen auf die Kraft der Bilder. „Interstellar“ hat die schönen Bilder, hat die großen Momente, aber Nolan verwässert seinen Film und will zusätzlich den Zuschauer noch mit Wissenschafts-Kauderwelsch besoffen reden.   
In seinen besten Momenten trägt der Film mich davon, wie es nur Weltraumfilme können
Noch etwas zu den Charakteren: so richtig glaubwürdig war für mich keiner. Cooper habe ich grade noch abgenommen, dass er sich zu den Sternen sehnt, aber das war es dann schon: Murphy, Brand, Dr. Mann – alles Staffagen, seelenlose Funktionsträger der Story.
Noch ein Problem des Filmes: einer der philosophischen Themen sollte offensichtlich Dr. Manns These von der Selbstbehauptung sein – kurz gesagt: alles ist erlaubt, wenn es sonst ans eigene Leben ginge. Das ist eine These, die mich einfach nicht interessiert. Ist das jetzt wieder so ein Amerika-Ding? Eine kulturelle Dissonanz? Sind die amerikanischen Zuschauer inspiriert, wenn sie das im Kino sehen? Mir sagt es nichts, und meinen Freunden auch nichts.

Und: die Sache mit den 169 Minuten. Der Film ist schlicht zu lang. Besser kein Bier mit in die Vorstellung nehmen.

Jetzt zu den guten Seiten: Der Film ist großartig bebildert. Die Abenteuer auf den Planeten sind spannend, der Weltraum ehrfurchtgebietend. Sogar das schwarze Loch ist attraktiv gestaltet. Besonders gefallen hat mir die Darstellung des 5-dimensionalen ‚alles-zugleich‘ Konstruktes. Das hat Stil!

Das bringt mich zurück zum Ausgangsproblem: Dieser Film hat sich so viel Zeit genommen, dass er spielend beides zugleich sein kann: gut (Bilder, Abenteuer, Weltraum) und schlecht (Geschwurbel, Charaktere, ethische Dilemmata). Im Ganzen deshalb diesmal Friendlys Schulnote: nur eine Zwei.

Rätselfrage: Der Computer in „2001“ hat einen Namen, der auf eine bekannte Computerfirma verweist. Welche Firma ist das?

Mittwoch, 26. März 2014

Gravity

Zwei Astronauten werden im Außeneinsatz von Weltraumschrott erwischt, der die Raumfähre so stark beschädigt, dass ein Rückflug zur Erde unmöglich wird. Sie versuchen, mit Ihren Raumanzügen zur ISS zu fliegen. Leider ist die ISS ebenfalls schon Schrott, als sie dort ankommen. Unterwegs gibt es weitere Krisen, unter anderem verfängt sich einer der Astronauten (Mr. Super-Cool George Clooney) und verliert schließlich den Kontakt zu seiner Mitastronautin (Mrs. Super-Sympathisch Sandra Bullock). 


Im ISS: Sandra Bullock nimmt dann doch mal beide Hände an den Lenker

Jetzt wird es wissenschaftlich wirklich wild: von der beschädigten ISS fliegt Sanda mit einer Rettungskapsel weiter zu einer chinesischen Station, findet diese ebenfalls beschädigt, will schon aufgeben, aber da erscheint ihr im Nebel der Sauerstoff-Unterversorgung der verschwundene Kumpel Clooney und ruft Sie zur Ordnung. Sie reißt sich zusammen und steuert die Station mithilfe allerlei cleveren Manövern und unter Einsatz eines Handfeuerlöschers in den Sinkflug und landet nach dramatischer Röstung in der Atmosphäre schließlich in einem See.

Hier hätte der Film ein überraschendes Ende nehmen können, weil Sandra die Raumkapsel flutet, um das Feuer zu bekämpfen und dabei fast mit untergeht, aber sie überlebt zwecks zumindest halbem Happy Ending.

Obwohl ich mir schon am Inhalt die Hände müde geschrieben habe, passiert eigentlich nicht ständig etwas. Der Film ist von langen, meditativen Strecken geprägt, in denen einfach nur dahergeschwebt wird. Ich bin zwischenzeitlich eingeschlafen - was aber nicht heißen soll, dass ein wacherer Zuschauer diese Stellen nicht auch hätte genießen können.

Überraschenderweise ist der Film sowohl für den geeignet, der bei Stanislaw Lems "Solaris" erst so richtig aufblüht wie für den "Armageddon"-Seher, der bei einem Weltraumfilm eigentlich immer auf die Laserkanonen wartet (wie mir).

Friendly's Schulnote: Im Ganzen: eine knappe EINS, weil ich Sandra Bullock so nett finde

Rätselfrage: In welchem Film werden die tiefsinnigen Worte "...und der Weltfriede!" gesprochen? (Tip: Hauptdarstellerin!)

Antwort zur letzten Frage: Pippin zu Gandalf, Herr der Ringe, zweiter Teil

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