Mittwoch, 11. Februar 2015

True Detective (Staffel 1)

Ritualmorde an Kindern - nicht grade mein Lieblingsthema. Erfreulicherweise wird in „True Detective“ aus dem Thema nicht nur billiger Grusel gepresst. Stattdessen werden die Lebensgeschichten der beiden Polizisten über zwei Perioden, die 14 Jahre auseinander liegen, kunstvoll mit denen der Opfer und Täter verwoben – das kann nur eine Serie von acht Stunden Länge leisten.
Überall Zeichen zu sehen ist nicht grade ein Indiz für seelische Stabilität. Andererseits: Dass Du paranoid bist, bedeutet nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind.

Wie war’s?


Vorweg ein paar Worte zum Intro, das ich so gelungen finde wie selten eines vorher: Die Projektionen von Filmstills auf Gegenstände und Personen, unterstützt von der beunruhigend–melancholischen Filmmusik „Far from any road“ im Southern Gothic Stil spiegelt die gebrochene Perspektive des Films: Alles erscheint nicht als es selbst, sondern als Projektion und verzerrt vom Auge des Betrachters. Die Dinge sind nicht wie sie scheinen, aber auch nicht das Gegenteil. Großartig.
What's inside your head? - Das Intro von True Detective ist ein Kunstwerk
Die Serie hat mich komplett mit dem Konzept „Serie“ ausgesöhnt. Ich muss dazu sagen, dass meine Serienerfahrung sich bisher in engen Grenzen hielt: Ich habe nahezu alle Folgen von „Dr. House“ gesehen, „Sex and the City“ komplett, „Game of Thrones“ soweit auf Deutsch erschienen und ein paar Folgen von „Desperate Housewifes“ (hat mir nicht gefallen).

In der Rückschau sind das (bis auf Game of Thrones) Serien, deren Folgen nur lose zusammenhängen. Sie unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht sehr von „Pingu“ (kennt eigentlich noch jemand die Folge, in der er durch den Kamin in die Hütte kriecht um seine kleine Schwester zu überraschen? Diese Folge wollte mein Sohn damals nicht ein zweites Mal sehen, das war ihm zu gruselig – ich liebe ihn).
Oder doch mit der minderjährigen Prostituierten ins Bett gehen? Was soll's, warum eigentlich nicht?
True Detective ist also meine erste Miniserie mit einer durchgängigen Story, also eigentlich ein einziger Kinofilm von acht Stunden Länge mit sieben Pausen. Was mir in Filmen so oft fehlt (wie oft habe ich bei Filmen gemäkelt: „Keine Charakterentwicklung, zu wenig Zeit“) – hier ist es möglich.

Worum geht’s?


Ziemlich verwickelte Geschichte, die auf mehreren Zeitebenen erzählt wird. Da ist zunächst die Zeit um 95, in der die beiden Detectives Martin Hard (mein geliebter Woody Harrelson) und Rustin Cohle zum Schauplatz eines Ritualmordes gerufen werden: inmitten von Maisfeldern finden sie eine kniende, nackte Frauenleiche, gefesselt und mit einem Geweih und einem Kranz aus Zweigen dekoriert. Im Baum davor hängen Rutengeflechte a la „Blair Witch Project“.
Daran zu glauben, dass es einem Vorteile bringt, andere Menschen rituell zu Tode zu bringen, ist eine der Säulen der Religionen. Auch Deiner.
Die beiden Detectives suchen den Mörder und finden noch viel Hin und her so einiges und schließlich auch einen ziemlich verdächtigen, der sein abgelegenes Haus mit Stolperdrähten und Handgranaten gesichert hat. (Unmöglich, so viel Handlung hier detailliert nachzuerzählen). Der Schurke stirbt im Feuergefecht, zwei entführte Mädchen werden befreit.
"You figure it's all a scam, huh? All them folks? They just wrong?"
"Oh yeah! Been that way since one monkey looked at the sun and told the other monkey, "He said for you to give me your fucking share""
Im Jahr 2012 ist Hart der Inhaber eines medioker laufenden Security-Consulting-Ladens. Rusty ist Aushilfsarbeiter und Alkoholiker. Beide werden in einer internen Untersuchung zu den Ereignissen des Jahres `95 befragt und müssen erkennen, dass der Fall, der ihr Leben verändert – oder zerstört – hatte, noch nicht gelöst ist. Obwohl die Abneigung, die sie schon damals füreinander gefasst hatten, sich zu handfester Verachtung ausgewachsen hat, gehen sie wieder zusammen auf die Jagd – der Kinder wegen.
Hard und Cole: Keine Buddy-Movie-Kalauer, aber ernsthafte Zweifel an der geistigen Gesundheit des jeweils anderen. Acht Stunden Film machen es möglich.


Fazit?


Das ist das Beste, was ich (mit meiner beschränkten Serienerfahrung) je gesehen habe. Definitiv besser als das minutenschindende „Walking Dead“, tiefsinniger als (das schon exzellente) „Breaking Bad“, nicht so „nice“ wie „Fargo“ (die episodenhaften Serien wie „House“ und „S&C“ lasse ich mal ganz aus dem Spiel). 

„True Detective“ spielt, wenn auch in einem ganz anderen Genre, in einer Liga mit „Game of Thrones“, und das will etwas heißen. Ich bin ja sowieso ein Woody-Harrelson-Fan seit ich ´94 „Natural Born Killers“ gesehen habe (siehe auch: Meine Lieblingsschauspieler) und das hat sich mit „Zombieland“, „Larry Flint“ und „You don’t see me“ nur verfestigt.
Er ist nicht grade die Karriereleiter hinaufgefallen: Halbtags arbeiten, ab Nachmittag blau. Rustin gefällt es so. Die Detectives holen ihm das Sixpack - Hauptsache er redet,

„True Detective“ fällt auch deshalb aus dem Rahmen, weil die Serie das tut, was man eigentlich in Gesellschaft vermeiden sollte: sie redet kritisch über Religion. Das ländliche Amerika mit seinen Erweckungspredigern, Zeltmissionen und Born-Again-Christen entlarvt sich als bigotte Anti-Idylle: Religion ist der gesellschaftlich akzeptierte Schleier über Geschäftmacherei, Heuchlerei und Ausbeutung. Ganz nebenbei zeigt die Serie Religion in den USA als „acquired taste“: Religionen (und Götter) kommen und gehen. Ein Kult, der Kinder opfert ist auch nicht unvernünftiger als einer, der vor Schlangenbissen schützt oder der das Leben nach dem Tod verspricht: Glaube ist böse - das ist für eine amerikanische Serie schon ganz schön innovativ.

Hards Untreue wird ihm noch mal das Leben versauen. (im Bild: Alexandra Daddario)
Ich empfehle die Serie ausdrücklich, allerdings erst ab 18 Jahren (FSK-16). Da geht es schon manchmal sehr gruselig zu, auch wenn plakative Effekte eher spärlich verteilt sind.

Friendlys Schulnote:  Eine EINS – ohne Wenn und Aber.

Rätselfrage:  Es gibt einen recht bekannten Kriegsfilm (nein – nicht Kurosawas „Die verborgene Festung“), der George Lukas bei der Inszenierung des ersten Star Wars Films inspiriert hat. Wie heißt der Film? (Übrigens möchte ich noch einmal auf die noch ungelöste Rätselfrage mit den farbigen Türen hinweisen. Eine befriedigende Antwort ist noch nicht bei mir aufgetaucht, und die beiden Preise sind noch zu vergeben!)

Antwort der letzten Frage: Der gesuchte Zwergplanet ist XENA (wie in "Xena – Warrior Princess"). Leider wurde er kürzlich in ERIS umgetauft – auch sehr passend, wenn man bedenkt, dass die Göttin der Zwietracht vielleicht den ganzen Streit um "Planet vs. Zwergplanet" befeuert hat.

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