Donnerstag, 10. September 2015

L.A. Crash

Rasse als das eine bestimmende Thema, wann immer zwei Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe aufeinander treffen – für uns in Europa ist das ebenso fremd wie das Kastenwesen in Indien oder wie die fünf Klassen in „Die Bestimmung“. In den USA scheint es immer noch wie in den schlechten alten Tagen das Zusammenleben zu vergiften, zumindest wenn man „LA Crash“ glauben will.
Das Gefühl der Ohnmacht kann das ganze Leben in eine andere Perspektive rücken.Da muss sie erst einmal drüber nachdenken.


Worum geht’s?


Erfreulich: in diesem Film ist niemand nur gut oder nur böse. Der rassistische Bulle, der die schwarze Freundin des Regisseurs betatscht, ist gleichzeitig der liebende Sohn, der seinen sterbenden Vater betrauert. Die jugendlichen Autoräuber überfahren den chinesisch-stämmigen Kleinhändler (schlecht) und bringen ihn dann zum Krankenhaus, statt Fahrerflucht zu begehen (gut). Der dunkelhäutige Vorgesetzte will die Beschwerde eines Untergebenen gegen einen rassistischen Kollegen nicht annehmen, und die lilienweiße Frau des Staatsanwaltes traut keinem mehr, der eine dunklere Farbe hat als sie selbst, seit bei ihnen eingebrochen worden ist.

Ein Schweinepriester sondergleichen. Rechtfertigt seine rassistischen Sexualdelikte damit, das seinem Vater von der mehrheitlich von Weißen besetzten Kommunalverwaltung über mitgespielt worden ist. Wo ist der Sinn?

Am Ende will der einzige Gute (der alte persisch-stämmiger Kurzwarenhändler, der nicht sehr gut Englisch spricht) den einzigen anderen Guten (den Hispanic-Familienvater vom Schlüsseldienst) über den Haufen schießen. Und dann springt ihm noch die kleine Tochter vor den Lauf.

Wie war’s?


Definitiv einer der besten und unterhaltsamsten Filme die ich kenne. Sehr komplex, es passiert nicht nur sehr viel, sondern auch sehr viel, über das man nachdenken kann. Wie würdest Du reagieren, wenn der Polizist an Deiner Freundin herumfummelt? Klar, hier würdest Du den Lauten machen und eine Dienstaufsichtsbeschwerde ankündigen. In Amerika? Als Schwarzer? Nach dem Rodney King Fall? (Ich persönlich würde trotzdem auf die Barrikaden gehen, aber das ist ein individueller Charakterzug, den man wahlweise Zivilcourage oder „Schwierigkeiten mit Autorität“ nennen kann und der mich im Leben auch schon etwa gekostet haben mag). Und ist das eine gute Idee?

"What I need is a husband who will not just stand there, while I'm being molested."

Dabei ist der Film nicht zur Agitation geraten: die Schwarzen sind keine Opfer, zumindest nicht immer und zumindest nicht nur: Die Jungs, die sich aufregen, dass man ihnen nicht traut, werden gleich ein Verbrechen begehen. Der schwarze Polizist hat nicht aus Notwehr gehandelt, als er den weißen Drogi erschoss, aber weil im Rathaus wird dringend ein Held gesucht wird, bring ihm das Belobigung und Orden.
Sieht aus wie der Böse, ist hier aber nur der überforderte Persische Einwanderer. Hat allerdings eine Waffe und ein Problem mit der Versicherung. Da ist noch Musik drin, suspensemäßig.

Friendlys Schulnote: eine Zwei-Plus. Warum keine Eins, wenn ich den Film doch so gut finde? Ich argwöhne, dass meine Begeisterung in diesem Fall nicht ganz so verallgemeinerungsfähig ist wie sonst. Und die Spezifika der Rassenproblematik in den USA mit ihrer ganzen subtilen Diskriminierung sind eben doch ein sehr lokales Thema, das mit uns hier nicht so viel zu tun hat.

Der Film ist ideal für Leute, die komplexe Stories mit einer mehrstelligen Anzahl von Beteiligten nicht scheuen. Frei ab 12, ich empfehle ihn ab 14 Jahren (weil verwirrend).

Der Kurioses am Ende: im Film wird jeder mit dem Etikett seiner vermuteten Herkunft angesprochen und es ist immer die falsche: der Perser wird zum Araber, der Venezuelaner zum Mexikaner...sehr süß.

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