Freitag, 24. Februar 2017

Still Alice

Linguistin Alice unterrichtet an der Uni und bildet sich derartig etwas ein auf ihr Super-Brain, dass schon das Zuschauen wehtut. Da kommt es besonders ungelegen, dass ihre leichte Vergesslichkeit vom Arzt als galoppierende Demenz diagnostiziert wird. 

Alice sagt ihren Studenten, wo es lang geht.
Unterhaltsam, blitzgescheit und streng

Als Studenten sich beschweren und sie den Job verliert, plant sie einen elaborierten, App-basierten Selbstmordplan per Video-Tutorial, der ihr späteres dementes Selbst töten soll, sobald sie die drei Fragen des Tages nicht mehr beantworten kann.

Entweder man kommt nicht mehr aus dem Sessel hoch, oder man findet man vom Joggen nicht mehr heim. 

Cooles Ding und einer Professorin würdig. Funkt nur nicht, weil sie ihrem alten schlauen Selbst im Video nicht mehr folgen kann. Dann fallen ihr noch die Todespillen runter. Ist das gut oder schlecht?

Zu erwähnen ist noch: diese Form der frühzeitigen Demenz ist erblich. Man kann testen, ob mit dem Denken mit 50 Schluss sein wird. Töchterchen ist nicht begeistert.

Es gibt noch erwähnenswerte Nebenkonflikte: Wie gehen die Kinder mit der Nachricht einer vererblichen, unheilbaren Krankheit, die ihnen nach und nach das Selbst rauben wird, zurecht? Wie reagiert der liebende Mann auf die Ausfälle und die Aggressivität der kranken Gattin? Gibt es Navis für Demente?

Nicht denken heißt nicht, nicht fühlen.

"Still Alice" ist ein sehr berührender Film. Natürlich fehlen bedauernswerterweise selbst die grundlegensten Verfolgungsjagden (und Laserkanonen habe ich auch keine gesehen), aber emotional ist alles drin, was einem das Wasser in die Augen treiben kann. Wer über 50 ist (die Einschläge kommen näher!) oder kranke Verwandte hat, wird sich der Wirkung nicht entziehen können - Nachdenklichkeit garantiert.

Lobend zu erwähnen ist übrigens die unglaublich gute und unglaublich sentimentale Nummer "If I had a boat" von Lyle Lovell. (Ist fester Bestandteil meiner Blue-Mood-Playlist). 

P.S.: 
Nach Durchsicht hat meine liebste Demenz-Fachfrau doch ein paar Einwände:
  1. Nicht-mehr-Joggen-können ist doch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ein altersgemäßes körperliches Problem (Bildunterschrift ist korrigiert)
  2. Der Beitrag über  ist im Vergleich zu meinen Artikeln über Filme der leichten Muse wie "Star Wars" eher kurz.
  3. Die Durchführung des App-basierten Selbstmordplans scheint meiner Liebsten nicht realistisch dargestellt. Wahrscheinlicher sei, dass die demente Alice mehr Schwierigkeiten hat, den Anweisungen der früheren, gesunden Alice zu folgen und insbesondere nicht selbsttätig wieder die Treppe heruntergeht, um etwas Vergessenes zu holen.

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