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Montag, 7. Dezember 2015

Die Tribute von Panem 4 - Mockingjay Teil 2

Grrrr… Diese Filmkritik schreibe ich jetzt schon zum zweiten Mal. Habe es in meiner grenzenlosen Medien-Inkompetenz hinbekommen, das fertige Dokument zu löschen und zu überschreiben. Es war weg, wirklich unwiederbringbar weg! (Die letzte große Katastrophe dieser Art ist mir mit 14 Jahren passiert). Davon musste ich mich eine Weile erholen. Deshalb kommt diese Kritik auch so spät, und deshalb fasse ich mich diesmal auch kurz.

Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Katniss Everdeen hat gesiegt, aber der Film darf noch nicht enden. Elisabeth Banks als Effie Trinket ist wieder ein Genuss, hat aber nur wenige Auftritte - diesmal sollen Waffen sprechen.

„Tribute von Panem 4“ hat nicht die beste Ausgangslage. Wie meist, wenn aus einer Trilogie in ungebremstem Erwerbsstreben eine Vier-Filme-Reihe gemacht wird, leiden die letzten beiden Teile. Film drei war eine lange, lange Einleitung und Teil vier ist jetzt eine lange, lange Actionsequenz (siehe zum Thema „Aus drei mach vier“ auch „Die Schlacht der Fünf Heere“).

Allerdings: mir hat schon Teil drei der Katniss-Saga gar nicht so schlecht gefallen, und auch dieser letzte Teil hat mich trotz einiger sichtbarer Schwächen streckenweise gefesselt und im Ganzen immerhin gut unterhalten. Deshalb hier Friendlys dialektische Darstellung:

Wenn Hollywood die Kriegspropaganda gegen den IS machen würde, hätte Hollande nicht so viel Probleme, die deutschen Whimps an die Front zu bringen: Für uns Patrioten ist dieses Plakat doch ein innerer Vorbeimarsch, oder? (Im Bild: die kleine Schwester der Heldin, eigentliche Auslöserin der Revolution und jetzt auch tot, wahrscheinlich durch die Bomben der eigenen Seite)

Was war gut?

  • Katniss, unser aller Lieblingsheoin wandelt sich endlich (und erstaunlicherweise sogar nachvollziehbar) von der ich-wollte-doch-nur-meine-Schwester-retten jungen hübschen Naiven zur eigenständig planenden Person. (Na gut: die zu rettende Schwester ist ja grade in die Luft gebombt worden, wenn das nicht als Denkanstoß reicht, dann hat Tscherschenien nie stattgefunden)
  • Die Action ist überzeugend bebildert und so macho-brutal (schaut euch nur mal die dicken MG-Wummen an, die in der Mauer versteckt sind), dass man streckenweise wirklich etwas Respekt bekommt, obwohl ja eigentlich bekannt ist, wie die Geschichte ausgeht.
  • Der „Streit im Schacht“ mit den augenlosen Mutanten ist für mich das „Alien II“ der Gegenwart. Ich habe über Minuten hin bei jeder Biegung des Tunnels einen Angriff erwartet. Selten haben sich Filmmeter so gelohnt wie bei dieser kunstvollen Retardierung! (Meine Liebste hat allerdings eine abweichende Meinung: Sie findet die Giger-artigen Monster uninspiriert – könnten sich die Regisseure nicht mal etwas Neues ausdenken?)

Nein, dies ist nicht "Black Hawk Down". Katniss wird von der Galeonsfigur zur Akteurin und zieht mit einer ziemlich großen Beschützergruppe durch die verminten Straßen der Hauptstadt.


Was war schwach?


  • Diese Liiiiiebesgeschichte! Und ganz am Ende entscheidet sich Katniss auch noch für den Falschen! Obendrein ist es über-haupt-nicht von der Evidenz gedeckt, dass sich die attraktive und tatkräftige Heldin am Ende für den sanftmütigen Pantoffel entscheidet und nicht für den gutaussehenden Teufel…
  • Das Attentat auf Präsidentin Coin war so vorherzusehen wie ein Lehrfilm der Berufsgenossenschaft. Als Katniss den Bogen nahm und auf Präsident White zielte, die Augen aber schon zum eigentlichen Ziel ihres Pfeiles hob, da fühlte ich mich als Zuschauer nicht mehr ernstgenommen. Muss man in einem Jugendfilm alles vorher erklären, bevor es stattfindet?
  • Generell verliert der Film zum Ende (also nach der Action) etwas an Schwung und bleibt am Schluss sogar komplett stehen - ich habe mindestens dreimal gedacht „Jetzt kommt aber der Abspann!“ und wurde dann mit einer noch langweiligeren, weiteren Szene belästigt.
  • Der Höhepunkt war die letzte Einstellung mit Katniss und Peeta, Kind und diesem unfassbar fetten Säugling auf dem Arm im herbstlichen Kornfeld. Das wäre selbst beim „Traumschiff“ dem Cutter zum Opfer gefallen. (Wer mir trotzdem erzählen kann, was die Szene bedeutet, wird im nächsten Beitrag lobend erwähnt!)

Auch im Kampfeinsatz mit makellosem Teint: Das unterscheidet Märchen von der Wirklichkeit


Friendlys Schulnote: eine Zwei. Kann man gucken, lohnt sich auch streckenweise, fehlt aber nicht auf dem Weg zum umfassend gebildeten Filmkenner.


P.S.: Mein ältester Sohn war unbegeistert von der Idee, die Hauptstadt durch Fallen zu verteidigen (statt durch Truppen). Ich stimme zu, allerdings hat das Konzept ein bedeutendes literarisches Vorbild in einem der drei „Meister Li“-Romane, in der der Herzog von Chan seine Schätze in einer unterirdischen Burg inmitten von Monstren und tödlichen Apperaten versteckt, wo sie der besagte greise Held Meister Li und sein Begleiter Nummer Zehn der Ochse finden müssen. Und außerdem ist es Fun!

Dienstag, 10. März 2015

Selma / 7 Psychos / Focus

Vor wenigen Tagen hat Präsident Obama den 50ten Jahrestag der Ereignisse von Selma feierlich begangen: für Amerika war der Protest von Selma einer der großen Schritte auf dem Weg zu gleichen Rechten und gleichen Chancen für alle Bürger, unabhängig von Abstammung und Herkunft. 

Unglaublich, dass in den USA, Vorreiter (und Vorbild) der demokratischen Staatsform, noch vor einem halben Jahrhundert unter dem Vorwand "Segregated, but equal" Volksgruppen offen diskriminiert und von Wahlen ausgeschlossen wurden. 

Das ist übrigens auch ein guter Jahrestag, um sich mal zu überlegen, wer bei uns von politischem Einfluss und politischer Willensbildung ausgeschlossen ist: Flüchtlinge, Ausländer allgemein, Jugendliche - wollen wir das so beibehalten? Warum dürfen Flüchtlingskinder nicht zur Schule gehen? Warum die Mutter nicht arbeiten? Warum darf der Vater das Bundesland nicht verlassen, auch nicht zum Einkaufen? 

Selma

Reden - das kann er. Die Mühen des Durchsetzens liegen ihm nicht in gleicher Weise. Immerhin: es gibt jetzt eine Krankenversicherung
Martin Luther King, damals bereits Träger des Friedensnobelpreises und anerkannter Bürgerrechtler kam nach Selma, um eine Kampagne zu unterstützen, die sich gegen die damals übliche Praxis, Schwarzen das Wahlrecht mit der Begründung „zu ungebildet“ zu verweigern, richtete.

Auf der Edmund-Pettus-Brücke kurz hinter Selma kam es zum Zuammenstoß: die friedlich marschierenden Bürgerrechtler wurden von Polizisten und weißen Freiwilligen verprügelt. Erst im dritten Anlauf und dann unter großer öffentlicher Anteilnahme erreicht die Demonstration ihr Ziel und setzt Prozesse in Gang, die zum Ende der Verweigerung des Wahlrechtes führen.
"If Martin Luther King came back, he'd say we need another civil rights movement built on class not race."
Der Film malt nicht nur die Ereignisse nach, sondern überträgt auch aus den hinteren Räumen. King und seine Getreuen, wie sie sich streiten, welcher Weg jetzt zum Erfolg führen werde – King mit seiner Frau Coretta, wie sie sich darüber streiten, dass King’s Arbeit seine Kinder in Gefahr brächte und realistischer noch: King und seine Frau, die sich darüber beschwert, dass sie noch nicht einmal das Geld, das King verdient, ausgeben könne, ohne Neider zu provozieren.

Meine Meinung: eine glatte ZWEI. Historisch korrekt, fesselnd dargestellt, himmelschreiendes Unrecht, Gewaltlosigkeit als Weg zur Emanzipation: Tip-top.

(Übrigens: Edmund Pettus war ein General des Bürgerkrieges und bedeutendes Mitglied des Klu-Klux-Klans)


7 Psychos

Sieben Psychos sind eventuell ein paar zu viel für meinen Geschmack. Dabei hatte ich mich schon so auf Woody Harrelson gefreut.
Über „7 Psychos“ habe ich nach dem Release so viel wirres Zeug im Radio gehört, dass ich es aktiv vermieden habe, mit dem Film in Berührung zu kommen. Aber dann hat meine Freundin mir den Film empfohlen – ihr Sohn habe sich kaputtgelacht und überhaupt sei der Film mit seien absurden Gewaltszenen und dem wirren Plot quasi Arthouse und auf jedem Fall so abgedreht, dass er uns gefallen werde

Aaaalso: Der Anfang war schon mal prima. Wie angekündigt: sinnlose übertriebene Gewalt, eine wirre Story, alles sehr Tarantinoesk, aber anders. Dann entwickelte sich eine zweite Erzählebene, der Schreiber der Story tritt in seinem eigenen Film auf, alternative Varianten des Geschehens werden dargestellt… und dann bin ich eingeschlafen. Ich weiß: soll man nicht. Vor allem dann nicht, wenn man darüber schreiben will. War aber für mich: zu sinnlos, zu gewalttätig, zu wirr, zu übertrieben. Für mich: eine glatte DREI. Hilfsweise die Meinung meiner Söhne: Mittlerer Sohn: „guter Film“, Großer Sohn: „Hat mir nicht gefallen, wirkte, als sei dem Drehbuchschreiber nichts eingefallen und als habe er dann einfach das gedreht“.

Focus

"Du hast Karten für den Superbowl? Ist das wirklich war?". Die Karten waren da längst aus seiner in Ihre Tasche gewandert. Manchmal muss man auch ein wenig angeben.

„Focus“ hätte MEIN Film werden können. Das Genre: Masterplan - zwei Betrüger machen das eine, letzte, große Ding. Das Setting: die Welt der wirklich Reichen und Schönen. Die Story: Held und Heldin betrügen alles und jeden und vor allem einander, bis sie sich schließlich verliebt in die Arme sinken. Von der Papierform stimmt hier wirklich alles – nur hat der Film es leider grandios versemmelt, aus den drei Komponenten großes Kino zu machen. Ich habe lange darüber nachgedacht, woran es liegt (und bin immer noch nicht ganz durch damit). Hier die vorläufigen Ergebnisse:
  • Der Film ist seelenlos – In der Eile, Trick auf Trick und Effekt auf Effekt zu stapeln, lässt er uns keine Gelegenheit, Zuneigung zu den Hauptpersonen zu entwickeln.
  • Die Hauptdarsteller zeigen keine Gefühle – und wenn doch, dann entpuppen sich die offenbarte Gefühle sofort als Manipulationsversuch. Das ist einmal witzig, zweimal witzig, als Running Gag hält es den Zuschauer aber zuverlässig auf Distanz.
  • Der Plot enthält mindestens eine völlig unmotivierte und unerklärlich Kernschwäche: Nach dem ersten großen Fischzug verlässt Will seine Margot. Die Regie macht nicht mal den Versuch, dieses Verhalten zu erklären.  
Deshalb trotz des glitzernden Settings und des souveränen Auftretens von Will Smith (vielleicht ein bisschen so wie damals im Date-Doktor) diesmal nur eine DREI.

Mittwoch, 11. Februar 2015

True Detective (Staffel 1)

Ritualmorde an Kindern - nicht grade mein Lieblingsthema. Erfreulicherweise wird in „True Detective“ aus dem Thema nicht nur billiger Grusel gepresst. Stattdessen werden die Lebensgeschichten der beiden Polizisten über zwei Perioden, die 14 Jahre auseinander liegen, kunstvoll mit denen der Opfer und Täter verwoben – das kann nur eine Serie von acht Stunden Länge leisten.
Überall Zeichen zu sehen ist nicht grade ein Indiz für seelische Stabilität. Andererseits: Dass Du paranoid bist, bedeutet nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind.

Wie war’s?


Vorweg ein paar Worte zum Intro, das ich so gelungen finde wie selten eines vorher: Die Projektionen von Filmstills auf Gegenstände und Personen, unterstützt von der beunruhigend–melancholischen Filmmusik „Far from any road“ im Southern Gothic Stil spiegelt die gebrochene Perspektive des Films: Alles erscheint nicht als es selbst, sondern als Projektion und verzerrt vom Auge des Betrachters. Die Dinge sind nicht wie sie scheinen, aber auch nicht das Gegenteil. Großartig.
What's inside your head? - Das Intro von True Detective ist ein Kunstwerk
Die Serie hat mich komplett mit dem Konzept „Serie“ ausgesöhnt. Ich muss dazu sagen, dass meine Serienerfahrung sich bisher in engen Grenzen hielt: Ich habe nahezu alle Folgen von „Dr. House“ gesehen, „Sex and the City“ komplett, „Game of Thrones“ soweit auf Deutsch erschienen und ein paar Folgen von „Desperate Housewifes“ (hat mir nicht gefallen).

In der Rückschau sind das (bis auf Game of Thrones) Serien, deren Folgen nur lose zusammenhängen. Sie unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht sehr von „Pingu“ (kennt eigentlich noch jemand die Folge, in der er durch den Kamin in die Hütte kriecht um seine kleine Schwester zu überraschen? Diese Folge wollte mein Sohn damals nicht ein zweites Mal sehen, das war ihm zu gruselig – ich liebe ihn).
Oder doch mit der minderjährigen Prostituierten ins Bett gehen? Was soll's, warum eigentlich nicht?
True Detective ist also meine erste Miniserie mit einer durchgängigen Story, also eigentlich ein einziger Kinofilm von acht Stunden Länge mit sieben Pausen. Was mir in Filmen so oft fehlt (wie oft habe ich bei Filmen gemäkelt: „Keine Charakterentwicklung, zu wenig Zeit“) – hier ist es möglich.

Worum geht’s?


Ziemlich verwickelte Geschichte, die auf mehreren Zeitebenen erzählt wird. Da ist zunächst die Zeit um 95, in der die beiden Detectives Martin Hard (mein geliebter Woody Harrelson) und Rustin Cohle zum Schauplatz eines Ritualmordes gerufen werden: inmitten von Maisfeldern finden sie eine kniende, nackte Frauenleiche, gefesselt und mit einem Geweih und einem Kranz aus Zweigen dekoriert. Im Baum davor hängen Rutengeflechte a la „Blair Witch Project“.
Daran zu glauben, dass es einem Vorteile bringt, andere Menschen rituell zu Tode zu bringen, ist eine der Säulen der Religionen. Auch Deiner.
Die beiden Detectives suchen den Mörder und finden noch viel Hin und her so einiges und schließlich auch einen ziemlich verdächtigen, der sein abgelegenes Haus mit Stolperdrähten und Handgranaten gesichert hat. (Unmöglich, so viel Handlung hier detailliert nachzuerzählen). Der Schurke stirbt im Feuergefecht, zwei entführte Mädchen werden befreit.
"You figure it's all a scam, huh? All them folks? They just wrong?"
"Oh yeah! Been that way since one monkey looked at the sun and told the other monkey, "He said for you to give me your fucking share""
Im Jahr 2012 ist Hart der Inhaber eines medioker laufenden Security-Consulting-Ladens. Rusty ist Aushilfsarbeiter und Alkoholiker. Beide werden in einer internen Untersuchung zu den Ereignissen des Jahres `95 befragt und müssen erkennen, dass der Fall, der ihr Leben verändert – oder zerstört – hatte, noch nicht gelöst ist. Obwohl die Abneigung, die sie schon damals füreinander gefasst hatten, sich zu handfester Verachtung ausgewachsen hat, gehen sie wieder zusammen auf die Jagd – der Kinder wegen.
Hard und Cole: Keine Buddy-Movie-Kalauer, aber ernsthafte Zweifel an der geistigen Gesundheit des jeweils anderen. Acht Stunden Film machen es möglich.


Fazit?


Das ist das Beste, was ich (mit meiner beschränkten Serienerfahrung) je gesehen habe. Definitiv besser als das minutenschindende „Walking Dead“, tiefsinniger als (das schon exzellente) „Breaking Bad“, nicht so „nice“ wie „Fargo“ (die episodenhaften Serien wie „House“ und „S&C“ lasse ich mal ganz aus dem Spiel). 

„True Detective“ spielt, wenn auch in einem ganz anderen Genre, in einer Liga mit „Game of Thrones“, und das will etwas heißen. Ich bin ja sowieso ein Woody-Harrelson-Fan seit ich ´94 „Natural Born Killers“ gesehen habe (siehe auch: Meine Lieblingsschauspieler) und das hat sich mit „Zombieland“, „Larry Flint“ und „You don’t see me“ nur verfestigt.
Er ist nicht grade die Karriereleiter hinaufgefallen: Halbtags arbeiten, ab Nachmittag blau. Rustin gefällt es so. Die Detectives holen ihm das Sixpack - Hauptsache er redet,

„True Detective“ fällt auch deshalb aus dem Rahmen, weil die Serie das tut, was man eigentlich in Gesellschaft vermeiden sollte: sie redet kritisch über Religion. Das ländliche Amerika mit seinen Erweckungspredigern, Zeltmissionen und Born-Again-Christen entlarvt sich als bigotte Anti-Idylle: Religion ist der gesellschaftlich akzeptierte Schleier über Geschäftmacherei, Heuchlerei und Ausbeutung. Ganz nebenbei zeigt die Serie Religion in den USA als „acquired taste“: Religionen (und Götter) kommen und gehen. Ein Kult, der Kinder opfert ist auch nicht unvernünftiger als einer, der vor Schlangenbissen schützt oder der das Leben nach dem Tod verspricht: Glaube ist böse - das ist für eine amerikanische Serie schon ganz schön innovativ.

Hards Untreue wird ihm noch mal das Leben versauen. (im Bild: Alexandra Daddario)
Ich empfehle die Serie ausdrücklich, allerdings erst ab 18 Jahren (FSK-16). Da geht es schon manchmal sehr gruselig zu, auch wenn plakative Effekte eher spärlich verteilt sind.

Friendlys Schulnote:  Eine EINS – ohne Wenn und Aber.

Rätselfrage:  Es gibt einen recht bekannten Kriegsfilm (nein – nicht Kurosawas „Die verborgene Festung“), der George Lukas bei der Inszenierung des ersten Star Wars Films inspiriert hat. Wie heißt der Film? (Übrigens möchte ich noch einmal auf die noch ungelöste Rätselfrage mit den farbigen Türen hinweisen. Eine befriedigende Antwort ist noch nicht bei mir aufgetaucht, und die beiden Preise sind noch zu vergeben!)

Antwort der letzten Frage: Der gesuchte Zwergplanet ist XENA (wie in "Xena – Warrior Princess"). Leider wurde er kürzlich in ERIS umgetauft – auch sehr passend, wenn man bedenkt, dass die Göttin der Zwietracht vielleicht den ganzen Streit um "Planet vs. Zwergplanet" befeuert hat.

Montag, 24. November 2014

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1

Wie jetzt, „Tribute“ ohne Gladiatorenspiel, geht das denn? Ich finde, das geht gar nicht so schlecht – der Film macht Spaß und seine Charaktere sind weiterhin glaubwürdig und (was schwieriger ist) nahtlos anschließend an die ersten beiden Folgen. Allerdings… es passiert nicht wirklich viel. Wie bei dritten Teilen einer auf vier Teile gestreckten Trilogie (ich glaube mir wird schlecht…) üblich, wird hier eigentlich nur das Feld für Teil vier bereitet. Eine einzige, lange Exposition mit ein paar Seitenplots, damit der Kinobesucher sich nicht gar zu verschaukelt fühlt. Na, dann nehmen wir eben diesen Film als Trailer und hoffen auf das große Finale im nächsten Jahr.
Attraktiv trotz offenem Mund: Katniss ist das Aushängeschild der Rebellion. Das Kapitol hat nur Peeta, und der hat keine Brüste.


Worum geht’s?


Wir erinnern uns: am Ende von Teil zwei ist Katniss mit ein paar anderen Gladiatoren von der Distrikt 13-Rebellenarmee aus der Spielarena gerettet worden. Diese Rebellen sind eine Art gleichgeschalteter, in unglaublich unkleidsame Mao-Overalls gekleidete Höhlenbewohner, deren wesentlicher Daseinszweck der Kampf gegen das Kapitol zu sein scheint (jedenfalls sehe ich keinerlei Ackerbau oder Viehzucht, und die Industrie scheint sich auf die Produktion von Armbrüsten mit explosiven Pfeilen zu konzentrieren). Präsidentin Coin ist nicht grade das, was man eine charismatische Persönlichkeit nennt, aber sie hat ihren Haufen im Griff.
Der Marschall und seine Gefreite? Präsidentin Coin tut alles, um Katniss für die Sache der Rebellen zu vereinnahmen.
Coin sieht nun ihre Stunde gekommen: sie will mit Hilfe der Gallionsfigur Katniss aus den vereinzelten Unruhen in den Distrikten einen allgemeinen Aufstand gegen das Kapitol formen. Werkzeug dazu sind Propagandaspots mit Katniss als Jean d’Arc im Kampf gegen die Macht des Kapitols.

„Ich wollte keinen Aufstand. Ich wollte nur meine Schwester beschützen“

Das mit den Spots geht schief. Katniss‘ Leistung im Studio ist unterirdisch, während aus dem Kapitol überzeugende Pro-Präsident-Snow Sendungen (mit Katniss' Freund Peeta in der Hauptrolle verbreitet werden). Erst als Katniss in die Distrikte reist und dort mit den Verwundeten spricht, entsteht das innere Feuer, das die Aufnahmen glaubwürdig macht. (Als Kamerafrau Cressida mit extremem Scheitel überzeugt Natalie Dormer, die Margaery aus „Game of Thrones“).
Kamerafrau ist auch kein ganz ungefährlicher Job. Eine Nebenrolle, aber mit einer Besetzung zum Erinnern
Präsident Snow schubst die Rebellen ein wenig herum: er erklärt das Spotttölpel-Symbol für gesetzeswidrig (süß: die Tochter eines Ministers versucht unauffällig bei der Ansprache ihr Haargummi verschwinden zu lassen), er bombardiert ein Krankenhaus mit Verwundeten, er bombardiert in Distrikt 13 – es gelingt den Rebellen, rechtzeitig in Deckung zu gehen, weil Peeta sie in einem Live-Propagandainterview warnt. 

Die Rebellen ihrerseits koordinieren Aktivitäten in den aufständischen Gebieten. Es gelingt, die Stromversorgung des Kapitols durch die Sprengung eines Staudammes lahmzulegen und im Blackout drei Gladiatoren der zweiten Spiele aus dem Kapitol zu befreien – auch Peeta. Der aber will Katniss nach dem Aufwachen direkt an die Gurgel, weil die Folterknechte des Kapitols ihn darauf konditioniert haben, in Katniss eine persönliche Bedrohung zu sehen. 
Wieder Nebenrolle, aber mit Charakter: Effie Trinket leidet unterm Mao-Look. Zum Glück hat sie des Designers Cinna Mappe mitgebracht - dann machen wir eben Katniss schön.
Sehenswert hier wie Plutarch Heavensbee (der zu früh an Drogenmissbrauch verstorbene Philip Seymour Hoffman) grundoptimistisch Peetas ausweglose gesundheitliche Lage kommentiert: „Nun ja – eine Heilung wurde noch nie erfolgreich durchgeführt – das heißt nicht, das es unmöglich wäre. Und wir haben doch ein gutes Team!“

Wie war’s?


Für mich einer der unterhaltsamsten Vor-Filme seit langem. Zugegeben, es passiert nicht wirklich viel, aber das ist dann wieder schön erzählt. Mir gefällt, wie die Filmreihe die Kurve kriegt vom Thema des ersten Films (Unschuldige werden unterdrückt / blutige Spiele zur Belustigung der Massen / Castingshow) über Film zwei (Willkür der Macht, Aufbegehren gegen die ungerechte Herrschaft) zum dritten Teil: Propaganda als Werkzeug des Krieges. Das Ganze ist garniert mit etwas Romantik auf der einen und Baller-Action auf der anderen Seite – im Ganzen ausgewogen, aber nicht umwerfend.

Schlüssig: Katniss "Cunctator" Everdeen ist weiterhin als ewige Zögerin angelegt, die sich nicht für eine Seite vereinnahmen lassen will, aus Angst, damit den Ihren zu schaden - ebenso wie Peeta versucht, sich im Kapitol durchzulavieren, versucht sie das gleiche im Untergrund von Distrikt 13.
Katniss besucht das Lazarett, die Kriegsversehrten danken es ihr. Durchhalten, Blut-Schweiß-Tränen, Volksgemeinschaft - keine Seite kommt ohne die Versatzstücke nationaler und revolutionärer Propaganda aus.
Meine Freundin hat allerdings eine abweichende Meinung zur Qualität des Films: Wenn ich es richtig verstanden habe, findet sie Katniss‘ Getue um den nicht grade attraktiven Peeta zu jungmädchenhaft-twilight-mäßig und kreidet dem Film den mangelhaften Fortschritt des Plot stärker an als ich (können ja nicht immer derselben Meinung sein…).

Friendlys Schulnote: eine ZWEI

Rätselfrage: Katniss nennt ihre Schwester gelegentlich a) Huhn, b) Kondor, c) Ente oder d) Küken?

Antwort der letzten Frage: Der Satz stammt aus der „Feuerzangenbowle“. Nachdem die Schüler einen Schluck Holunderwein getrunken haben, verunsichern sie ihren Chemielehrer, indem sie Trunkenheit vorspielen.

Freitag, 14. November 2014

Die Tribute von Panem

Dies ist nicht Jennifer Lawrence bester Film (das ist nämlich ‚Winters Bone‘) aber es ist ein sehr guter und sie ist eine sehr gute Schauspielerin. Was den Film überraschenderweise besonders auszeichnet, ist, dass man ihn (wie andere Klassiker auch) mehrfach sehen kann, ohne sich zu langweilen. Ich komme auf drei, mein Sohn bereits auf sieben Vorführungen – in dieser Beziehung wird der Film bei mir wird der Film nur von ‚Herr der Ringe‘ übertroffen, und das soll schon etwas heißen.
Katniss Everdeen: gehetzt und überfordert. Eigentlich typisch für das Alter, wären da nicht die 23 anderen, die ihr nach dem Leben trachten

Worum geht’s?

Dystropische Zukunft: Nach einem Bürgerkrieg ist die Welt in 12 Distrikte aufgeteilt, die von einem Verwaltungszentrum, dem ‚Capitol‘ beherrscht werden. Als Symbol der Unterwerfung müssen die Distrikte je einen Jungen und ein Mädchen im Alter zwischen 12 und 18 zu jährlichen Gladiatorenspielen schicken. Die Spiele enden mit dem Tod aller Beteiligter mit Ausnahme des Siegers. 

Das Herrschaftssystem ist faschistisch orientiert: Das Wohl der Volksgemeinschaft rechtfertigt die Unterdrückung der äußeren Distrikte, die inneren Distrikte erhalten Privilegien wenn sie die Macht des Kapitols anerkennen und nach außen sichern. In Distrikt 12, in dem die Heldin Katniss zuhause ist, wird nach Kohle gegraben – der Distrikt ist ungefähr der letzte und ärmste in der Reihe. Die Bewohner leben unter bedrängten Bedingungen, arbeiten bei miserablem Arbeitsschutz und leiden Hunger.
Als ihre sanfte 12-jährige Schwester Primrose (Primel) für die Spiele ausgelost wird (deren Überlebenswahrscheinlichkeit nach den ersten zwei Minuten wohl rapide auf null gefallen wäre), meldet sich die 17-jährige, jagt-erfahrene Katniss freiwillig als Ersatz für ihre Schwester. Von den Jungen wird Peeta, der Sohn des Bäckers (Liebesgeschichte!) ausgelost.
Anders als auf dem sympathischen Film-Still ist Haymitch kein freundlicher Mentor: nachdem er über 40 Jugendliche in den Tod gecoached hat, vielleicht verständlich.

Die beiden haben noch eine Viertelstunde für die Verabschiedung, dann werden sie in Richtung Schnellzug geschubst und Richtung Capitol gefahren. Zur Seite sollen ihnen eine Reihe von Stylisten, Coaches und Mentoren stehen, an erster Stelle der einzige aus Sektor 12, der je die Kämpfe gewonnen hat:  Haymitch -  jetzt ein desillusionierter Trinker und Zyniker. (Überigens gespielt von Woody Harrelson, auch aus "Die Unfassbaren" und dem Tallahassee aus "Zombieland")

„Ich bin nur wegen der Erfrischungen hier“

Das Capitol erweist sich als arrogantes Machtzentrum mit faschistoider Überwältigungsarchitektur und ihre Bevölkerung als fröhlich-hohlköpfige, unterhaltungsbedürftige Masse. Katniss und Peeta werden von ihrer Crew in einem Tempo fitgemacht, angemalt, enthaart, frisiert und eingekleidet dass ihnen schier die Zeit zum Nachdenken fehlt. Auf eine Sache immerhin kommen sie: Es können nicht beide gewinnen.
Mit Beginn des eigentlichen Kampfes ändert der Film seinen erzählerischen Ton: war er in Distrikt 12 von Melodram und sozialrevolutionäre Propaganda und im Kapitol von der Darlegung der Gruppendynamik Jugendlicher dominiert, wird es jetzt ein knallharter „Töte oder werde getötet“ Knaller im Stil von „Wounded“. Durch kluges Einteilen der Kräfte, die Hilfe zufälliger Verbündeter und nicht zuletzt durch ein paar Goodies, die ihr Mentor Haymitch ihr zukommen lassen kann, setzt sich Katniss gegen die anderen Kinder und Jugendlichen und gegen die übelwollenden Spielorganisatoren in der Zentrale durch.
Beim Showdown gelingt es Katniss und Peeta gemeinsam, den letzten Gegner zu überwinden – nun stehen sie vor der Aufgabe, unter sich auszukämpfen, wer von beiden stirbt und wer siegt und überlebt.
Effie Trinket ist auf ihre schrill-hysterische Art effizient und wohlmeinend. Katniss muss mit dem arbeiten, was sie hat.
Katniss setzt die Regeln außer Kraft, indem sie ankündigt, dass sie beide (auch als Konsequenz ihrer zumindest vorgespiegelten Liebe) gemeinsam in den Tod gehen werden. Sie haben das Gift schon an den Lippen, da entscheidet Spielleiter Seneca sich in der Wahl zwischen ’keinem‘ und ‚zwei‘ Siegern, beide überleben zu lassen. Für diese, in den Augen des Diktator-Präsidenten Snow falsche Entscheidung, wird er schließlich zum Selbstmord gezwungen.

Wie war’s?

Ein sehr guter Film, der auch beim Wieder-Schauen nichts von seiner Wirkung verliert. Katniss verkörpert überzeugend eine Figur, die nur sehr schwer zu spielen ist: eine von den Ereignissen gesteuerte junge Erwachsene, die versucht, Verantwortung für die kleine Schwester und die depressive Mutter zu übernehmen - eine Herausforderung der sie in keiner Weise gewachsen ist. Misstrauisch, aggressiv, hart – gleichzeitig verletzlich und bemitleidenswert, wenn sie Maske und Rüstung ablegt. Dabei kann man nicht sicher sein, ob sich unter der Maske nicht eine zweite Maske verbirgt – spielt Katniss nur ihre Karten so gut aus wie sie kann? Sind wir Zuschauer die manipulierten, ebenso wie die geschminkten Narren im Publikum des Capitols?
Ich weiß nicht, ich weiß nicht: Ich habe mir die Position von Zeigefinger und Pfeil schon in extremer Vergrößerung angesehen - wenn das nicht die Momentaufnahme eines herunterrutschenden Geschosses ist, dann müssen sie ein Gummiband oder eine Menge Klebstoff für das Photo verwendet haben... Außerdem ist der Pfeil aus unklaren Gründen auffallend un-mittig eingenockt. Inzwischen sollte Jennifer Lawrence doch Bogenschießen gelernt haben ?!?

Beim Schreiben fällt mir auf, dass die Rolle der Katniss Everdeen in „Tribute“ große Ähnlichkeiten zur Ree Dolly aus „Winters Bone“ hat: aus kleinen Verhältnisse, von den Eltern allein gelassen, ein kleines Rad in den Plänen von Erwachsenen, deren Motive zumindest zweifelhaft sind und die im Allgemeinen nicht die Wahrheit sagen.

Der Kampf der Jugendlichen Jeder-gegen-Jeden ist spannend, die zeitweiligen Allianzen zur Ermordung der Mitspieler sind nur angedeutet aber (und da unterscheidet sich der Film grundlegend von dem misslungenen „Maze Runner“) immerhin glaubwürdig.

Mein Liebling unter den ambivalenten Figuren des Films ist Showmaster Caesar Flickerman (gespielt von Stanley Tucci, das ist der liebenswerte Chefdesigner aus „Der Teufel trägt Prada“ – noch was: er ist der Freund von Emily Blunts älterer Schwester, und die hatte in „Edge of Tomorrow“ eine Hauptrolle) . Die Rolle des Showmasters hätte leicht als zynischer Verderber entlarvt werden können – stattdessen ist Flickerman der Freund und Helfer der jungen Athleten und scheint aufrichtig unter den (unwidersprochen hingenommenen) Verhältnissen, dass sie alle bis auf einen sterben werden, zu leiden. Caesar Flickerman ist als der sympathische, kompetente, unkritische Mehr-als-Mitläufer von nebenan absolut glaubwürdig dargestellt.
Caesar Flickerman wie er lacht und lebt: Der freundliche Onkel ist wirklich freundlich - das ist ja mal etwas neues in diesem Film.
Mein Fazit: unbedingt ansehen, gerne auch mehrmals. Teil zwei der vierteiligen Trilogie (das macht gelernten Informatiker immer wieder fertig!) ist nicht ganz so gut, ich freue mich jetzt schon auf Teil drei, der in einer Woche in die Kinos kommt.

Friendlys Schulnote: EINS-MINUS, ein bisschen auf der schwachen Seite, weil in der Fülle der Kriegs- und Kampfhandlungen die Sozialkritik unvermeidbar etwas kürzer ausgeführt werden musste. Aber das ist bei mir altersbedingt: bin halt keine sechzehn mehr - da hätte mich das nicht gestört, und dann gibt es ja auch noch „Winters Bone“ für mich.

Rätselfrage: Weshalb sind die Diener im Capitol keine Sprechrollen?

Antwort der letzten Frage: Das Metallica-Album war komplett schwarz (weil ich das wusste, habe ich auf der Spielemesse ein Plektron gewonnen) und Drummer Lars Ulrich war ein außerordentlich begabter Tennisspieler (wie auch sein Vater). Er kam ursprünglich in die USA, um sein Spiel zu perfektionieren, blieb dann aber doch bei den Drums und dem Hard Rock hängen.

Als kleines Goodie: Jennifer Lawrence hat uns einen kleinen Blick in ihre Wohnung gewährt. Er offenbart eine sympathische Unordnung und eine, sagen wir vorsichtig, nicht übertrieben durchgestylte Inneneinrichtung. 
Nicht immer alles so rumliegen lassen! Das nicht mehr hören zu müssen, ist bei jungen Erwachsenen der wesentliche Grund für eine eigenen Wohnung. Wer kann mir sagen, was das für Gegenstände und Produkte in Lawrence Wohnung sind? Ich vermute ein Deo, Feuchttücher, die weiße Flasche scheint mir eine Flüssigkeit für Kontaktlinsen zu sein, auf dem Boden liegt eine ... Unterhose? Oder ein Haargummi?...  - "Nein, ich verletze nicht meine Bewährungsauflagen, ich bin immer noch mehr als hundert Meter von ihr entfernt, Officer!"

Freitag, 6. Juni 2014

Die Unfassbaren - Now You See Me

Glitzerndes Konfetti auf der Bühne mit Ausmaßen eines Eislaufstadions! Große Gesten allmächtiger Magiere, die das Publikum mit dem Schnipsen eines Fingers manipulieren! Unangreifbare Masterminds, die für jeden Zug des Gegners bereits einen Plan B, C und D vorbereitet haben und jede scheinbare Niederlage in einen glanzvollen Sieg verwandeln! Ich liebe Diesen Film!

Worum geht's?

Vier Zauber-Unterhaltungskünstler, erfolglich eher in der unteren Mittelklasse, bekommen mysteriöse (wie auch sonst) Nachrichten zugespielt, die sie zu einem Treffen mit einem ungenannten Auftraggeber einladen. Am Treffpunkt fehlt zwar der magische Auftraggeber, aber die Vier konstituieren sich als "The Four Horsemen" Magier-Combo. 
Merritt fühlt sich nicht so wohl wie ein Fisch im Wasser: gleich wird es eng mit dem Sauerstoff
Ein Jahr später stehen sie auf den ganz großen Bühnen: in Vegas kündigen sie eine Serie von drei spektakulären Shows an und beginnen damit, dass sie dem Publikum zeigen, wie sie einen zufällig aus dem Publikum gewählten Herrn zunächst in eine Pariser Bank teleportieren und mit seiner Hilfe dann den Inhalt des Tresorraumes nach Las Vegas zaubern und über dem Publikum verstreuen.
Beim Tresor-Ausräumen immer schön den Teleportationshelm anlassen, sonst ist die Rückkehr ungewiss

Der Trick muss ein Schmuh sein, aber das Geld ist weg - soviel steht fest. FBI-Ermittler Rhodes leitet die Ermittlungen und verhaftet die Magier, muss sie nach Verhören aber wieder freilassen oder (unannehmbar) eine Anklage wegen Zauberei vorbereiten. Einziger Ausweg für Rhodes: Einen Experten hinzuziehen. Rhodes engagiert Bradley, einen Fachmann für die Enttarnung von Parapsychologie und Zauberei. 
Warum ich Zauberer entlarve?
Weil dabei nur ein Zauberer leidet und ich Millionen Zuschauer im Fernsehen damit unterhalte

Zusammen sitzen sie in der zweiten großen Show der "Four Horsemen" in New Orleans. Wieder geht es um Geld - diesmal um das Geld des Mäzens Tressler, Chef eines großen Lebensversicherungskonzerns. Tressler hatte das Ganze finanziert, wird aber in seiner Show auf magische Weise ausgeplündert: plötzlich ist das Vermögen des Konzerns auf die Konten der Zuschauer überwiesen, die allesamt ehemalige Kunden eben dieser Versicherung und durch deren Machenschaften geschädigt worden sind.
Ziehen sie eine Karte, aber sagen sie nicht, welche es ist: Kartentrick geht immer.

Dann geht es ziemlich hin und her: Bradley und Rhodes verfolgen die flüchtenden Zauberer, werden aber durch allerlei vorbereitete (Mastermind!)-Fallen aufgehalten, Bradley endet mit einer Ladung gestohlenen Geldes im Kofferraum, einer der Horsemen stirbt (scheinbar!), und in einem grandiosen, letzten Auftritt (Open Air und unter Beteiligung von Hubschraubern) machen sich die Horsemen davon und hinterlassen ihr begeistertes Auditorium und verrätselte Ermittler. (Und hier gehe ich erstmals von meiner Regel ab, die Wahrheit und zwar die ganze Wahrheit zu schreiben: Dieses eine Mal werde ich Euch den Spaß nicht verderben...)

Wie war's?

Prachtvoll! Erhaben! Ich möchte auch so ein Zauberer sein! (Gut, dass ein Leben der Hingabe, des harten Trainings und nur mäßige Chancen auf Erfolg auf der Kehrseite stehen - sei's drum...) Dieser Film hat mich von Anfang an eingepackt und mitgenommen, und mich in der Folge so mit Glitzerpuder (Zaubersalz?) eingestaubt, dass ich über schlaglochgroße Inkonsistenzen im Plot locker hinwegtänzle. Ich liebe es!

Friendlys Schulnote: Eine EINS (ohne plus und minus...). Wie gesagt: Jede Menge Löcher in der Geschichte, bei manchem muss man dann wirklich an Magie glauben - aber das macht nichts, weil man es erst merkt, wenn man aus dem Rausch der Bewegung erwacht, und das ist nicht vor dem Ende des Films.

Rätselfrage: Für welchen Film wurde mit dem Satz: 'Fully prepared to deal with life' geworben?

Antwort der letzten Frage: Es ist ein Bogen, die Frage wird in "Slumdog Millionaire" gestellt - übrigens ein sehr guter Film!

Donnerstag, 3. April 2014

Zombieland

Die vielleicht wichtigste Regel im Umgang mit Zombies: "Doppelt hält besser. Bei einem Zombie macht es keinen Sinn, mit Munition zu sparen" - wie wahr, wie wahr. Aus diesem Film kann man etwas für das Berufsleben lernen. 

Columbus (Oberschüler und Angsthase mit Reizmagensyndrom und Systematisierungswahn) kommt ganz gut klar im post-apokalyptischen Amerika, vier Wochen nach dem Klischee-Zombie-Infektions-Armageddon. Menschen gibt es so gut wie keine mehr, was es ihm sehr einfach macht, adäquat - das heißt mit der Doppelläufigen - auf des Auftauchen von Humanoiden zu reagieren. 
In Zombieland gestaltet sich die Aufnahme intimer Beziehungen eher noch komplizierter als heute 
Auf dem Weg in die legendäre "Zombiefreie Zone" im Osten trifft er seinen Gegenentwurf Tallahassee: Links der Army-Surplus-Parka-Jacke, Rechts die Schlangenlederjacke und Stetson, Chucks vs. Boots, Root Beer gegen Jim Beam. Der wichtigere Unterschied ist aber die Herangehensweise an die Zombie-Problematik: Tallahassee setzt auf die befreiende Wirkung von Vandalismus und totaler Zerstörung, Columbus auf Umsicht und Aufwärmen vor dem Weglaufen. 
Tallahassee neigt nicht zur kritischen Reflektion seiner Methoden
Die beiden ungleichen Überlebenskünstler fahren gemeinsam nach Osten und treffen nach Scharmützeln mit (ziemlich ekligen) jungen und alten, schlanken und fetten Zombies auf die Schwestern Little Rock (12) und Wichita (geschätzte 17). Die beiden schwindeln ihnen mit einem wirklich bösen, bösen Trick den Wagen ab und lassen sie in zumindest brenzliger Situation zurück.

Columbia und Tallahassee nehmen die Verfolgung in einem sehenswerten Hummer mit einem erfreulich gut gefüllte Duffle Bag mit Waffen aller Art auf dem Rücksitz auf. Endlich ist das ländliche Amerika mal zu etwas nutze!
Kindergeburtstage können manchmal wirklich völlig aus dem Ruder laufen
Sie holen die höllischen Schwestern ein, worauf die beiden ihnen (ihr ahnt es...) mit einem wirklich jetzt noch böserem Trick den neuen Wagen abschwindeln. Wenigstens nehmen sie die beiden Jungs als zunächst Gefangene, dann Partner mit auf die Reise.

Dann gibt es allerhand hin- und her und die Liebe kompliziert wieder alles, jedenfalls reisen die Schwestern überraschend ab, um Little Rock ihren Traum, einen Abend im Vergnügungspark, zu erfüllen. Dass das keine gute Idee ist, weiß nicht nur der Zombiekenner.
Das ist aber auch die wesentliche unzüchtige Stelle des Filmes. Jemand Schadenfreude?
Es kommt zum Showdown, als Little Rock und Wichita im Fallturm festsitzen und alle Zombies der Gegend einen Sternmarsch Richtung Phantasialand veranstalten. Unvergesslich: Tallahassee als schießwütiger Losbudenbesitzer!

Wie war's?

SUPER! Also dieser Film lässt die untoten Sprinter aus "World War Z" noch einmal hinter sich. Eigentlich ist es ein Kammerspiel, aber mit den Mitteln des ganz großen Kinos inszeniert. Und lustig ist er! Uuuuund Tallahassee ist wirklich so cool, dass man sich wünscht, ihn als Freund gehabt zu haben (auch wenn einen dass in jede Menge Schwierigkeiten gebracht hätte).

Friendly's Schulnote: Eine saubere EINS-MINUS. Das "Minus" ist der Abzug für die Bill Murray-Episode, die zwar auch gut, aber eben nur gut war.

Rätselfrage: In welchem Film kommt das Wort "Närrisch" vor?

Antwort auf die letzte Frage: Tut mir leid - ich weiß es auch nicht. Ich habe diesen Film irgendwann im Nachtprogramm gesehen, fand ihn super habe aber alles andere vergessen und finde ihn jetzt nicht wieder. Wenn von Euch jemand drauf kommt: Ruhm und Ehre! Platz für eine Gastkritik! Namentliche Erwähnung im Abspann!


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