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Montag, 7. Dezember 2015

Die Tribute von Panem 4 - Mockingjay Teil 2

Grrrr… Diese Filmkritik schreibe ich jetzt schon zum zweiten Mal. Habe es in meiner grenzenlosen Medien-Inkompetenz hinbekommen, das fertige Dokument zu löschen und zu überschreiben. Es war weg, wirklich unwiederbringbar weg! (Die letzte große Katastrophe dieser Art ist mir mit 14 Jahren passiert). Davon musste ich mich eine Weile erholen. Deshalb kommt diese Kritik auch so spät, und deshalb fasse ich mich diesmal auch kurz.

Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Katniss Everdeen hat gesiegt, aber der Film darf noch nicht enden. Elisabeth Banks als Effie Trinket ist wieder ein Genuss, hat aber nur wenige Auftritte - diesmal sollen Waffen sprechen.

„Tribute von Panem 4“ hat nicht die beste Ausgangslage. Wie meist, wenn aus einer Trilogie in ungebremstem Erwerbsstreben eine Vier-Filme-Reihe gemacht wird, leiden die letzten beiden Teile. Film drei war eine lange, lange Einleitung und Teil vier ist jetzt eine lange, lange Actionsequenz (siehe zum Thema „Aus drei mach vier“ auch „Die Schlacht der Fünf Heere“).

Allerdings: mir hat schon Teil drei der Katniss-Saga gar nicht so schlecht gefallen, und auch dieser letzte Teil hat mich trotz einiger sichtbarer Schwächen streckenweise gefesselt und im Ganzen immerhin gut unterhalten. Deshalb hier Friendlys dialektische Darstellung:

Wenn Hollywood die Kriegspropaganda gegen den IS machen würde, hätte Hollande nicht so viel Probleme, die deutschen Whimps an die Front zu bringen: Für uns Patrioten ist dieses Plakat doch ein innerer Vorbeimarsch, oder? (Im Bild: die kleine Schwester der Heldin, eigentliche Auslöserin der Revolution und jetzt auch tot, wahrscheinlich durch die Bomben der eigenen Seite)

Was war gut?

  • Katniss, unser aller Lieblingsheoin wandelt sich endlich (und erstaunlicherweise sogar nachvollziehbar) von der ich-wollte-doch-nur-meine-Schwester-retten jungen hübschen Naiven zur eigenständig planenden Person. (Na gut: die zu rettende Schwester ist ja grade in die Luft gebombt worden, wenn das nicht als Denkanstoß reicht, dann hat Tscherschenien nie stattgefunden)
  • Die Action ist überzeugend bebildert und so macho-brutal (schaut euch nur mal die dicken MG-Wummen an, die in der Mauer versteckt sind), dass man streckenweise wirklich etwas Respekt bekommt, obwohl ja eigentlich bekannt ist, wie die Geschichte ausgeht.
  • Der „Streit im Schacht“ mit den augenlosen Mutanten ist für mich das „Alien II“ der Gegenwart. Ich habe über Minuten hin bei jeder Biegung des Tunnels einen Angriff erwartet. Selten haben sich Filmmeter so gelohnt wie bei dieser kunstvollen Retardierung! (Meine Liebste hat allerdings eine abweichende Meinung: Sie findet die Giger-artigen Monster uninspiriert – könnten sich die Regisseure nicht mal etwas Neues ausdenken?)

Nein, dies ist nicht "Black Hawk Down". Katniss wird von der Galeonsfigur zur Akteurin und zieht mit einer ziemlich großen Beschützergruppe durch die verminten Straßen der Hauptstadt.


Was war schwach?


  • Diese Liiiiiebesgeschichte! Und ganz am Ende entscheidet sich Katniss auch noch für den Falschen! Obendrein ist es über-haupt-nicht von der Evidenz gedeckt, dass sich die attraktive und tatkräftige Heldin am Ende für den sanftmütigen Pantoffel entscheidet und nicht für den gutaussehenden Teufel…
  • Das Attentat auf Präsidentin Coin war so vorherzusehen wie ein Lehrfilm der Berufsgenossenschaft. Als Katniss den Bogen nahm und auf Präsident White zielte, die Augen aber schon zum eigentlichen Ziel ihres Pfeiles hob, da fühlte ich mich als Zuschauer nicht mehr ernstgenommen. Muss man in einem Jugendfilm alles vorher erklären, bevor es stattfindet?
  • Generell verliert der Film zum Ende (also nach der Action) etwas an Schwung und bleibt am Schluss sogar komplett stehen - ich habe mindestens dreimal gedacht „Jetzt kommt aber der Abspann!“ und wurde dann mit einer noch langweiligeren, weiteren Szene belästigt.
  • Der Höhepunkt war die letzte Einstellung mit Katniss und Peeta, Kind und diesem unfassbar fetten Säugling auf dem Arm im herbstlichen Kornfeld. Das wäre selbst beim „Traumschiff“ dem Cutter zum Opfer gefallen. (Wer mir trotzdem erzählen kann, was die Szene bedeutet, wird im nächsten Beitrag lobend erwähnt!)

Auch im Kampfeinsatz mit makellosem Teint: Das unterscheidet Märchen von der Wirklichkeit


Friendlys Schulnote: eine Zwei. Kann man gucken, lohnt sich auch streckenweise, fehlt aber nicht auf dem Weg zum umfassend gebildeten Filmkenner.


P.S.: Mein ältester Sohn war unbegeistert von der Idee, die Hauptstadt durch Fallen zu verteidigen (statt durch Truppen). Ich stimme zu, allerdings hat das Konzept ein bedeutendes literarisches Vorbild in einem der drei „Meister Li“-Romane, in der der Herzog von Chan seine Schätze in einer unterirdischen Burg inmitten von Monstren und tödlichen Apperaten versteckt, wo sie der besagte greise Held Meister Li und sein Begleiter Nummer Zehn der Ochse finden müssen. Und außerdem ist es Fun!

Samstag, 3. Januar 2015

Winter's Bone

Ist Jennifer Lawrence eine gute Schauspielerin? Schwierig zu sagen. Ihre Filme dagegen sind durchweg gut, soweit ich sie gesehen habe, das muss aber nicht auf ihre Leistung zurückzuführen sein. Was mich ein bisschen misstrauisch bezüglich der Fähigkeiten von Frau Lawrence macht ist die Beobachtung, dass sie in den „Tribute“-Filmen und in dem (völlig andersartigen) „Winter’s Bone“ ungefähr gleiche Charaktere auf die gleiche Art spielt: eine überforderte Jugendliche, die nicht weiß, wo es lang geht, aber unbeirrt vorwärtsstolpert und am Ende obsiegt. Über „Silver Linings“ kann ich nichts sagen – ich habe den Film zwar gesehen, aber mir ist (große Ausnahme, und sicher liegt es am Film und nicht an mir) völlig entfallen, worum es geht und wie es war.

Jennifer hat Fragen gestellt, die nicht die Billigung ihrer Nachbarn haben - zum Beispiel: "Wo ist mein Vater geblieben?"

Worum geht’s in Winters Bone?

Ländliches Amerika. Sehr ländliches Amerika! Hinterwäldler, alle ohne richtigen Job, mit Nebenerwerbslandwirtschaft, die die Familie nicht ernährt, dafür aber reichlich Drogenküchen. Armut, Gewalt, Rohheit. Eine Spur Solidarität unter den unterdrückten Frauen – aber nicht zu viel, denn die Sippe ist das Gesetz, und der Mann ist der Bestimmer. Familie Dolly ist in dieser an häuslichem Glück nun wirklich nicht reichen Gegend wirklich am Arsch: Die Mutter ist von Depressionen lahmgelegt, Papi ist seit drei Wochen verschwunden, die beiden kleinen Geschwister sind keine Hilfe für die 17-jährige Ree. Pferd und Mensch hungern.
"Kind, ich sage es Dir im Guten: geh nicht hin. Alles was Du erfahren wirst ist, bereits gesagt. Und er kann jetzt grade keine Zeugen gebrauchen." Vielleicht sollte sie ausnahmsweise den guten Rat dieser Dame annehmen?
Auftritt: Das Gesetz – in Form des lokalen Sheriffs. Papa hat sich nach der Verhaftung aus der Kaution herausgekauft. Dazu musste er Wald und Haus verpfänden. Jetzt ist er weg und die Frist läuft: taucht er nicht vor Gericht auf, wird das Land versteigert, die Kinder zu Nachbarfamilien gegeben, Mama kommt ins Heim und Ree? Ree wäre endlich frei, aus dem ländlichen Grauen zu fliehen und zur Armee zu gehen.
Onkel Teardrop ist brutal, verachtet seinen Bruder, belügt die Nichte, schlägt Kinder und seine Frau und bedroht die Polizei. Und er ist noch einer von den Guten.
Aber eine Dolly gibt so leicht nicht auf, auch nicht, wenn es ihr Vorteil ist. Sie wandert (kein Auto mehr in der Familie) zu den verschiedenen Verwandten und nicht-Verwandten der Gegend und macht sich unbeliebt: Es gibt einfach zu viele Geheimnisse in der Gegend, als dass eine Jugendliche einfach so ihre Fragen nach dem verschwundenen Vater beantwortet bekäme. Sie wird beschimpft, geschubst, bedroht, man lässt sie warten. Sie wird von den Frauen der Familie verprügelt und verliert einen Zahn. Wäre ihr Onkel (und das ist selbst ein schlimmer Finger) nicht rechtzeitig gekommen, wäre sie im Schweinetrog gelandet.
Die Schulfreundin kann nicht mehr helfen, sie ist nämlich jetzt verheiratet. Der Mann hat das Sagen, auch wenn er 20 Jahre alt ist, in der Jogginghose am Kacheltisch säuft und Metal hört.
Am Ende kapitulieren die Täter: sie zeigen ihr den Ort, an dem ihr Vater im See versenkt worden ist. Mit der Motorsäge schneidet sie beide Hände ab. Mit diesem Beweis in der Tüte kann sie den Tod ihres Vaters belegen, die Pfändung findet nicht statt, stattdessen bekommt sie den Rest der Kaution ausgezahlt, alles wird so gut, wie es die Gegend erlaubt.
Sie könnte auch abhauen. "Mir geht es um die 40,000 Dollar. Bekommt man die sofort, wenn man sich einschreibt, oder muss man noch warten?"

Wie war’s?

Bewegend. Gruselig. Gewalttätig. In „Winters Bone“ wird ungebildete Brutalität so intensiv dargestellt, dass ich sofort wusste: das kann man sich nicht ausdenken, das ist echt. Tatsächlich hat die Regisseurin nicht nur mit Schauspieler sondern auch Laien aus dem ländlichen Missouri gedreht. Klar, dass der Film die Ereignisse zu einem Märchen verdichtet – aber die Einstellung des „frag nicht“, das Gesetz der Rache und der Grundsatz, nicht mit dem Gesetz zusammen zu arbeiten, das ist von dokumentarischer Härte und eine würdige Umsetzung der Romanvorlage.
"Sie lebt. Ich schwöre Dir, keiner von den Männern hat sie angerührt. Das waren die Frauen"

Überhaupt: Märchen! Ich liebe ja einfache Geschichten. Winter’s Bone folgt mit seinem klassischen Aventurien-Aufbau einem der ältesten Erzählschema: der Gralslegende. Die Heldin ist unwissend und ungebildet, sie beginnt ihr Abenteuer ohne Unterstützung und allein. Sie muss etwas oder jemanden finden, das Erlösung bringt. Auf der Reise begegnet sie Feinden und Unterstützern, löst Rätsel, gerät in Lebensgefahr und findet schließlich (mit der Unterstützung von Eingeweihten), was sie sucht. Gut, in der Legende ist der Gral eine Lanze oder ein Kelch, nicht ein paar abgesägter Hände, aber was soll’s.
Und dafür tut sie's: Kleiner Bruder lernt schießen
Mir hat der Film außerordentlich gut gefallen – sicher bisher Lawrence beste Leistung, aber Kunststück bei dieser Romanvorlage. Sie soll übrigens das Eichhörnchen selbst abgezogen haben (ohne Stunt-Double), das spricht schon mal für sie…

FSK-12, ich empfehle den Film ab 14. Wie meistens bin ich der Meinung, dass es eher die ernsthaften Themen, Not, Unterdrückung und Ungerechtigkeit sind, die einen Film ungeeignet für junges Publikum machen – nicht weil sie das verstört, sondern weil sie es nicht verstehen und es ihnen nicht gefällt. Das gilt übrigens nicht für "Schindlers Liste" - der ist aus unklaren Gründen auch für 12-jährige geeignet.

Friendlys Schulnote: eine Zwei-Plus

Rätselfrage: In „Winter’s Bone“ gibt es nur eine heimelige Szene: es wird ein Geburtstag gefeiert und eine Bluegrass-Combo spielt im Wohnzimmer. Welcher belgische Film handelt auch (zumindest auf einer Seitenlinie) von Bluegrass-Musik?


Antwort der letzten Frage: Ich habe es verbockt! Ich war in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ (Naja), das ist der Film über Stephen Hawking und habe die Hauptdarstellerin der Jane Hawking für Ellen Page gehalten. Das war aber Felicity Jones! Gut, sie sehen sich ein bisschen ähnlich, aber nicht sehr… 

Montag, 24. November 2014

Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1

Wie jetzt, „Tribute“ ohne Gladiatorenspiel, geht das denn? Ich finde, das geht gar nicht so schlecht – der Film macht Spaß und seine Charaktere sind weiterhin glaubwürdig und (was schwieriger ist) nahtlos anschließend an die ersten beiden Folgen. Allerdings… es passiert nicht wirklich viel. Wie bei dritten Teilen einer auf vier Teile gestreckten Trilogie (ich glaube mir wird schlecht…) üblich, wird hier eigentlich nur das Feld für Teil vier bereitet. Eine einzige, lange Exposition mit ein paar Seitenplots, damit der Kinobesucher sich nicht gar zu verschaukelt fühlt. Na, dann nehmen wir eben diesen Film als Trailer und hoffen auf das große Finale im nächsten Jahr.
Attraktiv trotz offenem Mund: Katniss ist das Aushängeschild der Rebellion. Das Kapitol hat nur Peeta, und der hat keine Brüste.


Worum geht’s?


Wir erinnern uns: am Ende von Teil zwei ist Katniss mit ein paar anderen Gladiatoren von der Distrikt 13-Rebellenarmee aus der Spielarena gerettet worden. Diese Rebellen sind eine Art gleichgeschalteter, in unglaublich unkleidsame Mao-Overalls gekleidete Höhlenbewohner, deren wesentlicher Daseinszweck der Kampf gegen das Kapitol zu sein scheint (jedenfalls sehe ich keinerlei Ackerbau oder Viehzucht, und die Industrie scheint sich auf die Produktion von Armbrüsten mit explosiven Pfeilen zu konzentrieren). Präsidentin Coin ist nicht grade das, was man eine charismatische Persönlichkeit nennt, aber sie hat ihren Haufen im Griff.
Der Marschall und seine Gefreite? Präsidentin Coin tut alles, um Katniss für die Sache der Rebellen zu vereinnahmen.
Coin sieht nun ihre Stunde gekommen: sie will mit Hilfe der Gallionsfigur Katniss aus den vereinzelten Unruhen in den Distrikten einen allgemeinen Aufstand gegen das Kapitol formen. Werkzeug dazu sind Propagandaspots mit Katniss als Jean d’Arc im Kampf gegen die Macht des Kapitols.

„Ich wollte keinen Aufstand. Ich wollte nur meine Schwester beschützen“

Das mit den Spots geht schief. Katniss‘ Leistung im Studio ist unterirdisch, während aus dem Kapitol überzeugende Pro-Präsident-Snow Sendungen (mit Katniss' Freund Peeta in der Hauptrolle verbreitet werden). Erst als Katniss in die Distrikte reist und dort mit den Verwundeten spricht, entsteht das innere Feuer, das die Aufnahmen glaubwürdig macht. (Als Kamerafrau Cressida mit extremem Scheitel überzeugt Natalie Dormer, die Margaery aus „Game of Thrones“).
Kamerafrau ist auch kein ganz ungefährlicher Job. Eine Nebenrolle, aber mit einer Besetzung zum Erinnern
Präsident Snow schubst die Rebellen ein wenig herum: er erklärt das Spotttölpel-Symbol für gesetzeswidrig (süß: die Tochter eines Ministers versucht unauffällig bei der Ansprache ihr Haargummi verschwinden zu lassen), er bombardiert ein Krankenhaus mit Verwundeten, er bombardiert in Distrikt 13 – es gelingt den Rebellen, rechtzeitig in Deckung zu gehen, weil Peeta sie in einem Live-Propagandainterview warnt. 

Die Rebellen ihrerseits koordinieren Aktivitäten in den aufständischen Gebieten. Es gelingt, die Stromversorgung des Kapitols durch die Sprengung eines Staudammes lahmzulegen und im Blackout drei Gladiatoren der zweiten Spiele aus dem Kapitol zu befreien – auch Peeta. Der aber will Katniss nach dem Aufwachen direkt an die Gurgel, weil die Folterknechte des Kapitols ihn darauf konditioniert haben, in Katniss eine persönliche Bedrohung zu sehen. 
Wieder Nebenrolle, aber mit Charakter: Effie Trinket leidet unterm Mao-Look. Zum Glück hat sie des Designers Cinna Mappe mitgebracht - dann machen wir eben Katniss schön.
Sehenswert hier wie Plutarch Heavensbee (der zu früh an Drogenmissbrauch verstorbene Philip Seymour Hoffman) grundoptimistisch Peetas ausweglose gesundheitliche Lage kommentiert: „Nun ja – eine Heilung wurde noch nie erfolgreich durchgeführt – das heißt nicht, das es unmöglich wäre. Und wir haben doch ein gutes Team!“

Wie war’s?


Für mich einer der unterhaltsamsten Vor-Filme seit langem. Zugegeben, es passiert nicht wirklich viel, aber das ist dann wieder schön erzählt. Mir gefällt, wie die Filmreihe die Kurve kriegt vom Thema des ersten Films (Unschuldige werden unterdrückt / blutige Spiele zur Belustigung der Massen / Castingshow) über Film zwei (Willkür der Macht, Aufbegehren gegen die ungerechte Herrschaft) zum dritten Teil: Propaganda als Werkzeug des Krieges. Das Ganze ist garniert mit etwas Romantik auf der einen und Baller-Action auf der anderen Seite – im Ganzen ausgewogen, aber nicht umwerfend.

Schlüssig: Katniss "Cunctator" Everdeen ist weiterhin als ewige Zögerin angelegt, die sich nicht für eine Seite vereinnahmen lassen will, aus Angst, damit den Ihren zu schaden - ebenso wie Peeta versucht, sich im Kapitol durchzulavieren, versucht sie das gleiche im Untergrund von Distrikt 13.
Katniss besucht das Lazarett, die Kriegsversehrten danken es ihr. Durchhalten, Blut-Schweiß-Tränen, Volksgemeinschaft - keine Seite kommt ohne die Versatzstücke nationaler und revolutionärer Propaganda aus.
Meine Freundin hat allerdings eine abweichende Meinung zur Qualität des Films: Wenn ich es richtig verstanden habe, findet sie Katniss‘ Getue um den nicht grade attraktiven Peeta zu jungmädchenhaft-twilight-mäßig und kreidet dem Film den mangelhaften Fortschritt des Plot stärker an als ich (können ja nicht immer derselben Meinung sein…).

Friendlys Schulnote: eine ZWEI

Rätselfrage: Katniss nennt ihre Schwester gelegentlich a) Huhn, b) Kondor, c) Ente oder d) Küken?

Antwort der letzten Frage: Der Satz stammt aus der „Feuerzangenbowle“. Nachdem die Schüler einen Schluck Holunderwein getrunken haben, verunsichern sie ihren Chemielehrer, indem sie Trunkenheit vorspielen.

Freitag, 14. November 2014

Die Tribute von Panem

Dies ist nicht Jennifer Lawrence bester Film (das ist nämlich ‚Winters Bone‘) aber es ist ein sehr guter und sie ist eine sehr gute Schauspielerin. Was den Film überraschenderweise besonders auszeichnet, ist, dass man ihn (wie andere Klassiker auch) mehrfach sehen kann, ohne sich zu langweilen. Ich komme auf drei, mein Sohn bereits auf sieben Vorführungen – in dieser Beziehung wird der Film bei mir wird der Film nur von ‚Herr der Ringe‘ übertroffen, und das soll schon etwas heißen.
Katniss Everdeen: gehetzt und überfordert. Eigentlich typisch für das Alter, wären da nicht die 23 anderen, die ihr nach dem Leben trachten

Worum geht’s?

Dystropische Zukunft: Nach einem Bürgerkrieg ist die Welt in 12 Distrikte aufgeteilt, die von einem Verwaltungszentrum, dem ‚Capitol‘ beherrscht werden. Als Symbol der Unterwerfung müssen die Distrikte je einen Jungen und ein Mädchen im Alter zwischen 12 und 18 zu jährlichen Gladiatorenspielen schicken. Die Spiele enden mit dem Tod aller Beteiligter mit Ausnahme des Siegers. 

Das Herrschaftssystem ist faschistisch orientiert: Das Wohl der Volksgemeinschaft rechtfertigt die Unterdrückung der äußeren Distrikte, die inneren Distrikte erhalten Privilegien wenn sie die Macht des Kapitols anerkennen und nach außen sichern. In Distrikt 12, in dem die Heldin Katniss zuhause ist, wird nach Kohle gegraben – der Distrikt ist ungefähr der letzte und ärmste in der Reihe. Die Bewohner leben unter bedrängten Bedingungen, arbeiten bei miserablem Arbeitsschutz und leiden Hunger.
Als ihre sanfte 12-jährige Schwester Primrose (Primel) für die Spiele ausgelost wird (deren Überlebenswahrscheinlichkeit nach den ersten zwei Minuten wohl rapide auf null gefallen wäre), meldet sich die 17-jährige, jagt-erfahrene Katniss freiwillig als Ersatz für ihre Schwester. Von den Jungen wird Peeta, der Sohn des Bäckers (Liebesgeschichte!) ausgelost.
Anders als auf dem sympathischen Film-Still ist Haymitch kein freundlicher Mentor: nachdem er über 40 Jugendliche in den Tod gecoached hat, vielleicht verständlich.

Die beiden haben noch eine Viertelstunde für die Verabschiedung, dann werden sie in Richtung Schnellzug geschubst und Richtung Capitol gefahren. Zur Seite sollen ihnen eine Reihe von Stylisten, Coaches und Mentoren stehen, an erster Stelle der einzige aus Sektor 12, der je die Kämpfe gewonnen hat:  Haymitch -  jetzt ein desillusionierter Trinker und Zyniker. (Überigens gespielt von Woody Harrelson, auch aus "Die Unfassbaren" und dem Tallahassee aus "Zombieland")

„Ich bin nur wegen der Erfrischungen hier“

Das Capitol erweist sich als arrogantes Machtzentrum mit faschistoider Überwältigungsarchitektur und ihre Bevölkerung als fröhlich-hohlköpfige, unterhaltungsbedürftige Masse. Katniss und Peeta werden von ihrer Crew in einem Tempo fitgemacht, angemalt, enthaart, frisiert und eingekleidet dass ihnen schier die Zeit zum Nachdenken fehlt. Auf eine Sache immerhin kommen sie: Es können nicht beide gewinnen.
Mit Beginn des eigentlichen Kampfes ändert der Film seinen erzählerischen Ton: war er in Distrikt 12 von Melodram und sozialrevolutionäre Propaganda und im Kapitol von der Darlegung der Gruppendynamik Jugendlicher dominiert, wird es jetzt ein knallharter „Töte oder werde getötet“ Knaller im Stil von „Wounded“. Durch kluges Einteilen der Kräfte, die Hilfe zufälliger Verbündeter und nicht zuletzt durch ein paar Goodies, die ihr Mentor Haymitch ihr zukommen lassen kann, setzt sich Katniss gegen die anderen Kinder und Jugendlichen und gegen die übelwollenden Spielorganisatoren in der Zentrale durch.
Beim Showdown gelingt es Katniss und Peeta gemeinsam, den letzten Gegner zu überwinden – nun stehen sie vor der Aufgabe, unter sich auszukämpfen, wer von beiden stirbt und wer siegt und überlebt.
Effie Trinket ist auf ihre schrill-hysterische Art effizient und wohlmeinend. Katniss muss mit dem arbeiten, was sie hat.
Katniss setzt die Regeln außer Kraft, indem sie ankündigt, dass sie beide (auch als Konsequenz ihrer zumindest vorgespiegelten Liebe) gemeinsam in den Tod gehen werden. Sie haben das Gift schon an den Lippen, da entscheidet Spielleiter Seneca sich in der Wahl zwischen ’keinem‘ und ‚zwei‘ Siegern, beide überleben zu lassen. Für diese, in den Augen des Diktator-Präsidenten Snow falsche Entscheidung, wird er schließlich zum Selbstmord gezwungen.

Wie war’s?

Ein sehr guter Film, der auch beim Wieder-Schauen nichts von seiner Wirkung verliert. Katniss verkörpert überzeugend eine Figur, die nur sehr schwer zu spielen ist: eine von den Ereignissen gesteuerte junge Erwachsene, die versucht, Verantwortung für die kleine Schwester und die depressive Mutter zu übernehmen - eine Herausforderung der sie in keiner Weise gewachsen ist. Misstrauisch, aggressiv, hart – gleichzeitig verletzlich und bemitleidenswert, wenn sie Maske und Rüstung ablegt. Dabei kann man nicht sicher sein, ob sich unter der Maske nicht eine zweite Maske verbirgt – spielt Katniss nur ihre Karten so gut aus wie sie kann? Sind wir Zuschauer die manipulierten, ebenso wie die geschminkten Narren im Publikum des Capitols?
Ich weiß nicht, ich weiß nicht: Ich habe mir die Position von Zeigefinger und Pfeil schon in extremer Vergrößerung angesehen - wenn das nicht die Momentaufnahme eines herunterrutschenden Geschosses ist, dann müssen sie ein Gummiband oder eine Menge Klebstoff für das Photo verwendet haben... Außerdem ist der Pfeil aus unklaren Gründen auffallend un-mittig eingenockt. Inzwischen sollte Jennifer Lawrence doch Bogenschießen gelernt haben ?!?

Beim Schreiben fällt mir auf, dass die Rolle der Katniss Everdeen in „Tribute“ große Ähnlichkeiten zur Ree Dolly aus „Winters Bone“ hat: aus kleinen Verhältnisse, von den Eltern allein gelassen, ein kleines Rad in den Plänen von Erwachsenen, deren Motive zumindest zweifelhaft sind und die im Allgemeinen nicht die Wahrheit sagen.

Der Kampf der Jugendlichen Jeder-gegen-Jeden ist spannend, die zeitweiligen Allianzen zur Ermordung der Mitspieler sind nur angedeutet aber (und da unterscheidet sich der Film grundlegend von dem misslungenen „Maze Runner“) immerhin glaubwürdig.

Mein Liebling unter den ambivalenten Figuren des Films ist Showmaster Caesar Flickerman (gespielt von Stanley Tucci, das ist der liebenswerte Chefdesigner aus „Der Teufel trägt Prada“ – noch was: er ist der Freund von Emily Blunts älterer Schwester, und die hatte in „Edge of Tomorrow“ eine Hauptrolle) . Die Rolle des Showmasters hätte leicht als zynischer Verderber entlarvt werden können – stattdessen ist Flickerman der Freund und Helfer der jungen Athleten und scheint aufrichtig unter den (unwidersprochen hingenommenen) Verhältnissen, dass sie alle bis auf einen sterben werden, zu leiden. Caesar Flickerman ist als der sympathische, kompetente, unkritische Mehr-als-Mitläufer von nebenan absolut glaubwürdig dargestellt.
Caesar Flickerman wie er lacht und lebt: Der freundliche Onkel ist wirklich freundlich - das ist ja mal etwas neues in diesem Film.
Mein Fazit: unbedingt ansehen, gerne auch mehrmals. Teil zwei der vierteiligen Trilogie (das macht gelernten Informatiker immer wieder fertig!) ist nicht ganz so gut, ich freue mich jetzt schon auf Teil drei, der in einer Woche in die Kinos kommt.

Friendlys Schulnote: EINS-MINUS, ein bisschen auf der schwachen Seite, weil in der Fülle der Kriegs- und Kampfhandlungen die Sozialkritik unvermeidbar etwas kürzer ausgeführt werden musste. Aber das ist bei mir altersbedingt: bin halt keine sechzehn mehr - da hätte mich das nicht gestört, und dann gibt es ja auch noch „Winters Bone“ für mich.

Rätselfrage: Weshalb sind die Diener im Capitol keine Sprechrollen?

Antwort der letzten Frage: Das Metallica-Album war komplett schwarz (weil ich das wusste, habe ich auf der Spielemesse ein Plektron gewonnen) und Drummer Lars Ulrich war ein außerordentlich begabter Tennisspieler (wie auch sein Vater). Er kam ursprünglich in die USA, um sein Spiel zu perfektionieren, blieb dann aber doch bei den Drums und dem Hard Rock hängen.

Als kleines Goodie: Jennifer Lawrence hat uns einen kleinen Blick in ihre Wohnung gewährt. Er offenbart eine sympathische Unordnung und eine, sagen wir vorsichtig, nicht übertrieben durchgestylte Inneneinrichtung. 
Nicht immer alles so rumliegen lassen! Das nicht mehr hören zu müssen, ist bei jungen Erwachsenen der wesentliche Grund für eine eigenen Wohnung. Wer kann mir sagen, was das für Gegenstände und Produkte in Lawrence Wohnung sind? Ich vermute ein Deo, Feuchttücher, die weiße Flasche scheint mir eine Flüssigkeit für Kontaktlinsen zu sein, auf dem Boden liegt eine ... Unterhose? Oder ein Haargummi?...  - "Nein, ich verletze nicht meine Bewährungsauflagen, ich bin immer noch mehr als hundert Meter von ihr entfernt, Officer!"

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