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Samstag, 7. Februar 2015

The Dark Knight

Superhelden haben mich als Kind schon – ja was eigentlich? Gelangweilt? Eingeschüchtert? Gegruselt? Jedenfalls bin ich meiner Mickey Mouse immer treu geblieben. Deshalb - dies nur vorweg - bin ich auch definitiv der Falsche, um etwas Gutes über Superheldenfilme zu sagen. Mein kleiner Verriss von „Captain America“ vor einer Woche hat mir immerhin die Anerkennung meiner Liebsten eingebracht – ich sei endlich mal nicht so ungebremst positiv, meint sie. Fiel mir leicht.
Leichter, beweglicher und fast ebenso große Schutzwirkung. Aber hilft sie auch gegen Angriffe von unten, die neue Rüstung?
Jetzt aber sprechen wir nicht von irgendeinem, sondern von der Mutter aller Superheldenfilme, geadelt durch den tragischen und frühen Tod von Heath Ledger, der mit 28 Jahren an Medikamente-Wechselwirkungen/Missbrauch gestorben ist. Ein Film, den nahezu alle Kritiker als a) den besten Batman aller Zeiten mit b) dem besten Erzschurken aller Zeiten und c) wohl möglich den bisher besten Superheldenfilm überhaupt einschätzen. 

Auf Kritikermeinung soll man nichts geben, deshalb hier Friendlys unparteiisches Testergebnis in sieben Kategorien:

Ist die Story spannend?


Ist sie. Batman kommt in Schwierigkeiten, in große, große Schwierigkeiten. Diesmal aber nicht durch einen der üblichen Erzschurken, die sich im Allgemeinen dadurch auszeichnen, dass sie absolut berechenbar und eindimensional vorgehen, sondern durch einen genialen Mastermind der geich im nächsten Moment alle seine Pläne wieder über Bord wirft.
Burn, Money, Burn. Der Joker tut, was er will. Why so serious?

Ist der Gegner ernst zu nehmen?


Absolut. Heath Ledger spielt den Joker mit einer solchen amoralischen Intensität, dass mir doch recht unheimlich wurde. Wenn ich mal ganz, ganz tief schöpfen darf: Der Joker ist der Zufall, der kleine Kinder in Afrika an einer gut behandelbaren Krankheit qualvoll sterben lässt, bevor sie die erste Sünde ihres Lebens begehen können. Der Joker ist das Erdbeben von Lissabon von 1755. Der Joker ist der bösen Gott.

Hat Batman Brustwarzen?


Natürlich hat er das, Stupid. Aber zu unser aller Glück werden die Brustwarzen nicht in seinem Kevlar Brustpanzer nachmodelliert. Das wäre schon bei Xena irritieren, bei Batman ist es unverzeihlich (und dennoch haben sie es getan: Batman und Robin, 1997 mit George Clooney in der Hauptrolle).
Rachel, arme Rachel - Ein Ende inmitten von brennenden Ölfässern hat das liebe Mädchen schwerlich verdient. Allerdings hat auch niemand versprochen, dass man bekommt, was man verdient, oder?

Wie läuft es in der Liebe?


Rachel (diesmal gespielt von Maggie Gyllenhaal, Schwester von Jake Gyllenhaal, mit dem Heath Ledger, wie Ihr Euch erinnert, in „BrokebackMountain“ zusammen gespielt hat) muss leiden – was aber auch voraussehbar war, versteht man es als Strafe dafür, dass sie sich in den Saubermann und Sunnyboy Stadtrat Harvey Dent verliebt hat. Der Joker versteckt beide an zwei ziemlich weit auseinanderliegenden Orten, beide umringt von Ölfässern und je einer kleinen Brandbombe mit Zeitschaltung. Batman hat selbst mit Bat-Moped nicht genug Zeit, um beide zu retten. Harvey überlebt, Rachel stirbt. Kleiner Joker-Scherz: er hatte die Adressen vertauscht, so dass Batman Rachel suchte, aber Harvey fand.

Wie endet es?


Der Joker wird verhaftet, Harvey Dent stirbt, nachdem er als neuer Superschurke Two-Face etliches an Verwirrung gestiftet hat. Batman alias Wayne überlebt, wie zu erwarten war - schließlich ist mit Batman noch eine Menge Geld zu verdienen. Die Hoffnung auf eine Wiederkehr des Jokers allerdings kann man sich direkt abschminken (hihi.. ) – nur ein wahnsinniger Schauspieler würde es wagen, in die Fußstapfen von Heath Ledger in seiner letzten und besten Rolle zu treten. Allerdings wäre der dann vielleicht auch wieder für den Joker geeignet…
Der Tresorknacker erschießt den Geldeinsammler, der Wacheschiebende erschießt den Tresorknacker, und der Transporteur ... soll den Busfahrer erschießen? Wo ist da die Logik? Der Joker bringt sie sowieso alle um.

Wie war’s?


Großartig. Als in der Wolle gefärbter Superhelden-Hasser muss ich bekennen: der Film ist gut, sogar sehr gut, und das trotz des ganzen Heldengetues. Alle Darsteller spielen sehr solide, und als völlig unerwartete Dreingabe sehen wir einen Schauspieler völlig über sich hinauswachsen und eine Kraft und Konsequenz der Darstellung erreichen, die in die Anfangszeiten des Dramas überhaupt zurückweist. So wie der Joker auf uns im „Dark Knight“, so muss die Medea 430 vor Christus auf die Athener gewirkt haben. Mehr ist darüber nicht zu sagen.

Na gut, jetzt noch ein bisschen Genörgele. Natürlich hat der Film er auch Schwächen: Was in aller Welt sollte diese völlig unmotivierte Wandlung des guten Harvey Dent zum Psychopathen Two-Face? Weglassen! Warum spielt Morgan Freeman mal wieder so eine grundgute Nebenrolle, das es mir (und bestimmt nicht mir allein) aus den Augen schmalzt? Weglassen! Warum ist das Batman-Kostüm im Gesicht so eng, dass Wayne immerzu mit Duckface herumsteht?  

Friendlys Schulnote: Eine EINS-MINUS. MINUS (weil eigentlich doch kein Film mit ernsthaftem Hintergrund), dann aber doch eher PLUS, weil Heath Ledger tut, was er tut, (s.o.) - und wenn das blindwütige Wirken des Schicksals kein ernster Hintergrund ist, dann weiß ich auch nicht. Und dann doch wieder MINUS, weil immerhin ist es ein Superheldenfilm, und die fallen mir immer etwas auf den Wecker.

Rätselfrage: Pluto ist nur mehr ein Zwergplanet, das wissen mittlerweile alle. Welcher andere Zwergplanet ist größer als der Pluto? (Kleiner Tipp: der Name ist hier im Text gefallen)


Übrigens (kleiner Aufmerksamkeitstest) waren es nur sechs Kategorien, nicht sieben. Wer hat’s gemerkt?

P.S.: Michael Caine als "Alfred" war genau der väterliche Freund, den sich jeder Superheld nur wünschen kann

P.P.S.: Jake Gyllenhaal ist ein schwedischer Adliger, kein Witz. 

Donnerstag, 22. Januar 2015

Lucy

Scarlett Johansson in einer Superheldenrolle – das ist mein Film. Trotzdem musste ich fast ein halbes Jahr warten, bis ich „Lucy“ endlich sehen konnte. Meine Kinder hatten ihn gesehen, fanden ihn aber nicht gut genug für ein zweites Mal, meine Freundin war vom Trailer unterwältigt und weigerte sich, Lebenszeit auf einen Marvel-Film zu verschwenden. Aus dem Kino war der Film dann schon verschwunden, als Stream war die Qualität zu schlecht und auf iTunes konnte man ihn nur kaufen.. Tausend Umstände, die mir in die Quere kamen. Bis gestern.
Scarlett Johansson in Lucy
Hohlköpfchen Lucy (Scarlett Johansson) hat gute Vorsätze: sie will jetzt weniger feiern und mehr lernen. Bald werden sich ihr ganz andere Herausforderungen stellen

Wie war’s?


Tja. Es fängt schon mal damit an, dass der Film kein Ende hat. Drogenbedingt wächst die Leistungsfähigkeit von Lucys Gehirn, der Count zählt hoch und höher und dann – nichts. Sie verschwindet einfach. Was soll das denn für ein Höhepunkt sein? „Am Ende steht das Nirwana, die Vereinigung mit allem“ ist vielleicht intellektuell cool und spirituell in guter Tradition, aber was den Spannungsbogen angeht: ein echter Reinfall.
Die Droge lehrt auch korrekte Bedienung von halbautomatischen Pistolen. Wenn Ihnen jemand so auf dem Flur entgegenkommt, will sie hoffentlich zu jemand anderen.
Dabei hat der Film so hübsch angefangen: Die wirklich ganz reizende Scarlett wird von ihrem Party-Kumpel und Freund gelinkt, eine gefährliche Fracht zu einem gefährlichen Mann zu bringen. Ihm hilft das auch nicht viel – er überlebt nicht einmal die ersten zehn Filmminuten. 
Ich will mal hoffen, dass es sich hier nicht um ein Bauch-Double handelt. Ob das wirklich geht - ein Pfund Kristalle in einen Bauch einnähen? Oder drohen Sepsis, Multiorganversagen und Tod?
Scarlett wird nicht erschossen, ist aber grad zur Hand als der Inhalt aus dem Koffer kommt, weshalb man ihr auch gleich einen Sack Designerdroge in den Unterleib näht. Der Sack platzt und (Biss der radioaktiven Spinne… Superheldenfilm halt) Scarlett bekommt durch die Droge, die ihre Gehirnleistung steigert, Superkräfte. 


Ich war genau wie ihr, verletzbar, unsicher, hatte Angst vor dem Tod ... dann hat sich alles geändert.

Zunächst gewinnt sie die Fähigkeit, ihren eigenen Körper und Geist zu kontrollieren: Sie regeneriert Schusswunden, sie kann Sprachen durch bloßes Zuhören lernen, sie kämpft wie ein Ninja. Später gewinnt sie Kontrolle über die Körper anderer Menschen und über elektromagnetische Felder: Sie knipst bei zehn Mann mit einem Fingerschnipsen das Licht aus, sie bestimmt, was im Radio läuft und was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Noch später gewinnt sie Kontrolle über Raum und Zeit: die Welt ist Wachs in ihrer Hand. Nach einer weiteren Dosis Droge gibt sie ihre physische Präsenz auf und wird allgegenwärtig und allmächtig.
Noch lebt der Gefängniswärter. Da er den sexuellen Avancen der angeketteten Gefangenen folgen will, wird sich das gleich ändern
Was sie mit diesen Superkräften anstellt ist extrem unterhaltsam anzusehen, wenn auch ihre Handlungen im Detail seltsam unerklärt bleiben. Zwar arbeitet sie mit einem italienischen Drogenfahnder zusammen, um die anderen Drogenkuriere aufzuhalten – aber ihre Absichten zielen nicht direkt erkennbar auf Gerechtigkeit, sonst würde sie dem unschuldigen Opfer die Drogen nicht mit den bloßen Händen aus dem Bauch reißen.

Na, vielleicht ist sie auch einfach nur süchtig. Während des Fluges nach Europa zeigten sich nämlich bereits die Risiken und Nebenwirkungen ihrer hochkonzentrierten Drogenkur: ihr Körper begann, sich aufzulösen – ein Prozess, der durch noch mehr Droge zunächst aufgehalten werden kann.
Den "italienischen Drogenfahnder" spielt übrigens der Araber Amr Waked. 
Nach dem „Griff in den Unterleib“ des Drogenkuriers wird Scarlett erst mal eingebuchtet, kann aber  fliehen, indem sie (ganz Krieg-der-Sterne-mäßig übrigens *1) den Wachen ihre Freilassung suggeriert. Sie verabredet sich mit einem Forscher, dessen Theorie über das Potential des Gehirns zu Telekinese und Telepathie sie an sich bestätigt sieht. Den überredet sie, ihr auch den Rest der Droge als Lösung zu injizieren.
Die Zeiten sind vorbei, als Lucy noch mit ihrer Mitbewohnerin Caroline (Analeight Tipton, auch in Warm Bodies) feiern gehen konnte. Für Göttinnen gilt: "Mit großen Fähigkeiten kommt auch große Verantwortung"
Der anschließende Showdown mit dem Yakuza-Boss vom Anfang endet 1:0 für Scarlett, die alles niedermäht, was sich bewegt und in dem Moment, in dem der Endgegner ihr den Fangschuss geben will, einfach verschwindet. Irgendwie unbefriedigend, wie gesagt. Ob da noch ein Teil zwei kommen sollte? Aber was soll eine allmächtige, omnipräsente Gottheit für Abenteuer erleben?

Friendlys Schulnote: Eine Zwei. Ordentliche Bilder, exzellente Action, süße Hauptdarstellerin, Morgan Freeman (total unterfordert und deshalb schwach, solche Rollen spult der auch ohne Drehbuch ab) und ein wirklich überzeugender französischer Kommissar (Amr Waked). FSK-12, und das stimmt schon.

Rätselfrage: Ein Wissenschaftler gab gleich zwei wesentlichen Gedankenexperimenten seinen Namen, nämlich dem  –Test und der  –Maschine. Wie heißt der Wissenschaftler und in welchem Gebiet hat er geforscht?

Antwort der letzten Frage: Das ist die „Handsome Family“ mit dem Song „Far from any road“, der Titelmusik der Serie „True Detective“ (Übrigens eine ganz exzellente Serie. Mehr dazu später)

(*1: Obi-Wan Kanobi rettet Luke und sich selbst im Krieg der Sterne, Episode IV, durch den Checkpoint: mit einem lässigen Winken den Wachen suggeriert er:
"Das sind nicht die Droiden die ihr sucht.""Das sind nicht die Droiden die wir suchen.""Er kann passieren.""Er kann passieren.""Weiterfahren.""Weiterfahren, weiterfahren!")

Freitag, 5. September 2014

Unforgiven - Erbarmungslos

Auf dem Bauch in der Schweinescheiße liegen - das war der wilde Westen des einfachen Mannes. Die Entbehrungen der Krauter und Kolonisten in Kansas sind heute nur noch schwer vorstellbar, und im Film-Western kommen sie erst gar nicht vor - da ist alles sauber, trocken, ordentlich. Höchstens der obligatorische schmerbäuchige Mexikaner bietet milden Kontrast zur allgemeinen Aufgeräumtheit (Western-Drehbücher werden nicht von Mexikanern geschrieben).
Rain, wash the blood away: Späße mit der Leiche eines Toten Freundes zu treiben ist bei Clint Eastwood eigentlich nie eine gute Idee

"Unforgiven" ist die Ausnahme von der sauberen Welt der Rollbüsche und klarer Gut-Böse-Trennung, und das ist noch nicht einmal sein einziger Vorzug.

Worum geht's?

Tumult im Freudenhaus von Big Whiskey: ein Freier flippt aus letztlich ungeklärten Gründen aus. Vielleicht weil seine neue Freundin seine Penis zu klein findet, vielleicht, weil er sich bestohlen fühlt, vielleicht ist er mit der Leistung nicht zufrieden. Er ist betrunken, er greift zum Messer und er verletzt die Prostituierte Delilah im Gesicht mit mehreren Schnitten.

Im entstehenden Chaos werden der Cowboy mit dem Messer und sein jugendlicher Partner (zur gleichen Zeit im Nachbarzimmer zugange) festgesetzt. Die Wortführerin der Huren fordert eine strenge Bestrafung. Die Rechtsprechung im Dorf scheint eher am Boden zu liegen - erst will Sheriff Little Bill (Gene Hackman) die beiden Gegangenen auspeitschen, dann setzt er eine Strafe in Höhe von sieben Ponys fest, die aber nicht an Delilah, sondern an ihren Arbeitgeber/Saloonbesitzer/Zuhälter Skinny gehen sollen. 
Was kann eine schwache Frau gegen die "Gewalt der bösen Männer" tun? Sich solidarisieren.

Die Huren sind nicht glücklich mit der Lösung: kurzerhand legen sie zusammen und setzen 1000 Dollar aus für denjenigen, der die beiden Cowboys erledigt. Kernzitat: "Sie mögen uns zwar reiten, aber sie dürfen uns nicht auch noch ihr Brandzeichen aufdrücken!"

Bordellier Skinny petzt bei Little Bill, und der ist vorbereitet: English-Bob, dem erste Kopfgeldjäger, ergeht es nicht gut: nachdem er seine Waffen mehr oder weniger freiwillig abgelegt hat, wird er von seinem alten Bekannten Little Bill zusammengeschlagen und aus der Stadt gejagt.

Schnitt zum Schweinekotten am Arsch von Kansas: William Munny betreibt mit zwei Kindern im wesentlichen erfolglos ("Papa, das letzte Schwein hat jetzt auch Fieber") einen sehr, sehr kleinen Viehzuchtbetrieb. Ehemals Revolverheld, hat Munny seiner Frau zuliebe vom wilden Leben abgeschworen - die liegt nun auch schon drei Jahre unter der Erde. Wirtschaftliche Schwierigkeiten lassen die Nachricht über das 1000-Dollar-Kopfgeld jetzt in freundlichem Licht erscheinen. Moralische Bedenken werden durch die gnadenlose Übertreibung des Botschaften-Überbringers 'Kid' ausgeräumt: "Sie haben ihr die Augen ausgestochen, die Ohren abgeschnitten, und sogar die Titten!".
Das ist Little Bills Trick: erst entwaffnen, dann zusammenschlagen. Deutlich ungefährlicher als ein Shoot-Out. Hier geht es English-Bob an den Kragen

Schon das erste Übungsschiessen zeigt, dass Munny nicht mehr ganz in Form ist. Nach sechs Fehlschüssen auf die Keksdose steigt er auf eine Schrotflinte um, und dann zeigt die Dose auch Wirkung. Zur Sicherheit nimmt er aber noch seinen alten Kumpel Logan (Morgan Freeman) mit.

In Big Whiskey mag man zur Zeit keine Fremden. Obwohl im Fieberdelirium, wird Munny von Sheriff Little Bill zusammengeschlagen und muss den Saloon kriechend verlassen,, während sein Freunde die Abkürzung aus dem Fenster des Puffs nehmen und ungeschoren davonkommen. Für William Munny kein Grund zum Aufgeben: im Gebirge töten die Drei den ersten Cowboy mit einem Bauchschuss, an dem er langsam verblutet. Schütze Logan hat genug und packt die Sachen, während Kid und Munny dem anderen Cowboy auflauern. Kid erschießt ihn auf dem Plumsklo.
Nicht schön: Alles noch dran, aber schwere Erwerbsminderung. Warum steht eigentlich der junge Cowboy, der das Pony gebracht hat, auf der Todesliste?

Als er das Geld in Empfang nimmt, erfährt Munny, dass Logan von den Deputies gefangen und von Little Bill zu Tode gefoltert wurde. Er reitet im Starkregen zum Saloon und überrascht die Deputies bei einer improvisierten Siegesfeier. Munny erschießt den Sheriff, ertränkt die Feier im Blut und reitet zurück zu seinen Kindern.


Wie war's?


Nicht oft, aber dann doch immer wieder an überraschender Stelle gelingt es dem amerikanischen Film, verständliche Emotionen in seinen Helden darzustellen. Wenn Gene Hackmann, nachdem er English-Bob auf offener Strasse zusammengetreten hat (wir reden hier über GEWALT in Großbuchstaben) die Bürger anherrscht: "Geht nach Hause! Verdammt nochmal, ihr sollt nach Hause gehen!", dann ist der sonst ruhige und freundlich-autoritäre Little Bill keine eindimensionaler Westernheld, sondern ein Mensch, der von den Teufeln der Vergangenheit geplagt wird und der sich an der Berechtigung seines Tuns zweifelt.
Zwei alte Kumpels lassen es noch einmal krachen. Der Sanfte von Ihnen wird sterben.

Clint Eastwood als William Munny will braver Bürger sein, ist aber nur im Ausüben von Brutaliät wirklich gut - nur das ist es, was ihn aus der Menge heraushebt. Der Begabung folgen, und wie Little Bill auf die andere Seite wechseln? Der allerdings liegt jetzt tot im Wirtshaus.

Die Huren treten eine Lawine los, die sie nicht mehr kontrollieren können. Trotzig weisen sie alle Angebote zur Aussöhnung zurück (der junge Cowboy will Delilah sein bestes Pony schenken, um die Tat seines Freundes zu sühnen) - bis dann zwölf der Männer des Dorfes tot in ihrem Blut liegen.

Abgesehen von der Emotionalität hat der Film auch klassische dramatische Größe. Edle Einfalt, stille Größe ist es, wenn sich aus einem kleinen Penis eine solch große Katastrophe entwickelt, wo doch jeder der Beteiligten doch nur das Beste (oder zumindest das Angemessene) tun will.

Clint Eastwood, Morgan Freeman, Gene Hackmann: das Zusammentreffen dieser drei Schauspieler macht den Film zu einem unvergänglichen Kunstwerk.

Friendlys Schulnote: Eine glatte EINS, was sonst?

Rätselfrage: Es gibt einen Western, der auch als Eastern gedreht wurde. Einer der Darsteller hat auch schon mal einen König im Film gespielt. Wie heißen die drei Filme?

Antwort der letzten Frage: Das war wieder in "Blues Brothers". Ich weiß, ich weiß, langsam gehen mir die Fragen aus...

Freitag, 6. Juni 2014

Die Unfassbaren - Now You See Me

Glitzerndes Konfetti auf der Bühne mit Ausmaßen eines Eislaufstadions! Große Gesten allmächtiger Magiere, die das Publikum mit dem Schnipsen eines Fingers manipulieren! Unangreifbare Masterminds, die für jeden Zug des Gegners bereits einen Plan B, C und D vorbereitet haben und jede scheinbare Niederlage in einen glanzvollen Sieg verwandeln! Ich liebe Diesen Film!

Worum geht's?

Vier Zauber-Unterhaltungskünstler, erfolglich eher in der unteren Mittelklasse, bekommen mysteriöse (wie auch sonst) Nachrichten zugespielt, die sie zu einem Treffen mit einem ungenannten Auftraggeber einladen. Am Treffpunkt fehlt zwar der magische Auftraggeber, aber die Vier konstituieren sich als "The Four Horsemen" Magier-Combo. 
Merritt fühlt sich nicht so wohl wie ein Fisch im Wasser: gleich wird es eng mit dem Sauerstoff
Ein Jahr später stehen sie auf den ganz großen Bühnen: in Vegas kündigen sie eine Serie von drei spektakulären Shows an und beginnen damit, dass sie dem Publikum zeigen, wie sie einen zufällig aus dem Publikum gewählten Herrn zunächst in eine Pariser Bank teleportieren und mit seiner Hilfe dann den Inhalt des Tresorraumes nach Las Vegas zaubern und über dem Publikum verstreuen.
Beim Tresor-Ausräumen immer schön den Teleportationshelm anlassen, sonst ist die Rückkehr ungewiss

Der Trick muss ein Schmuh sein, aber das Geld ist weg - soviel steht fest. FBI-Ermittler Rhodes leitet die Ermittlungen und verhaftet die Magier, muss sie nach Verhören aber wieder freilassen oder (unannehmbar) eine Anklage wegen Zauberei vorbereiten. Einziger Ausweg für Rhodes: Einen Experten hinzuziehen. Rhodes engagiert Bradley, einen Fachmann für die Enttarnung von Parapsychologie und Zauberei. 
Warum ich Zauberer entlarve?
Weil dabei nur ein Zauberer leidet und ich Millionen Zuschauer im Fernsehen damit unterhalte

Zusammen sitzen sie in der zweiten großen Show der "Four Horsemen" in New Orleans. Wieder geht es um Geld - diesmal um das Geld des Mäzens Tressler, Chef eines großen Lebensversicherungskonzerns. Tressler hatte das Ganze finanziert, wird aber in seiner Show auf magische Weise ausgeplündert: plötzlich ist das Vermögen des Konzerns auf die Konten der Zuschauer überwiesen, die allesamt ehemalige Kunden eben dieser Versicherung und durch deren Machenschaften geschädigt worden sind.
Ziehen sie eine Karte, aber sagen sie nicht, welche es ist: Kartentrick geht immer.

Dann geht es ziemlich hin und her: Bradley und Rhodes verfolgen die flüchtenden Zauberer, werden aber durch allerlei vorbereitete (Mastermind!)-Fallen aufgehalten, Bradley endet mit einer Ladung gestohlenen Geldes im Kofferraum, einer der Horsemen stirbt (scheinbar!), und in einem grandiosen, letzten Auftritt (Open Air und unter Beteiligung von Hubschraubern) machen sich die Horsemen davon und hinterlassen ihr begeistertes Auditorium und verrätselte Ermittler. (Und hier gehe ich erstmals von meiner Regel ab, die Wahrheit und zwar die ganze Wahrheit zu schreiben: Dieses eine Mal werde ich Euch den Spaß nicht verderben...)

Wie war's?

Prachtvoll! Erhaben! Ich möchte auch so ein Zauberer sein! (Gut, dass ein Leben der Hingabe, des harten Trainings und nur mäßige Chancen auf Erfolg auf der Kehrseite stehen - sei's drum...) Dieser Film hat mich von Anfang an eingepackt und mitgenommen, und mich in der Folge so mit Glitzerpuder (Zaubersalz?) eingestaubt, dass ich über schlaglochgroße Inkonsistenzen im Plot locker hinwegtänzle. Ich liebe es!

Friendlys Schulnote: Eine EINS (ohne plus und minus...). Wie gesagt: Jede Menge Löcher in der Geschichte, bei manchem muss man dann wirklich an Magie glauben - aber das macht nichts, weil man es erst merkt, wenn man aus dem Rausch der Bewegung erwacht, und das ist nicht vor dem Ende des Films.

Rätselfrage: Für welchen Film wurde mit dem Satz: 'Fully prepared to deal with life' geworben?

Antwort der letzten Frage: Es ist ein Bogen, die Frage wird in "Slumdog Millionaire" gestellt - übrigens ein sehr guter Film!

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