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Dienstag, 8. Dezember 2015

Friendlys Jubiläumspost (100): Der Terroranschlag in Paris am 13. November 2015


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Der SUPREME ALLIED COMMANDER EUROPE gibt mit dem heutigen Datum den Kriegseintritt der NATO in Syrien bekannt. Es erfolgt die sofortige und allgemeine Mobilmachung. Mit dem Beginn des Kriegszustandes gelten eine Reihe von Regelungen, die die persönlichen und wirtschaftliche Freiheiten zeitweilig einschränken. Die Bevölkerung ist verpflichtet, sich über diese Regelungen zu informieren und sie einzuhalten. Die Nichtbeachtung dieser Regeln wird verfolgt und bestraft.

  1. Alle Männer und Jungen im Alter von 16 bis 35 Jahren, die nicht bereits in den Streitkräften dienen oder im Reservistenstatus sind, werden aufgefordert, sich innerhalb von zwei Tagen im örtlichen Kreiswehrersatzamt zu melden. Die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht wird mit sofortiger Wirkung beendet.

  2. Alle Frauen und Mädchen im Alter ab 16 bis 45 Jahren, die nicht bereits in den Streitkräften oder im Zivilschutz tätig sind, werden aufgefordert, sich innerhalb von zehn Tagen an den dazu eingereichten Meldestellen des Sanitätsdienstes zu melden.

  3. Für Jugendliche zwischen 14 Jahren und 16 Jahren ist der schulisch-militärische Vorbereitungsdienst ab sofort obligatorisch.

  4. Alle Gewerbetreibenden sind aufgefordert, sich über die von der Verwaltung festgesetzten Preise für Grundnahrungsmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs zu informieren. Waren dürfen nur noch in handelsüblichen Mengen abgegeben werden. Hamsterkäufe und Schwarzhandel ist unzulässig.

    Die Bevölkerung wird aufgerufen, die Mobilisierung durch ruhiges und umsichtiges Verhalten zu unterstützen. Demonstrationen, Aufmärsche und Kundgebungen sind ab sofort untersagt. Politische Meinungsäußerungen unterliegen der Zensur. Defätistisches Verhalten und wehrkraftzersetzende Äußerungen sind unstatthaft und werden bestraft.

    Verfolgen sie die Veröffentlichungen des SUPREME COMMAND um über die aktuellen Bestimmungen und Regulierungen auf dem Laufenden zu bleiben.

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    Ich war über die Anschläge in Paris ebenso schockiert wie wahrscheinlich die meisten von Euch. Meine Tochter hat Bekannte dort, ich kenne die Stadt selbst gut (als ich jung war, lebte meine Freundin dort und als ich nicht mehr ganz so jung war, hat meine spätere ehemalige Frau dort ihre Diplomarbeit geschrieben – sagen wir also: ich war schon öfter da) und bin emotional dieser ‚Vorstadt‘ meiner im westlichen Westdeutschland gelegenen Heimat sehr verbunden.

    Dass in Paris jetzt Anschläge mit mehr als hundert Toten verübt worden sind, macht mich sehr betroffen und ich leide mit denen, die Angehörige verloren haben oder die um das Leben ihrer Lieben fürchten müssen.

    Edle Einfalt, stille Größe: Paris am 5.12.2015. Angehörige haben Fotos der beiläufig Ermordeten angebracht. Warum haben wir mit dem schönen, jungen Mädchen am meisten Mitleid?

    Was mich an der Krise nach den Anschlägen in Frankreich besonders nervt, sind Leute, die (ob aus Sensationslust, Effekthascherei, Populismus oder Dummheit) jetzt KRIEG! schreien. Ganz vorne mit dabei natürlich die Bildzeitung, aber auch der französische Präsident (dem ich natürlich keine Dummheit unterstelle) stößt in dieses Horn.

    Und ich sach' noch: Morgen titelt die 'Bild'-Zeitung: "Deutschland im Krieg".
    Ich bin ein trauriger Prophet.

    Oder bin ich der einzige Dumme hier und alle anderen haben alles bereits durchdacht, das für und wider sorgfältig abgewogen und internationale Vereinbarungen und ethische Standpunkte abgeklopft und überprüft?

    "Der Panavia 200 (PA-200) Tornado ist ein zweisitziges Mehrzweckkampfflugzeug (MRCA), das von den Streitkräften Deutschlands, Großbritanniens, Italiens und Saudi-Arabiens als Jagdbomber, Abfangjäger und Aufklärungsflugzeug eingesetzt wird." (Quelle: Wikipedia)

    Mir jedenfalls scheint die Lage doch sehr viel Komplizierter als die „Bild“ sie im Titel trägt. Deshalb hier Friendlys Gedanken zum Syrienkonflikt.

    Sieht eigentlich ganz nett aus, dieser Abdelhamid Abaaoud, vermuteter Drahtzieher hinter den Anschlägen von Paris. Tot, allerdings. Sucht sie, verhaftet sie, klagt sie an, verurteilt sie und steckt sie hinter Gitter. Aber bombt nicht syrische Dörfer zu Asche, in denen sich vielleicht unter 26 Einwohnern, darunter sechs Kindern auch der eine oder andere Milizionär des Islamischen Staates befindet. 


    Wenn es ein Krieg ist: Wer hat angefangen?


    Da fängt es schon einmal an. Es ist nicht völlig abzustreiten, dass Frankreich durch Bombardierungen des „Islamischen Staats“ einen Angriffskrieg begonnen hat. Frankreichs Position zu der Frage ist, dass sie in einem Akt der „Selbstverteidigung“ angegriffen hätten, da der IS Anschläge in Frankreich plane. Allerdings erfolgten die Angriffe der Franzosen ohne das, was man nach internationalen Übereinkünften dafür als Legitimation braucht: entweder a) die Erlaubnis der Regierung Syriens oder b) einen Auftrag der Vereinten Nationen. Wenn Frankreich den IS auf ihrem eroberten Gebiet angegriffen hat, ist der IS nach internationaler Übereinkunft berechtigt, in Frankreich ebenfalls anzugreifen – wohl aber nur gegen militärische Ziele (und ein Fußballstadion gehört da wohl nicht dazu)


    Wer sind die Guten?


    Die Jungs von der IS sind es jedenfalls nicht. Gräueltaten sind für den IS das tägliche Handwerkszeug, und deren Kämpfer verstoßen nach allem was berichtet wird (und auch nach ihren eigenen Aussagen) so ungefähr gegen jeden einzelnen Artikel der Haager Landkriegsordnung zum Schutz der Zivilbevölkerung: Vergewaltigungen, Gefangenenmisshandlung, Verstümmelung, Massenhinrichtungen, religiöse Zwangskonversionen, Sklavenhaltung – alles dabei. Von den Franzosen ist da weniger negatives bekannt. Allerdings kommen bei Luftwaffe-Einsätzen Schäden in der Zivilbevölkerung vor, auch wenn die Angriffe nicht direkt gegen Bürger geflogen werden. Das wird gewöhnlich als ‚unvermeidbar‘ angesehen.


    Was für Möglichkeiten gibt es für uns?


    Hollande und seine europäischen Verbündeten haben drei Möglichkeiten. Entweder sie a) ignorieren die Anschläge weitgehend und setzen auf Polizeimaßnahmen, um weitere Anschläge zu verhindern. Oder b) sie fliegen Vergeltungsangriffe und unterstützen die anderen Schweinepriester in der Region (Assad, die Kurden, rebellische Syrer, lokale Warlords, die Iraner) mit Geld und Waffen, um dem IS Schwierigkeiten zu machen und ihn beschäftigt zu halten. Oder c) es gibt einen Krieg mit dem Ziel, den IS zu zerschlagen.



    Wie sieht die emotionale Seite aus?


    Wie heißt es so schön in „Schwarz zu Blau“?



    „An der Ecke gibt es Stress zwischen Tarek und Sam.
    Tarek sagt: „Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen“.
    Sam hat die Hosen voll, aber er kann auch nicht nichts sagen

    Hollande kann auch „vor allem nicht nichts machen“. Dazu kommt, dass ein Präsident in Kriegszeiten gewöhnlich nicht abgewählt wird. Hollande würde es also die Schmach ersparen, nach einer Amtszeit abgewählt zu werden, wenn sich jetzt das patriotische Frankreich hinter den Fahnen versammelt.


    Das waren noch Zeiten: Werbung für Kriegsanleihen im Ersten Weltkrieg. Bewahrt Euch eine gesundes Misstrauen gegenüber Euren eigenen Gefühlen, vor allem wenn es sich um Aufwallungen von Patriotismus handelt. Berücksichtigt auch, dass kritiklose Bündnistreue den ersten Weltkrieg von einer regionalen Provokation zu einem Weltenbrand hat werden lassen. 

    Was soll getan werden?


    Meiner Meinung nach: vor allem erstmal nachdenken. Terrorismus ist kein Krieg, es ist eine Straftat. Das heißt: gefragt ist der Polizist, nicht der Infanterist! Die Illusion, durch Krieg gegen eine Terrorbande den Terrorismus selbst einzudämmen, hat sich seit Al-Qaida recht eindrücklich widerlegt.


    Dazu kommt, dass die Bündnispartner von Heute die Feinde von morgen sein werden. Ich erinnere daran, dass die Taliban in Afghanistan durchaus auf der In-Liste der Amerikaner (und der ganzen westlichen Welt) standen, solange sie den Russen die Hölle heiß gemacht haben.

    Ist die kommunistische Partei Kurdistans PKK ein Feind (weil sie im NATO-Partner Türkei Terroranschläge verübt) oder unser Verbündeter (weil sie gegen den IS kämpft)? In Deutschland ist die PKK übrigens eine verbotene Organisation.


    Die Kriegstreiber in Europa sind wie ein Mann, der nur einen Hammer hat: für ihn wird alles zum Nagel. Anstatt sich darüber Gedanken zu machen, wie man in Europa den Terrorismus bekämpft (vielleicht durch Maßnahmen zur Integration von Einwanderern? Durch sozialen Ausgleich? Chancengleichheit? Durch Förderung eines aufgeklärten Islam?) startet man lieber Tornados und wird später vielleicht mit Bodentruppen einen Angriffskrieg beginnen. (Das ist ein Verbrechen, das gemäß StGB mit einer Haftstrafe nicht unter 10 Jahren oder lebenslang geahndet wird, in den Nürnberger Prozessen wurde dafür auch die Todesstrafe verhängt).



    Genau. So schaut's aus.

    Und wenn die Kanzlerin jetzt in den Krieg ziehen will?


    Prima Idee. Wirklich. Und unsere Soldaten, die wir doch zur Verteidigung der territorialen Integrität Deutschlands verpflichtet haben, sollen jetzt in Rakka sterben. 

    Da bleibt nur eins: Sagt Nein!! 

    Macht einfach nicht mit, jeder nach seinen Möglichkeiten. Stimmt nicht dafür im Bundestag. Bewilligt keine Kriegskredite. Druckt die Werbung der Bundeswehr nicht. Füllt keine Patronen. Näht keine Mützen, Zum Teufel, liefert keine Torten mehr nach Ramstein, ihr Konditoren!


    Mittwoch, 5. November 2014

    Friendlys Jubiläumspost (50)

    Uuuund da ist es schon wieder so weit: die fünfzigste Filmkritik liegt hinter mir, Zeit für einen Post mit allgemein-bildendem Charakter. Heute erzähle ich etwas über Widerstand und Kontrollen, über meine liebsten Film-Blogs, ich analysiere ich mal ein bisschen auf meinen eigenen Daten herum und rede von meinen Problemen mit der Rechtschreibung.
    Nadeschda Tolokonnikova von Pussy Riot
    Nadeschda Tolokonnikova von der Band Pussy Riot: Vergesst nicht, dass es Menschen gibt, die sich der Unterdrückung von Kirche und Staat entgegenstellen - wahrscheinlich haben sie dabei ziemlich Angst und tun es trotzdem
    Ich habe in den letzten Tagen ziemlich viel über die Kategorisierung von Jugendfilmen und deren didaktische Absicht nachgedacht. Ich glaube, eine halbwegs sinnvolle Unterscheidung könnte sein, sie in Filme mit "emanzipatorischem" auf der einen und "unterdrückendem" Konzept auf der anderen Seite einzuteilen.

    Also schnell mal nachschlagen: was ist Emanzipation?

    "Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist [...] ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit, meist durch Kritik an [...] hegemonialen Strukturen, oder auch die Verringerung von seelischer oder ökonomischer Abhängigkeit". 

    Ein emanzipatorischer Film ist also einer, der ermutigt, sich für seine eigene oder die Freiheit und Gleichheit anderer Personen einzusetzen. Ein unterdrückerischer Film ist einer, der Ungleichheit und Unfreiheit gutheisst. Etwas direkter am Thema könnte man auch sagen: ein emanzipatorischer Film (E-Film) stärkt Kinder, ihren eigenen Vorstellungen und Empfindungen zu folgen, auch wenn die Gesellschaft (das sind vor allem auch die eigenen Eltern, also ich) dagegen sind. 

    Bisschen unheimlich, was? Ich will ja grade, dass meine Kinder meiner wohlmeinenden Führung bezüglich Sittsamkeit, Hygiene, Gesundheitsfürsorge und allgemeiner Ethik folgen (schließlich sind meine Vorstellung ja auch richtig, oder). Und jetzt sollen sie sich davon emanzipieren und einem Sumpf aus Unzucht, Schmutz, Drogenkonsum und Rücksichtslosigkeit verfallen?
    Eine Frau von Prinzipien hat klare Vorstellungen von den wünschenswerten Verhaltensweisen und inneren Einstellungen ihrer Nachkommenschaft. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

    Für mich ist das Problem ungeklärt. Ich setze darauf, dass Eltern ihre Kinder sowieso nicht merklich durch Erziehung (im Sinne von Ansporn und Ermahnung) beeinflussen. Anders als mein eigener Vater bin ich aber auch nicht der Meinung, dass sich die Entwicklung von Kindern völlig unbeeinflusst von ihren Eltern vollzieht (das ist der Grund, weshalb sich meine Eltern aus dieser Aufgabe guten Gewissens heraushalten konnten. Das nenne ich gelungene nachträgliche Rationalisierung...).

    Meine eigenen Beobachtungen zu diesem Thema lassen sich im chinesischen Sprichwort "Hast Du den Teufel aus deinem Garten vertrieben, findest du ihn im Garten deines Sohnes wieder" zusammenfassen: Weil Eltern vor allem durch ihr Beispiel erziehen, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Jugendliche gewisse Charakterzüge zeigen, die auch an ihren Eltern zu finden sind (oder, in bewusster Opposition, das genaue Gegenteil). Wird dem Gerechtigkeitsfanatismus des Vaters aus Jugendjahren durch Zeit und Lebenserfahrung die Schärfe genommen, sieht er sich auf einmal mit unbedingter moralischer Rigorosität seiner Nachkommen konfrontiert. 
    Femen-Protest: Religion ist Sklaverei
    Beitrag zur Emanzipation? Oder Einladung zum Voyeurismus? Immerhin haben es Femen-Bild und -Botschaft aus Putins Russland in diesen Blog geschafft

    Ihr könnt Euch vorstellen, wie anstrengend das Leben auf einmal wird, wenn man den Kindern kein schlechtes Beispiel sein will. "Notlügen" in Gegenwart der Kinder fallen komplett weg. Volksbelustigungen wie Arbeit ohne Rechnung oder der kleine Versicherungsbetrug - vergesst es. Schlecht reden über den garstigen Nachbarn? Gewöhnt euch lieber schon einmal daran, auch die andere Seite darzustellen, sonst werden ihr von den Kindern zur Ordnung gerufen, oder - und das ist schlimmer - sie übernehmen all diese fragwürdigen Haltungen und ihr bereut es für immer.

    Bin ein bisschen weg vom Thema Film gekommen: In wie weit können Filme da helfen oder schaden? Indem sie Beispiele von erfolgreicher oder nicht-erfolgreicher Emanzipation geben. Mein Lieblingsbeispiel für einen unterdrückerischen Film ist "Flashdance" (wer sich nicht erinnert: Tanzspektakel aus den Achzigern)
    Schweißerin Alex hat einen ehrbaren Beruf, der im Vergleich zu dem einer Frisörin, Physiotherapeutin oder einer Bäckereifachverkäuferin eben mal nicht grauenhaft unterbezahlt wird. Anstrengend, aber damit könnte sie Mann und Kind ernähren
    Es geht um eine junge, gut aussehende Schlosserin namens Alex. Da sie außerdem noch tanzen kann, setzt sie nun alles daran, aus dem grässlichen Männerberuf, der mit Schmutz, Verantwortung und Anstrengung verbunden ist, in einen rosa Mädchentraum zu wechseln, der schwach entlohnt, aber auch anstrengend ist. Weil man das eben so macht.
    Allerdings glaubt sie, dass Tante und Gesellschaft von ihr erwarten, in sexuell konnotierter Pose auf der Bühne Wet-T-Shirt-Tänze zu veranstalten. Dass hält sie dann auch prompt für ihren eigentlichen Lebenszweck. Schwerindustrie ist ja auch nichts für Mädchen.

    Schlimm ist an diesem Film nicht so sehr, dass Alex lieber posieren als planen will, sondern dass der Film diese Absicht mit einem "Das war doch von vornherein klar"-Nicken dem Zuschauer als einzigen Weg zum Glück verkauft - und das nicht nur für Alex, sondern für alle Mädchen. Schlossern müssen nur die Hässlichen - dann lieber seinen Körper den lüsternen Blicken irgendwelcher geiler Gimpel darbieten.

    Gegenbeispiel eines emanzipatorischen Films? Für mich sticht "Sommer in Orangein dieser Hinsicht aus der Vielzahl guter Jugendfilme heraus. In diesem Film ist die Heldin gleich zweifachem Gruppendruck ausgesetzt - soll sie das selbständige berliner Hippie-Kind sein, um das sich die Mutter nicht kümmern muss? Oder die brave Kleine mit den Zwillingszöpfen, wie die bayrische Landschule nebst Dorf es erwarten? Klar versucht sie es erst einmal mit "beides", wie Kinder es meistens im Grunde versuchen, es allen recht zu machen. Als sich der Konflikt zuspitzt und sich herausstellt, dass Lilli nicht auf ihre soziale Einbettung verzichten kann, klärt sich die Krise: ihre Mutter besinnt sich auf ihre Pflichten und unterstützt die Tochter. Emanzipatorischer Ansatz: mach Dein Ding, auch wenn die Eltern und Deine alte Bezugsgruppe dagegen sind.
    Anders sein macht einsam, aber klug: man hat schon mal Zeit zum Überlegen
    In etwas größerem Rahmen variiert "V wie Vendetta" das selbe Thema: Der Staat hat klare Vorstellungen, wie sich der einzelne sich verhalten soll. Schlimmer noch: diese Vorstellungen sollen bei Strafandrohung bis ins Private verwirklicht werden. Dennoch erklären sich einzelne damit nicht einverstanden, geben dem Unbehagen einer Vielzahl eine Stimme und ermöglichen es den weniger Mutigen, sich einzusetzen, indem sie sich solidarisieren.

    Deshalb mein Nadeschda-Tolokonnikova-Eingangsbild. 
    Eine Menge Jugendlicher denken:
    1. Der Krieg ist ferne Geschichte und nie wieder nach Europa kommen
    2. Totalitäre Unterdrückungsysteme wie Kommunismus und Faschismus sind überwunden 
    3. Dem Staat kann man ohne Bedenken so viel Macht einräumen, wie es nötig ist um eine maximale bürgerliche Sicherheit (gegen Verbrecher) zu erreichen. Schließlich haben wir ja die Politiker gewählt.

    Klar, dass sich uns Friedensdemonstranten und Volkszählungs-Boykottierern da die Fußnägel hochkrempeln, wenn die Kinder es ganz naiv eine gute Idee finden, wenn neben den fast omnipräsenten Kameras in der Innenstadt jetzt auch (unter dem Vorwand 'Maut') der gesamte Verkehr durch Nummernschild-Aufnahmen mit seinem Woher-Wohin überwacht werden soll.
    Jetzt tut mal nicht so, als wäre es mit dem Faschismus für alle Zeiten vorbei. Adolf Hitler kommt nicht wieder, und seine Folkloretruppen NPS, DVU, Die Rechte und PRO sind auch eher Witzfiguren. Aber wenn es mit dem Wohlstand erst mal bergab geht, dann wird der Bürger einem neuen Führer huldigen wollen.

    Und hier noch ein Gedanke zum Thema, den ich meiner Freundin geklaut habe: Noch wird mit ernstem Gesicht beteuert, das diese Daten niemals der Polizei zur Verfügung gestellt werde. Aber wir wissen dass die nächste Gesetzesänderung nur ein Attentat entfernt ist: Ob die Al-Quaida ganz Bremerhafen mit einem Gastanker hochgehen lässt oder ob die NSU-II nach einem Polizistenmord gesucht wird - schnell wird das Interesse an diese Überwachungsdaten unwiderstehlich und die Nicht-Verwendung geradezu unverantwortlich erscheinen. 

    Der freundliche Herr auf dem Bild lebt auch nicht mehr. Unter uns: jeder in Aachen ausgebildete arabische Ingenieur könnte sich ein Attentat ausdenken, bei dem 6000 Menschen zu Tode kommen. Und dann? Wer wird der totalen Überwachung dann noch widersprechen wollen?
    Und wenn die Wirtschaftskrise dann endgültig im Ruf nach dem "starken Mann" mündet und der Faschismus in neuem Gewand marschiert, dann werden wir jede voreilende Ermächtigung an unseren scheinbar unzerstörbar demokratischen Staat bereuen.

    Datenanalyse

    Als zweites werfen wir einmal einen Blick auf die Verteilung von Friendlys Schulnoten: Wie oft gab es welche Note?
    Friendly findet alles toll, wenn er seine Glückspillen eingeworfen hat - warum soll ich mir auch Filme ansehen, von denen ich schon weiß, dass sie mir nicht gefallen werden?
    Positiv herausragend bewertet (und damit eine Art von persönlicher Bestenliste) sind bisher "Unforgiven", "Hotel Ruanda" und "Inception"

    Negativ stachen für mich heraus "Escape Plan", "Percy Jackson" und "Maze Runner". Bitte versteht mich nicht falsch: es gibt bestimmt auf dem weiten Erdenrund noch viel, viel schlechtere Filme als diese Drei - allerdings werden die schon frühzeitig von meinem Radar erfasst und abgewehrt. Ein gewisses Risiko stellen in dieser Hinsicht übrigens Langstreckenflüge dar: verschärfte Langeweile bringt mich dazu, mich auch durch Filme wie "Escape Plan" bis zum Ende durchzuärgern.

    Achja, vielleicht interessiert Euch auch, welche Kritiken auf der ewigen Beliebtestenliste führen? Auf den ersten Plätzen liegen "Three days to kill", gefolgt von "Sommer vorm Balkon" und "Edge of tomorrow". 

    Im Durchschnitt der letzten Woche dagegen führen "Maze Runner", "Gone Girl" und der Dauerbrenner "Three days to kill". Warum zum Teufel ist Kevin Kostner so beliebt?

    Die besten Filmblogs

    Wir alle wollen geliebt werden. Für einen Blog-Autor ist geliebt-werden gelesen-werden. Damit ich meine Leser nicht enttäusche, lese ich regelmäßig (aber erst nachdem ich meine Kritik geschrieben habe) was andere Autoren über den jeweiligen Film geschrieben haben.

    Das versetzt mich jetzt in die Lage, eine Art Meta-Kritik über die mir liebsten Film-Blogs zu verfassen: Dies sind die besten im deutschsprachigen Raum:

    To the lighthouse       Lenas Filmblog ist geradezu das Komplement zu meinem eigenen: Sie sieht lauter abgedrehtes Arthouse-Kino und schreibt so geschmackssicher und kenntnisreich darüber, das ich unter meinen Bekannten inzwischen allen deshalb als gebildet gelte, weil ich die Titel dieser Filme nennen kann...

    Sennhausers Filmblog       aus der Schweiz ist echtes Profi-Erzeugnis eines Profi-Journalisten im Auftrag des Schweizerischen Rundfunks SRF2. Trotzdem ist es gut. Sennhauser liefert auch Videoclips über Filme, allerdings finde ich dieses Format irgendwie sperrig - ich kann halt schneller lesen als gucken. Besonders gefallen mir die "Unverpassbaren" - kleine Kurzkritiken zu ungewöhnlichen und übersehenen Filmen.


    Unrechtschreibung


    Die Rechtschreibung und ich - ein ständiges auf und ab. Beginnend von einem grundschulischen Tief, das mir noch heute so unangenehm ist, dass ich es noch nicht einmal meinem Pseudonym zumuten will, damit in die Öffentlichkeit zu gehen, habe ich mich Jahr um Jahr auf ein Niveau heraufgearbeitet, dass es mir zumindest erlaubt, ohne inneren Widerstand im Betrieb an die Tafel zu treten. Zwischenzeitlich war ich sogar Korrekturleser für ein örtliches Monatsmagazin... sicher eine katastrophale Fehlbesetzung, die das Westdeutsche Pressewesen entscheidend zurückgeworfen hat. Ich habe Artikel direkt in das Setzsystem der Tageszeitung Nummer Eins geschrieben und bin nächtens schweißgebadet aufgewacht, weil mir träumte, ich habe die Überschrift "Willy Brant tod" zu verantworten .... Gut - die Rechtschreibreform hat mich dann wieder zurückgeworfen. Wer versteht eigentlich die ss-ß Regel?

    Eigentlich sollte das Problem mit der automatischen Rechtschreibkorrektur jetzt ja ausgeräumt sein, aber mindestens die eingebaute Korrektur meiner Blog-Software hilft mir da nur unwesentlich. Die Interessen meiner mittlerweile tatsächlich etwas zahlreicher werdenden Leser fest im Blick, werde ich die Texte jetzt in Word (bisher: Textedit) vorschreiben und erst nach rigoroser Kontrolle veröffentlichen, isch schwöre!




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