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Dienstag, 8. Dezember 2015

Friendlys Jubiläumspost (100): Der Terroranschlag in Paris am 13. November 2015


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Der SUPREME ALLIED COMMANDER EUROPE gibt mit dem heutigen Datum den Kriegseintritt der NATO in Syrien bekannt. Es erfolgt die sofortige und allgemeine Mobilmachung. Mit dem Beginn des Kriegszustandes gelten eine Reihe von Regelungen, die die persönlichen und wirtschaftliche Freiheiten zeitweilig einschränken. Die Bevölkerung ist verpflichtet, sich über diese Regelungen zu informieren und sie einzuhalten. Die Nichtbeachtung dieser Regeln wird verfolgt und bestraft.

  1. Alle Männer und Jungen im Alter von 16 bis 35 Jahren, die nicht bereits in den Streitkräften dienen oder im Reservistenstatus sind, werden aufgefordert, sich innerhalb von zwei Tagen im örtlichen Kreiswehrersatzamt zu melden. Die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht wird mit sofortiger Wirkung beendet.

  2. Alle Frauen und Mädchen im Alter ab 16 bis 45 Jahren, die nicht bereits in den Streitkräften oder im Zivilschutz tätig sind, werden aufgefordert, sich innerhalb von zehn Tagen an den dazu eingereichten Meldestellen des Sanitätsdienstes zu melden.

  3. Für Jugendliche zwischen 14 Jahren und 16 Jahren ist der schulisch-militärische Vorbereitungsdienst ab sofort obligatorisch.

  4. Alle Gewerbetreibenden sind aufgefordert, sich über die von der Verwaltung festgesetzten Preise für Grundnahrungsmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs zu informieren. Waren dürfen nur noch in handelsüblichen Mengen abgegeben werden. Hamsterkäufe und Schwarzhandel ist unzulässig.

    Die Bevölkerung wird aufgerufen, die Mobilisierung durch ruhiges und umsichtiges Verhalten zu unterstützen. Demonstrationen, Aufmärsche und Kundgebungen sind ab sofort untersagt. Politische Meinungsäußerungen unterliegen der Zensur. Defätistisches Verhalten und wehrkraftzersetzende Äußerungen sind unstatthaft und werden bestraft.

    Verfolgen sie die Veröffentlichungen des SUPREME COMMAND um über die aktuellen Bestimmungen und Regulierungen auf dem Laufenden zu bleiben.

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    Ich war über die Anschläge in Paris ebenso schockiert wie wahrscheinlich die meisten von Euch. Meine Tochter hat Bekannte dort, ich kenne die Stadt selbst gut (als ich jung war, lebte meine Freundin dort und als ich nicht mehr ganz so jung war, hat meine spätere ehemalige Frau dort ihre Diplomarbeit geschrieben – sagen wir also: ich war schon öfter da) und bin emotional dieser ‚Vorstadt‘ meiner im westlichen Westdeutschland gelegenen Heimat sehr verbunden.

    Dass in Paris jetzt Anschläge mit mehr als hundert Toten verübt worden sind, macht mich sehr betroffen und ich leide mit denen, die Angehörige verloren haben oder die um das Leben ihrer Lieben fürchten müssen.

    Edle Einfalt, stille Größe: Paris am 5.12.2015. Angehörige haben Fotos der beiläufig Ermordeten angebracht. Warum haben wir mit dem schönen, jungen Mädchen am meisten Mitleid?

    Was mich an der Krise nach den Anschlägen in Frankreich besonders nervt, sind Leute, die (ob aus Sensationslust, Effekthascherei, Populismus oder Dummheit) jetzt KRIEG! schreien. Ganz vorne mit dabei natürlich die Bildzeitung, aber auch der französische Präsident (dem ich natürlich keine Dummheit unterstelle) stößt in dieses Horn.

    Und ich sach' noch: Morgen titelt die 'Bild'-Zeitung: "Deutschland im Krieg".
    Ich bin ein trauriger Prophet.

    Oder bin ich der einzige Dumme hier und alle anderen haben alles bereits durchdacht, das für und wider sorgfältig abgewogen und internationale Vereinbarungen und ethische Standpunkte abgeklopft und überprüft?

    "Der Panavia 200 (PA-200) Tornado ist ein zweisitziges Mehrzweckkampfflugzeug (MRCA), das von den Streitkräften Deutschlands, Großbritanniens, Italiens und Saudi-Arabiens als Jagdbomber, Abfangjäger und Aufklärungsflugzeug eingesetzt wird." (Quelle: Wikipedia)

    Mir jedenfalls scheint die Lage doch sehr viel Komplizierter als die „Bild“ sie im Titel trägt. Deshalb hier Friendlys Gedanken zum Syrienkonflikt.

    Sieht eigentlich ganz nett aus, dieser Abdelhamid Abaaoud, vermuteter Drahtzieher hinter den Anschlägen von Paris. Tot, allerdings. Sucht sie, verhaftet sie, klagt sie an, verurteilt sie und steckt sie hinter Gitter. Aber bombt nicht syrische Dörfer zu Asche, in denen sich vielleicht unter 26 Einwohnern, darunter sechs Kindern auch der eine oder andere Milizionär des Islamischen Staates befindet. 


    Wenn es ein Krieg ist: Wer hat angefangen?


    Da fängt es schon einmal an. Es ist nicht völlig abzustreiten, dass Frankreich durch Bombardierungen des „Islamischen Staats“ einen Angriffskrieg begonnen hat. Frankreichs Position zu der Frage ist, dass sie in einem Akt der „Selbstverteidigung“ angegriffen hätten, da der IS Anschläge in Frankreich plane. Allerdings erfolgten die Angriffe der Franzosen ohne das, was man nach internationalen Übereinkünften dafür als Legitimation braucht: entweder a) die Erlaubnis der Regierung Syriens oder b) einen Auftrag der Vereinten Nationen. Wenn Frankreich den IS auf ihrem eroberten Gebiet angegriffen hat, ist der IS nach internationaler Übereinkunft berechtigt, in Frankreich ebenfalls anzugreifen – wohl aber nur gegen militärische Ziele (und ein Fußballstadion gehört da wohl nicht dazu)


    Wer sind die Guten?


    Die Jungs von der IS sind es jedenfalls nicht. Gräueltaten sind für den IS das tägliche Handwerkszeug, und deren Kämpfer verstoßen nach allem was berichtet wird (und auch nach ihren eigenen Aussagen) so ungefähr gegen jeden einzelnen Artikel der Haager Landkriegsordnung zum Schutz der Zivilbevölkerung: Vergewaltigungen, Gefangenenmisshandlung, Verstümmelung, Massenhinrichtungen, religiöse Zwangskonversionen, Sklavenhaltung – alles dabei. Von den Franzosen ist da weniger negatives bekannt. Allerdings kommen bei Luftwaffe-Einsätzen Schäden in der Zivilbevölkerung vor, auch wenn die Angriffe nicht direkt gegen Bürger geflogen werden. Das wird gewöhnlich als ‚unvermeidbar‘ angesehen.


    Was für Möglichkeiten gibt es für uns?


    Hollande und seine europäischen Verbündeten haben drei Möglichkeiten. Entweder sie a) ignorieren die Anschläge weitgehend und setzen auf Polizeimaßnahmen, um weitere Anschläge zu verhindern. Oder b) sie fliegen Vergeltungsangriffe und unterstützen die anderen Schweinepriester in der Region (Assad, die Kurden, rebellische Syrer, lokale Warlords, die Iraner) mit Geld und Waffen, um dem IS Schwierigkeiten zu machen und ihn beschäftigt zu halten. Oder c) es gibt einen Krieg mit dem Ziel, den IS zu zerschlagen.



    Wie sieht die emotionale Seite aus?


    Wie heißt es so schön in „Schwarz zu Blau“?



    „An der Ecke gibt es Stress zwischen Tarek und Sam.
    Tarek sagt: „Halt's Maul oder ich werd' dir ins Gesicht schlagen“.
    Sam hat die Hosen voll, aber er kann auch nicht nichts sagen

    Hollande kann auch „vor allem nicht nichts machen“. Dazu kommt, dass ein Präsident in Kriegszeiten gewöhnlich nicht abgewählt wird. Hollande würde es also die Schmach ersparen, nach einer Amtszeit abgewählt zu werden, wenn sich jetzt das patriotische Frankreich hinter den Fahnen versammelt.


    Das waren noch Zeiten: Werbung für Kriegsanleihen im Ersten Weltkrieg. Bewahrt Euch eine gesundes Misstrauen gegenüber Euren eigenen Gefühlen, vor allem wenn es sich um Aufwallungen von Patriotismus handelt. Berücksichtigt auch, dass kritiklose Bündnistreue den ersten Weltkrieg von einer regionalen Provokation zu einem Weltenbrand hat werden lassen. 

    Was soll getan werden?


    Meiner Meinung nach: vor allem erstmal nachdenken. Terrorismus ist kein Krieg, es ist eine Straftat. Das heißt: gefragt ist der Polizist, nicht der Infanterist! Die Illusion, durch Krieg gegen eine Terrorbande den Terrorismus selbst einzudämmen, hat sich seit Al-Qaida recht eindrücklich widerlegt.


    Dazu kommt, dass die Bündnispartner von Heute die Feinde von morgen sein werden. Ich erinnere daran, dass die Taliban in Afghanistan durchaus auf der In-Liste der Amerikaner (und der ganzen westlichen Welt) standen, solange sie den Russen die Hölle heiß gemacht haben.

    Ist die kommunistische Partei Kurdistans PKK ein Feind (weil sie im NATO-Partner Türkei Terroranschläge verübt) oder unser Verbündeter (weil sie gegen den IS kämpft)? In Deutschland ist die PKK übrigens eine verbotene Organisation.


    Die Kriegstreiber in Europa sind wie ein Mann, der nur einen Hammer hat: für ihn wird alles zum Nagel. Anstatt sich darüber Gedanken zu machen, wie man in Europa den Terrorismus bekämpft (vielleicht durch Maßnahmen zur Integration von Einwanderern? Durch sozialen Ausgleich? Chancengleichheit? Durch Förderung eines aufgeklärten Islam?) startet man lieber Tornados und wird später vielleicht mit Bodentruppen einen Angriffskrieg beginnen. (Das ist ein Verbrechen, das gemäß StGB mit einer Haftstrafe nicht unter 10 Jahren oder lebenslang geahndet wird, in den Nürnberger Prozessen wurde dafür auch die Todesstrafe verhängt).



    Genau. So schaut's aus.

    Und wenn die Kanzlerin jetzt in den Krieg ziehen will?


    Prima Idee. Wirklich. Und unsere Soldaten, die wir doch zur Verteidigung der territorialen Integrität Deutschlands verpflichtet haben, sollen jetzt in Rakka sterben. 

    Da bleibt nur eins: Sagt Nein!! 

    Macht einfach nicht mit, jeder nach seinen Möglichkeiten. Stimmt nicht dafür im Bundestag. Bewilligt keine Kriegskredite. Druckt die Werbung der Bundeswehr nicht. Füllt keine Patronen. Näht keine Mützen, Zum Teufel, liefert keine Torten mehr nach Ramstein, ihr Konditoren!


    Donnerstag, 13. August 2015

    Liste der tödlichen Gefahren

    Dies ist mal keine Filmkritik, sondern aus keinem besonderen Anlass eine Art von Risiko-Liste. Es geht in diesem Beitrag um Aktivitäten, die (besonders für Kinder und Jugendliche) überraschenderweise tödlich enden können. Es ist einerseits natürlich gut, Dinge einfach mal auszuprobieren. Andererseits ist die Aufgabe der Eltern zu verhindern und aufzuklären, wenn durch diese Dinge dauerhafte Schäden, Verstümmelung oder Tod drohen. Manchmal sind Gefahren aber auch für Erwachsene nicht sofort offensichtlich, deshalb hier: 


    Friendlys Liste der zehn unerkannten tödlichen Gefahren


    Die Bahngleise sehen recht überwachsen aus, aber solange nicht ein solider Baum in der Mitte steht, kann immer noch der jährliche Zug daherkommen. Das wird dann recht unschön. Filmempfehlung dazu: Unstoppable
    1. Auf Wagons klettern
      Verrostete Wagons haben einen industriellen und zugleich Jack-London-Artigen Hobo-Charm, der es geradezu unmöglich macht,
      nicht heraufzuklettern. Wie romantisch wäre es, den Sternenhimmel vom Dach eines solchen abgestellten Waggons zu betrachten! Kommt dazu noch etwas Liebeseuphorie oder Alkohol oder beides, achtet man auch nicht mehr so streng auf die Frage, ob sich über dem Waggon eine Oberleitung befindet – man muss eben einfach nicht dranfassen, oder?

      FALSCH! Im Gegensatz zu handelsüblichem Haushaltsstrom von 230 Volt, der mit Sicherheit nicht aus der Steckdose kommt, hat die Oberleitung 15000 Volt und kann (und wird) spielend und blitzartig einen halben Meter Luftlinie zwischen Draht und Hirn des liebestrunkenen, angeheiterten Jugendlichen überwinden. Die Ergebnisse sind unschön und mit dem Donald-Duck-Erikativ „Zer-Asch“ nur unvollkommen beschrieben. Die meisten sterben. Die, die überleben, lassen sich mühevoll zwischen der Hälfte und 90% ihrer Haut wiederaufbauen. Lasst es bleiben und erzählt es weiter. Sagt, ein Elektroingenieur hätte euch drauf hingewiesen.
    2. Auf Gleisen fotografieren oder wandern
      Bahngleise, die in der Zentralperspektive aufeinander zulaufen – welch wunderschöner Ausdruck der Romantik (wenn man 13 Jahre alt ist). Kann man auch ganz gut mit Selbstauslöser oder als Selfie fotografieren. Allerdings haben Gleise zwei Richtungen: Woher-Wohin, Vorwärts-Rückwärts, Links-Rechts, Von hinten oder von vorn. Eure Kinder haben also eine 50%-Chance, dass sie den Zug sehen, der auf diesem Gleis auf sie zukommt. Und 50%, das nicht.

      Das Ergebnis sind murrende Reisende, die „wegen eines Personenschadens“ 45 Minuten auf freier Strecke stehen, und ziemlich viel Trauer bei den Verwandten. Eine Chance auf Überleben gibt es im Allgemeinen nicht. (Ich allerdings bin das seltene Beispiel eines Idioten, der auf Bahnschienen gewandert ist, der angefahren wurde und der es überlebt hat. Wahrscheinlich, damit ich das hier schreiben kann, wenn man schon an Schicksal glaubt, was ich nicht tue).

      "Alle buddeln im Sand, nur nicht Nick, der verschwand". Das man die Kinderleichen oft erst Tage später findet, weil ein einstürzendes Loch nahezu keine Spuren hinterlässt, ist dann auch schon wieder fast egal. Filmempfehlung dazu: Dune
    3. Im Sand buddeln
      Ist etwas Harmloseres denkbar als dieser unschuldige Strandspaß? Hier gilt: nichts übertreiben! Im feinkörnigen Sand kann man Stollen graben, die tiefer sind als eine Kind hoch. Stürzt der Stollen ein, ist das Kind weg und man kann lange suchen – manchmal tagelang. Das klingt unwahrscheinlich, passiert aber. Gegenmaßnahme: Nur so tief graben, dass der Kopf immer herausguckt.
    4. Improvisierte Sicherheitsgurte (und Leinen allgemein)
      Kinder spielen und bauen nach, was sie bei den Eltern sehen – da wird zum Beispiel eine Schaukel mit einem Sicherheitsgurt aus einem Springseil aufgerüstet. Die Konstruktion ist natürlich nicht bauartgeprüft, und der Mann vom TÜV würde auch die Augenbrauen hochziehen. Alles kein Problem, bis der kleine Sohn von der Schaukel springt, mit dem Hals im Seil hängen bleibt und nicht mehr auf die Füße kommt, bis ihm die Luft ausgeht. (Mir ist es noch rechtzeitig gelungen).

      Ein benachbartes Thema: bringt euren Kindern bei, sich nicht zum Spaß gegenseitig zu erhängen, auch dann nicht, wenn „Django unchained“ es vorgemacht hat. Wenn es Schwierigkeiten gibt, laufen wieder alle weg und nachher will es keiner gewesen sein.
    5. Gartenteiche
      Da nutzt auch schwimmen können nichts: einmal in den Gartenteich gefallen, kommt man angesichts glitschigen Uferbewuchses und aufgeweichter Erde einfach nicht mehr heraus, wenn man auf Seerosenlänge nicht stehen kann. Abhilfe schaffen solide Teichgitter. Bitte auch, wenn Ihr selbst keine Kinder habt – der Nachbarsjunge kommt irgendwann bestimmt unterm Zaun hergekrochen, um Eure Goldfische zu jagen, und was dann passiert, ist geeignet, den Nachbarschaftsfrieden nachhaltig zu stören.

      Und es hat Zoom gemacht - ran auf einen halben Meter (je nach Luftfeuchtigkeit) und ihr seid tot. Spukhafte Fernwirkung hätte Einstein das genannt.  
    6. Kleinkinder im Auto lassen
      Wenn es warm ist und die Sonne auf das Auto scheint, ist es ratsam, seine Kleinen nicht im Auto zu lassen. Kleinkinder haben einen sehr viel unvollkommeneren Temperaturausgleich als Erwachsene. Ihr wollt nicht nach dem (gefühlt) kurzen Schwatz mit dem Nachbarn und der Beratung durch den Fachverkäufer aus dem Obi kommen und für eure Kleine den Gardinenwagen rufen. Abhilfe: die quengligen Kinder einfach mit rein nehmen. Ja, es nervt. Aber dafür hat man länger was von ihnen.
    7. Lampenöl
      Ist ein brandgefährliches Zeug. Entgegen der Erwartung, kriecht das besonders niedrig-viskose Zeug sofort in die Lunge, auch wenn man es nur im Mund hat – ein Schluck aus der Pulle, in manchen Fällen das Lecken am Docht kann zu viel sein. Die Folge sind Entzündungen, schwere und dauerhafte Lungenschäden oder der Tod. Wenn das nicht reicht: im Allgemeinen sind die Bestandteile auch noch giftig. Es sind Lampenöle auf dem Markt, die ungiftig sind und sich nicht wie „Caramba“ in die Lunge vorarbeiten, aber weil die Unterscheidung so schwierig ist (überall steht: „Laborgeprüft“ und „Höchste Reinheit“ drauf), und weil Tante Hedwig vielleicht ihr eigenes Öl verwendet (aus Altbeständen – das Zeug verdirbt ja nicht) sollte man lieber auf Lampenöl im Haushalt verzichten.
      Labamba-Mongongo! Benzin brennt nicht nur, es explodiert auch, weshalb es auch gerne im Krieg verwendet wird. Filmempfehlung dazu: "Black Hawk Down"

    8. Grill anzünden mit Flüssigkeiten, insbesondere mit BENZIN
      Warum sollte man so etwas tun? Antwort: Zunächst einmal haben wir nicht immer diese praktischen Papp-Bröckchen dabei, die meiner Meinung nach die augenblickliche Krone des Grill-Anzündens darstellen. Zum Zweiten sind wir in diesem Fall auch manchmal etwas unlustig und müde, ein Feuer nach alter Väter Sitte mit kleinen Holzspänen und Zeitungspapier anzufachen. Und zum dritten macht es auch einfach Spaß, aus der Ferne ein Streichholz in einen spiritusgetränkten Grill zu schnipsen und die Verpuffung zu erleben, mit der sich der Alkohol entzündet. Also: die Verlockung ist schon da. Und sooo gefährlich ist es meiner Erfahrung dann eben doch nicht, vorausgesetzt, man hält Abstand beim Anzünden, ist halbwegs erwachsen und nüchtern und schüttet keinen Spiritus auf die glühenden Kohlen. 


      Ganz anders sieht es aber aus, wenn man statt Spiritus BENZIN verwendet. Wo Spiritus einmal „Wuuuusch“ macht und dann bläulich vor sich hin britzelt, produziert ein benzingetränkter Holzstoß einen veritablen Feuerball, dessen Größe schwer vorherzusagen ist und der alles in der Nähe in Brand setzt. Das ist eher Fassbombe als friedlicher Grillabend – Druckwelle übrigens inklusive. Wie auch ein paar andere Dinge, weiß ich das aus eigener Anschauung. Ich bin mir nicht sicher, ob die Armbehaarung meines Freundes Jochen wieder nachgewachsen ist.

    9. Bomben bauen
      Ist unverändert beliebt bei allen Jugendlichen. Als Sprengstoff wird von abgeschabten Streichholzköpfen über selbstgemischtes Schwarzpulver, Kaliumpermanganat, Zucker, Stickstoffdünger bis zu Benzin alles verwendet. Fast alle Bauarten und Substanzen sind geeignet, dem jungen Experimentator ein paar Finger, das Augenlicht oder das Leben zu nehmen, und das passiert auch regelmäßig. Wenn schon weiland Alfred Nobel die Herstellung von Explosivstoffen behördlich verboten wurde, weil sich seine Produkte so häufig selbst entzündeten, woher soll die Jugend das dann beherrschen? Finger weg, solange ihr sie noch habt
    Bewusst nicht erwähnt habe ich übrigens die Gefahren, die allgemein bekannt sind, wie Alkoholmissbrauch, Drogen, zu schnelles Fahren etc.

    Tja, die Liste ist nicht vollständig und wahrscheinlich fallen Euch noch ein paar andere nicht-offensichtliche tödliche Gefahren ein: her damit!

    Mittwoch, 4. März 2015

    Friendlys Jubiläumspost (75)

    Das intensive Bedürfnis, jemanden zu töten hatte ich zuletzt im Film „Interstellar“. Es handelt sich dabei um ein Weltraum-Epos mit ausgedehnten Szenen ohne Dialog, sogar ohne Ton - das Schweigen des Weltraums halt. Wäre da nicht die Jugendgruppe eine Reihe vor- und dann rechts von uns gewesen, deren Klassenclown eigentlich immer, wenn grade keine Triebwerke starteten, laut in den Film plapperte. Ganz unvermeidlich musste er sich besonders dann äußern, wenn es ganz, ganz still war im Film und im Saal – den jungen Mann plagt die Angst vor der akustischen Leere, und außerdem wird man auch viel besser gehört, wenn es still ist, oder?
    Dieses Bild gehört eigentlich zum Thema: "Statistik"
    Ich glaube, es war in einem Moers-Comic (wenn ich ihn finde, kommt auch noch ein Bild) wo das „kleine Arschloch“ über die Methoden lautlosen Tötens im Kino sinniert. Ich möchte da noch etwas weiter gehen und den Gesetzgeber aufzufordern, für jedes mehrsaalige Multiplex-Kino eine kleine Mannschaft von Cine-Ninjas obligatorisch zu machen. Ihre Mitglieder sollen durch rigoroses Training in die Lage versetzt werden, Störenfriede mit Hilfe von Würgehölzern, vergifteten Blasrohrpfeilen und Chloroform leise aus dem Kino zu entfernen, bevor auch nur die Notwendigkeit einer (meist nutzlosen) Ansprache durch die anderen Gäste aufkommt. 

    Fair wäre es natürlich, im Vorspann auf diese qualitätssichernde Maßnahme hinzuweisen, insbesondere auf die mit der Nichtbeachtung der Hausregeln einhergehenden Risiken für Gesundheit und vollständigen Filmgenuss. Auf das Zur-Schau-Stellen der Gemaßregelten durch das Aufhängen im Foyer würde ich allerdings schon aus geruchlichen Gründen gerne verzichten. Das ist auch nicht so toll, wenn einem Leichenteile in die Popkorntüte rieseln.

    Träumereien… aber worum geht es im Jubiläumspost diesmal eigentlich?


    • Natürlich geht es wieder etwas um Statistik: Ich erzähle, welcher Beitrag wie populär ist
    • Ich spekuliere darüber, was im Internet wirklich Leute anzieht, und zwar am Beispiel eines Fotos von Emily Ratajkowski
    • Ein paar Worte darüber, wie ich meine Beiträge verfasse


    Statistik:



    Die beliebtesten Seiten meines Blogs (seit Beginn) sind Gone Girl (2088 Aufrufe), Maze Runner (460), Interstellar (360), Zero Dark Thirty (295), No turning back (293), Alien 2 (239), Nightcrawler (220), und erstaunlicherweise: Phoenix (209), Friendlys Jubiläumspost 50 (208), Three days to kill (199).

    Sex:


    Seltsam, dass „Gone Girl“ so viele Aufrufe hat wie die fünf nächsten zusammen. Des Rätsels Lösung ist die Suchmaschinenpositionierung des ersten Bildes des Beitrags: Eine Google-Suche nach „Gone Girl“ zeigt das Bild von Emilys Oberkörper (und damit einen Link zur Seite) auf der ersten Seite, und als drittes Bild ohne Kleidung. Sex sells, eindeutig. 

    Als Gesamtverantwortlicher für diese Seite stellt sich natürlich die Frage, ob ich mit MEHR SEX nicht noch etwas MEHR LESER auf meine Seiten lenken könnte. Andererseits sind diese Leser dann vielleicht eher Gucker und meine sorgfältig gedrechselten Phrasen und mühsam zu einem syntaktisch befriedigenden Ende gebrachten, endlos mäandernden Nebensatzkonstruktionen sind ganz verschenkte Liebesmühe? Ich glaube, ich bleibe lieber erst einmal diesseits des Pornos und bringe die Nackten nur, wenn sie auch irgendwie die Aussage unterstützen.

    Friendly schreibt:


    Manchmal erzähle ich ja ein bisschen nebenbei über mich, meine Freundin und meine Kinder. Heute will ich mal etwas über meinen „kreativen Prozess“ (hihi…) sagen.

    Wenn ich einen Beitrag schreibe, habe ich gewöhnlich den betreffenden Film grade gesehen – grade heißt: in der letzten Woche. Es gibt ein paar seltene Ausnahmen, wo ich über einen Film geschrieben habe, den ich vor längerer Zeit gesehen habe (das war der Fall bei „Winters Bone“, Tribute von Panem“, „Sex and the City“, „Mein Leben ohne mich“).

    Alle Filme, die ich besprochen habe, habe ich persönlich und vollständig gesehen. Einzige Ausnahmen: „Gravity“ (bin im Kinosaal eingeschlafen – da war ich aus beruflichen und persönlichen Gründen sehr, sehr müde, und der eigentlich wunderbare Film hält ein paar sehr stille Weltraumszenen bereit. Meine Freundin hat mich liebevoll geweckt) und „Percy Jackson“ (lief im Fernsehen, ich kam zu spät, weil ich gekocht habe und konnte das Ende nicht sehen, weil ich meine Tochter ins Bett scheuchen musste. Das hat aber für diesen Film in jedem Fall mehr als gereicht).

    Nur selten sehe ich mir einen Film mehrmals an. Weil ich mich an den Plot der Filme eigentlich immer sehr gut und sehr lange erinnern kann nur, wenn schon eine sehr lange Zeit seit dem letzten Mal vergangen ist. Oder wenn mich der Film besonders berührt hat.
    Die folgenden Filme habe ich in meinem Leben mehrfach gesehen (ziemlich abschließende Liste):


    •  „Black Hawk Down“ (Grund: im Fernsehprogramm zufällig reingeschaltet, nicht von Anfang an gesehen, aber offensichtlich ein super Film)
    • Herr der Ringe“, alle drei Teile (Grund: Emotional bewegt, besonders von Teil Zwei, und zwar besonders von der Verteidigung von Helms Klamm.)
    • Now you see me“ (Grund: Komplexe Story, Grandiose Leistung von Woody Harrelson)
    • Unforgiven” (Grund: Habe ich bei der Erstaufführung in den USA gesehen, war schon sehr lange her)
    • Der Teufel trägt Prada“ weil er mir eine fremde, seltsame Welt (die der Mode, ich kleide mich gewöhnlich in Kaffeesack-Leinen) zumindest in Anfängen verständlich gemacht hat
    • Star Wars Episode IV“ (Weil es schon sehr lange her war)
    • Kill Bill I und II: (Grandiose Uma Thurman, grandiose Story, grandioser Regisseur. Die beiden Filme werde ich auch bald noch ein drittes Mal sehen)
    P.S.: Jaja... genaugenommen ist es nicht der Post Nummer 75 sondern schon die 79, aber diese Freiheit nehme ich mir.

    Mittwoch, 5. November 2014

    Friendlys Jubiläumspost (50)

    Uuuund da ist es schon wieder so weit: die fünfzigste Filmkritik liegt hinter mir, Zeit für einen Post mit allgemein-bildendem Charakter. Heute erzähle ich etwas über Widerstand und Kontrollen, über meine liebsten Film-Blogs, ich analysiere ich mal ein bisschen auf meinen eigenen Daten herum und rede von meinen Problemen mit der Rechtschreibung.
    Nadeschda Tolokonnikova von Pussy Riot
    Nadeschda Tolokonnikova von der Band Pussy Riot: Vergesst nicht, dass es Menschen gibt, die sich der Unterdrückung von Kirche und Staat entgegenstellen - wahrscheinlich haben sie dabei ziemlich Angst und tun es trotzdem
    Ich habe in den letzten Tagen ziemlich viel über die Kategorisierung von Jugendfilmen und deren didaktische Absicht nachgedacht. Ich glaube, eine halbwegs sinnvolle Unterscheidung könnte sein, sie in Filme mit "emanzipatorischem" auf der einen und "unterdrückendem" Konzept auf der anderen Seite einzuteilen.

    Also schnell mal nachschlagen: was ist Emanzipation?

    "Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist [...] ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit, meist durch Kritik an [...] hegemonialen Strukturen, oder auch die Verringerung von seelischer oder ökonomischer Abhängigkeit". 

    Ein emanzipatorischer Film ist also einer, der ermutigt, sich für seine eigene oder die Freiheit und Gleichheit anderer Personen einzusetzen. Ein unterdrückerischer Film ist einer, der Ungleichheit und Unfreiheit gutheisst. Etwas direkter am Thema könnte man auch sagen: ein emanzipatorischer Film (E-Film) stärkt Kinder, ihren eigenen Vorstellungen und Empfindungen zu folgen, auch wenn die Gesellschaft (das sind vor allem auch die eigenen Eltern, also ich) dagegen sind. 

    Bisschen unheimlich, was? Ich will ja grade, dass meine Kinder meiner wohlmeinenden Führung bezüglich Sittsamkeit, Hygiene, Gesundheitsfürsorge und allgemeiner Ethik folgen (schließlich sind meine Vorstellung ja auch richtig, oder). Und jetzt sollen sie sich davon emanzipieren und einem Sumpf aus Unzucht, Schmutz, Drogenkonsum und Rücksichtslosigkeit verfallen?
    Eine Frau von Prinzipien hat klare Vorstellungen von den wünschenswerten Verhaltensweisen und inneren Einstellungen ihrer Nachkommenschaft. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

    Für mich ist das Problem ungeklärt. Ich setze darauf, dass Eltern ihre Kinder sowieso nicht merklich durch Erziehung (im Sinne von Ansporn und Ermahnung) beeinflussen. Anders als mein eigener Vater bin ich aber auch nicht der Meinung, dass sich die Entwicklung von Kindern völlig unbeeinflusst von ihren Eltern vollzieht (das ist der Grund, weshalb sich meine Eltern aus dieser Aufgabe guten Gewissens heraushalten konnten. Das nenne ich gelungene nachträgliche Rationalisierung...).

    Meine eigenen Beobachtungen zu diesem Thema lassen sich im chinesischen Sprichwort "Hast Du den Teufel aus deinem Garten vertrieben, findest du ihn im Garten deines Sohnes wieder" zusammenfassen: Weil Eltern vor allem durch ihr Beispiel erziehen, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Jugendliche gewisse Charakterzüge zeigen, die auch an ihren Eltern zu finden sind (oder, in bewusster Opposition, das genaue Gegenteil). Wird dem Gerechtigkeitsfanatismus des Vaters aus Jugendjahren durch Zeit und Lebenserfahrung die Schärfe genommen, sieht er sich auf einmal mit unbedingter moralischer Rigorosität seiner Nachkommen konfrontiert. 
    Femen-Protest: Religion ist Sklaverei
    Beitrag zur Emanzipation? Oder Einladung zum Voyeurismus? Immerhin haben es Femen-Bild und -Botschaft aus Putins Russland in diesen Blog geschafft

    Ihr könnt Euch vorstellen, wie anstrengend das Leben auf einmal wird, wenn man den Kindern kein schlechtes Beispiel sein will. "Notlügen" in Gegenwart der Kinder fallen komplett weg. Volksbelustigungen wie Arbeit ohne Rechnung oder der kleine Versicherungsbetrug - vergesst es. Schlecht reden über den garstigen Nachbarn? Gewöhnt euch lieber schon einmal daran, auch die andere Seite darzustellen, sonst werden ihr von den Kindern zur Ordnung gerufen, oder - und das ist schlimmer - sie übernehmen all diese fragwürdigen Haltungen und ihr bereut es für immer.

    Bin ein bisschen weg vom Thema Film gekommen: In wie weit können Filme da helfen oder schaden? Indem sie Beispiele von erfolgreicher oder nicht-erfolgreicher Emanzipation geben. Mein Lieblingsbeispiel für einen unterdrückerischen Film ist "Flashdance" (wer sich nicht erinnert: Tanzspektakel aus den Achzigern)
    Schweißerin Alex hat einen ehrbaren Beruf, der im Vergleich zu dem einer Frisörin, Physiotherapeutin oder einer Bäckereifachverkäuferin eben mal nicht grauenhaft unterbezahlt wird. Anstrengend, aber damit könnte sie Mann und Kind ernähren
    Es geht um eine junge, gut aussehende Schlosserin namens Alex. Da sie außerdem noch tanzen kann, setzt sie nun alles daran, aus dem grässlichen Männerberuf, der mit Schmutz, Verantwortung und Anstrengung verbunden ist, in einen rosa Mädchentraum zu wechseln, der schwach entlohnt, aber auch anstrengend ist. Weil man das eben so macht.
    Allerdings glaubt sie, dass Tante und Gesellschaft von ihr erwarten, in sexuell konnotierter Pose auf der Bühne Wet-T-Shirt-Tänze zu veranstalten. Dass hält sie dann auch prompt für ihren eigentlichen Lebenszweck. Schwerindustrie ist ja auch nichts für Mädchen.

    Schlimm ist an diesem Film nicht so sehr, dass Alex lieber posieren als planen will, sondern dass der Film diese Absicht mit einem "Das war doch von vornherein klar"-Nicken dem Zuschauer als einzigen Weg zum Glück verkauft - und das nicht nur für Alex, sondern für alle Mädchen. Schlossern müssen nur die Hässlichen - dann lieber seinen Körper den lüsternen Blicken irgendwelcher geiler Gimpel darbieten.

    Gegenbeispiel eines emanzipatorischen Films? Für mich sticht "Sommer in Orangein dieser Hinsicht aus der Vielzahl guter Jugendfilme heraus. In diesem Film ist die Heldin gleich zweifachem Gruppendruck ausgesetzt - soll sie das selbständige berliner Hippie-Kind sein, um das sich die Mutter nicht kümmern muss? Oder die brave Kleine mit den Zwillingszöpfen, wie die bayrische Landschule nebst Dorf es erwarten? Klar versucht sie es erst einmal mit "beides", wie Kinder es meistens im Grunde versuchen, es allen recht zu machen. Als sich der Konflikt zuspitzt und sich herausstellt, dass Lilli nicht auf ihre soziale Einbettung verzichten kann, klärt sich die Krise: ihre Mutter besinnt sich auf ihre Pflichten und unterstützt die Tochter. Emanzipatorischer Ansatz: mach Dein Ding, auch wenn die Eltern und Deine alte Bezugsgruppe dagegen sind.
    Anders sein macht einsam, aber klug: man hat schon mal Zeit zum Überlegen
    In etwas größerem Rahmen variiert "V wie Vendetta" das selbe Thema: Der Staat hat klare Vorstellungen, wie sich der einzelne sich verhalten soll. Schlimmer noch: diese Vorstellungen sollen bei Strafandrohung bis ins Private verwirklicht werden. Dennoch erklären sich einzelne damit nicht einverstanden, geben dem Unbehagen einer Vielzahl eine Stimme und ermöglichen es den weniger Mutigen, sich einzusetzen, indem sie sich solidarisieren.

    Deshalb mein Nadeschda-Tolokonnikova-Eingangsbild. 
    Eine Menge Jugendlicher denken:
    1. Der Krieg ist ferne Geschichte und nie wieder nach Europa kommen
    2. Totalitäre Unterdrückungsysteme wie Kommunismus und Faschismus sind überwunden 
    3. Dem Staat kann man ohne Bedenken so viel Macht einräumen, wie es nötig ist um eine maximale bürgerliche Sicherheit (gegen Verbrecher) zu erreichen. Schließlich haben wir ja die Politiker gewählt.

    Klar, dass sich uns Friedensdemonstranten und Volkszählungs-Boykottierern da die Fußnägel hochkrempeln, wenn die Kinder es ganz naiv eine gute Idee finden, wenn neben den fast omnipräsenten Kameras in der Innenstadt jetzt auch (unter dem Vorwand 'Maut') der gesamte Verkehr durch Nummernschild-Aufnahmen mit seinem Woher-Wohin überwacht werden soll.
    Jetzt tut mal nicht so, als wäre es mit dem Faschismus für alle Zeiten vorbei. Adolf Hitler kommt nicht wieder, und seine Folkloretruppen NPS, DVU, Die Rechte und PRO sind auch eher Witzfiguren. Aber wenn es mit dem Wohlstand erst mal bergab geht, dann wird der Bürger einem neuen Führer huldigen wollen.

    Und hier noch ein Gedanke zum Thema, den ich meiner Freundin geklaut habe: Noch wird mit ernstem Gesicht beteuert, das diese Daten niemals der Polizei zur Verfügung gestellt werde. Aber wir wissen dass die nächste Gesetzesänderung nur ein Attentat entfernt ist: Ob die Al-Quaida ganz Bremerhafen mit einem Gastanker hochgehen lässt oder ob die NSU-II nach einem Polizistenmord gesucht wird - schnell wird das Interesse an diese Überwachungsdaten unwiderstehlich und die Nicht-Verwendung geradezu unverantwortlich erscheinen. 

    Der freundliche Herr auf dem Bild lebt auch nicht mehr. Unter uns: jeder in Aachen ausgebildete arabische Ingenieur könnte sich ein Attentat ausdenken, bei dem 6000 Menschen zu Tode kommen. Und dann? Wer wird der totalen Überwachung dann noch widersprechen wollen?
    Und wenn die Wirtschaftskrise dann endgültig im Ruf nach dem "starken Mann" mündet und der Faschismus in neuem Gewand marschiert, dann werden wir jede voreilende Ermächtigung an unseren scheinbar unzerstörbar demokratischen Staat bereuen.

    Datenanalyse

    Als zweites werfen wir einmal einen Blick auf die Verteilung von Friendlys Schulnoten: Wie oft gab es welche Note?
    Friendly findet alles toll, wenn er seine Glückspillen eingeworfen hat - warum soll ich mir auch Filme ansehen, von denen ich schon weiß, dass sie mir nicht gefallen werden?
    Positiv herausragend bewertet (und damit eine Art von persönlicher Bestenliste) sind bisher "Unforgiven", "Hotel Ruanda" und "Inception"

    Negativ stachen für mich heraus "Escape Plan", "Percy Jackson" und "Maze Runner". Bitte versteht mich nicht falsch: es gibt bestimmt auf dem weiten Erdenrund noch viel, viel schlechtere Filme als diese Drei - allerdings werden die schon frühzeitig von meinem Radar erfasst und abgewehrt. Ein gewisses Risiko stellen in dieser Hinsicht übrigens Langstreckenflüge dar: verschärfte Langeweile bringt mich dazu, mich auch durch Filme wie "Escape Plan" bis zum Ende durchzuärgern.

    Achja, vielleicht interessiert Euch auch, welche Kritiken auf der ewigen Beliebtestenliste führen? Auf den ersten Plätzen liegen "Three days to kill", gefolgt von "Sommer vorm Balkon" und "Edge of tomorrow". 

    Im Durchschnitt der letzten Woche dagegen führen "Maze Runner", "Gone Girl" und der Dauerbrenner "Three days to kill". Warum zum Teufel ist Kevin Kostner so beliebt?

    Die besten Filmblogs

    Wir alle wollen geliebt werden. Für einen Blog-Autor ist geliebt-werden gelesen-werden. Damit ich meine Leser nicht enttäusche, lese ich regelmäßig (aber erst nachdem ich meine Kritik geschrieben habe) was andere Autoren über den jeweiligen Film geschrieben haben.

    Das versetzt mich jetzt in die Lage, eine Art Meta-Kritik über die mir liebsten Film-Blogs zu verfassen: Dies sind die besten im deutschsprachigen Raum:

    To the lighthouse       Lenas Filmblog ist geradezu das Komplement zu meinem eigenen: Sie sieht lauter abgedrehtes Arthouse-Kino und schreibt so geschmackssicher und kenntnisreich darüber, das ich unter meinen Bekannten inzwischen allen deshalb als gebildet gelte, weil ich die Titel dieser Filme nennen kann...

    Sennhausers Filmblog       aus der Schweiz ist echtes Profi-Erzeugnis eines Profi-Journalisten im Auftrag des Schweizerischen Rundfunks SRF2. Trotzdem ist es gut. Sennhauser liefert auch Videoclips über Filme, allerdings finde ich dieses Format irgendwie sperrig - ich kann halt schneller lesen als gucken. Besonders gefallen mir die "Unverpassbaren" - kleine Kurzkritiken zu ungewöhnlichen und übersehenen Filmen.


    Unrechtschreibung


    Die Rechtschreibung und ich - ein ständiges auf und ab. Beginnend von einem grundschulischen Tief, das mir noch heute so unangenehm ist, dass ich es noch nicht einmal meinem Pseudonym zumuten will, damit in die Öffentlichkeit zu gehen, habe ich mich Jahr um Jahr auf ein Niveau heraufgearbeitet, dass es mir zumindest erlaubt, ohne inneren Widerstand im Betrieb an die Tafel zu treten. Zwischenzeitlich war ich sogar Korrekturleser für ein örtliches Monatsmagazin... sicher eine katastrophale Fehlbesetzung, die das Westdeutsche Pressewesen entscheidend zurückgeworfen hat. Ich habe Artikel direkt in das Setzsystem der Tageszeitung Nummer Eins geschrieben und bin nächtens schweißgebadet aufgewacht, weil mir träumte, ich habe die Überschrift "Willy Brant tod" zu verantworten .... Gut - die Rechtschreibreform hat mich dann wieder zurückgeworfen. Wer versteht eigentlich die ss-ß Regel?

    Eigentlich sollte das Problem mit der automatischen Rechtschreibkorrektur jetzt ja ausgeräumt sein, aber mindestens die eingebaute Korrektur meiner Blog-Software hilft mir da nur unwesentlich. Die Interessen meiner mittlerweile tatsächlich etwas zahlreicher werdenden Leser fest im Blick, werde ich die Texte jetzt in Word (bisher: Textedit) vorschreiben und erst nach rigoroser Kontrolle veröffentlichen, isch schwöre!




    Dienstag, 8. Juli 2014

    Friendlys Jubiläumspost (25)

    Als ich diesen Blog begonnen habe, wollte ich jeden 25. Beitrag zu allgemeinen, filmhistorischen oder einfach küchenpsychologischen Themen schreiben. Damals waren 25 Beiträge eine unerreichbare Anzahl, und nun ist es schon so weit. Bühne frei für Friendlys Jubiläums-Post.
    I am God - Diese junge Frau traut sich was. So gesehen in der Weihnachtsmesse 2013 auf dem Altar des Kölner Doms. Da stellt sich auch die Frage nach Anonymität und Datenschutz nicht mehr in dieser Schärfe

    Bloggen, oder "Wahrscheinlich liest wieder kein Schwein"

    Bemerkenswert finde ich, wie wenig Rückmeldung ich aus der Leserschaft bekomme. Also, ich will mich ja wirklich nicht beschweren, aber von 1426 gelesenen Seiten habe ich ZWEI Kommentare bekommen, und einer davon ist von mir selbst. Was bedeutet das? Ich denke, entweder a) schreibe ich so mainstream und populär, dass keiner sich an meiner Meinung stößt, oder b) so irrelevant, dass selbst denjenigen, die denken, dass ich nicht alle Murmeln in der Tüte habe, es egal ist, oder c) das ist einfach normal, dass nur jeder 2000ste Leser etwas selbst schreibt.

    Generell ist natürlich nicht viel Betrieb auf meiner Seite. Mit 24 Beiträgen kann man Friendlys Blog auch nicht grade als enzyklopädisch bezeichnen. Andere, inhaltlich sehr gute Blogs haben 50-mal soviel Kritiken. Ich habe halbherzig ein wenig SEO betrieben indem ich aus Kurzkommentaren auf meine Seiten verwiesen habe, und das scheint etwas Traffic auf diese Seiten zu bringen, aber das ist mir letztlich nicht so wichtig. Eigentlich würde mir schon ein treuer Leser genügen, der gelegentlich einen Kommentar schreibt.

    Privatheit, oder "Freund liest mit"

    Diese ganze Bloggerei hat mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, im Internet anonym veröffentlichen zu können. Vor allem im Zusammenhang mit der NSA-Affaire höre ich gelegentlich (z.B. von meinen Kindern) etwas in Richtung "ich habe nichts zu verbergen". Meine Kinder vielleicht nicht (obwohl ich auch da Zweifel hege) aber ich habe schon eine Menge zu verbergen. Es ist schon ok, wenn meine Freunde und Kumpels wissen, dass ich mich sehr für Filme interessiere und auch, was ich für Filme liebe, und welche nicht. Kumpels ja - Arbeitgeber: nein. 

    Filmszenen erinnern:

    Ich finde es total normal, dass ich mich an Filmszenen prima erinnern kann, dafür aber nicht weiss, wo Minden liegt. Bei meiner Freundin ist es andersrum. Ich würde gerne wissen, ob es Euch (den Lesern und Film-Afficinados) auch so leicht fällt, aus der hintersten Ecke des Gedächtnisses noch ein obskures Kinski-Zitat (oder die ganze Reihe der "Wer sagt wo zu wem..." Rätselfragen) herauszukramen?  

    Filme bewerten

    Ich habe vor drei Monaten schon einmal geschrieben, dass ich "From Dusk till dawn" in der zweiten Hälfte ziemlich hirnlos (kleiner Kalauer) finde, und das "Inglorious bastards" für mich ein wirklich, wirklich schlechter Film ist. Wie passt das damit zusammen, dass ich "Pulp Fiction" prima finde, "Jacky Brown" liebe und mir die "Kill Bill" Filme schon mehrfach angesehen habe? Ich will hier einmal eine kurze Theorie der Filmästhetik improvisieren.

    Positiv für einen Film sind für mich:

    1. Charaktere, deren Gefühle glaubhaft sind  
    2. Kurzweilige Wendungen im Verlauf des Plots
    3. Hauptpersonen, an deren Schicksal ich Anteil nehme
    4. Schöne Menschen
    5. Ungesehene Bilder
    6. Etwas mindestens zum Schmunzeln, besser zum Lachen
    Zum Thema Filmmusik kann ich leider nichts sagen, weil ich die in den allermeisten Fällen nicht wahrnehme. Von 99% der Filme könnte ich die Titelmusik nicht summen (außer vielleicht vom Krieg der Sterne). Was sind Eure Kriterien für gute Filme? Gibt es Kriterien, die für alle Genres gelten?

    Jugendfilme

    "Warum siehst Du Dir eigentlich ständig Jugendfilme an? Hast Du eine Störung?" wurde ich neulich von einer nicht soo freundlichen Bekannten gefragt. Der Hauptgrund ist natürlich, dass ich mit drei Teenagern zusammenwohne - da bleibt es nicht aus, sich gelegentlich Filme wie "Rollergirl", "Groupies bleiben nicht zum Frühstück" oder "Blue Crush" anzusehen. Zum anderen mag ich "Held/Heldin überwindet Schwierigkeiten"-Filme einfach. Ich bin halt unkompliziert gestrickt...

    FSK

    Ich habe neulich länger über die FSK-Einblendung nachgedacht:

    "Die FSK-Kennzeichnungen erfolgen auf der Grundlage von §§ 12, 14 Jugendschutzgesetz. Sie sind gesetzlich verbindliche Kennzeichen, die von der FSK im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden vorgenommen werden. Die FSK-Kennzeichnungen sind keine pädagogischen Empfehlungen, sondern sollen sicherstellen, dass das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird."

    Was bedeutet dieser verschwurbelte Text? "Sind keine pädagogische Empfehlung" - aber genau darum geht es doch, dass man nicht aus versehen seinen sechsjährigen mit "SAW 7" den Abend verbringen lässt und ihn anschließend vierzehn Tage nach Einbruch der Dunkelheit unter dem Bett herauskehren muss. Oder heißt gesetzlich verbindliche Kennzeichen, dass man den Film keinem Jugendlichen zeigen darf, der das jeweilige FSK-Alter noch nicht erreicht hat? Kommt man dann ins Gefängnis? Wenn ja, wie lange?

    In diesem Sinne,
    Euer Friendly


    P.S.: Natürlich weiß ich, dass es streng genommen nicht 24 Filmkritiken sind, sonder nur 23, weil der erste Post die "Film-Blog-Charta" war. Aber, wie ein ein guter Freund von mir (und Informatiker) zu sagen pflegte: "In einer Welt, in der man mit Eins zu zählen beginnt, möchte ich nicht leben"




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