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Freitag, 11. September 2015

Troja (2004)

„Μῆνιν ἄειδε, θεά, Πηληϊάδεω Ἀχιλῆος οὐλομένην – Singe, Oh Göttin, den Zorn des Achilleus, Peleus Sohn, den Verderben bringenden“. Illias und Odyssee sind DAS grundlegende, größte, einflussreichste und zugleich älteste Werk der epischen Literatur – und das sage ich nicht nur, weil mein Vater diese Verse übersetzen und auswendig auf Griechisch aufsagen konnte (zumindest den Anfang). Sehen wir mal, was Wolfgang Petersen daraus gemacht hat.

"Erzählt man jemals meine Geschichte soll man sagen, ich ging meinen Weg mit Giganten. Menschen vergehen wie des Winters Weizen, doch diese Namen vergehen nie! Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten Hektors, des Pferdebezwingers. Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten Achilles"

Worum geht’s?


Die 15.693 Verse in 24 Gesängen der Illias in zwei Stunden Film zu packen ist sicher nicht leicht, und es ist entschuldbar, wenn Petersen einige Helden und Handlungsstränge gestrichen oder gekürzt hat. Im Grunde geht es um die alte Geschichte: Mann und Frau finden sich klasse, sie ist verheiratet, die beiden brennen durch.

Der verlassene Ehemann holt seinen Bruder, sie nehmen ein paar Dachlatten und rücken dem Neuen auf die Bude. Der ist mittlerweile bei den Verwandten untergekrochen, die ihn jetzt auch nicht hängenlassen wollen. Und weil die drei Paris (Prinz von Troja), Helena, (Tochter des Zeus und der Leda) und Menelaos von Mykene sind, stehen sich bald auf jeder Seite fünfzig- bis hunderttausend Männer mit Schildern und Speeren gegenüber, bereit alles zu töten, was sich wehrt, die Frauen zu vergewaltigen, die Kinder in die Sklaverei zu verkaufen und die Alten verhungern zu lassen. Na Super.
Gerüstet zur Schlacht. Schön war das alles nicht.

Damit der Feldzug auch sicher ein Erfolg wird, hat König Agamemnon, (das ist der erwähnte Bruder des Menelaos) in ganz Griechenland die Fürsten, Kleinkönige und Helden aufgefordert, sich ihm zur Verteidigung der griechische Ehre anzuschließen. Die einen haben es getan, weil sie nichts Besseres zu tun hatten, die anderen aus Ruhmsucht, Achill, der größte Krieger der Hellenen, weil er das Kämpfen so liebt.

"Was haben die Trojaner mir getan?"

"Sie haben Griechenland beleidigt!"

"Ein Trojaner hat EINEN Griechen beleidigt, der seine Frau nicht halten konnte, was kümmert mich das?"

Odysseus (habt ihr mal auf die Karte geschaut, wo die Insel Ithaka liegt? Das ist GANZ AUF DER ANDEREN SEITE von Griechenland (von Troja aus gesehen). Kein Wunder, das Odysseus nicht mitwollte) spielt sogar den Irren, um zuhause bleiben zu können – ein wahrhaft klassisches Beispiel eines schlauen Mannes.

Zur Linken: Rose Byrnes, Darstellerin der Briseis, zur Rechten: Diana Kruger, Darstellerin der Helena. Links Top, rechts Flop


Am Ende sind hinreichend Speere zusammen, und der Angriff auf Troja beginnt mit Plünderei und Brandschatzung. Möglicherweise keine gute Idee war, sich ausgerechnet den Apollon-Tempel dafür auszusuchen und damit den Zorn der Götter heraufzubeschwören.

Unser Held Achill nimmt die hübsche Priesterin Briseis gefangen und erklärt sie (was ich gefunden habe, darf ich auch behalten) zu seiner persönlichen Beute. Weil dem König und Ober-Anführer Agamemnon aber ein eigenes hübsches Beutemädchen von den eigenen Sehern abgesprochen wurde (sonst göttlicher Zorn…) will dieser stattdessen Briseis haben (wozu ist man schließlich der Obermotz).

"Ihr habt euer Schwert, und ich habe meine Tricks" - Odysseus ist nicht der nette Typ, für den ihn alle halten. Bei Palamedes hat er Gold vergraben und einen Brief gefälscht, der ihn als Verräter dastehen lässt. Wahrscheinlich hat er sich auch noch an der Steinigung beteiligt.


Achill rückt Briseis raus, ist aber ZORNIG (und darum geht es schließlich im ganzen Werk). Er streikt, geht zurück aufs Schiff und guckt sich mit seinen nahezu unbesiegbaren Myrmidonen die folgenden Schlachten vom Oberdeck aus an.

Jetzt geht das Kriegsglück etwas hin und her, was man am besten tabellarisch erfasst:


  1. Paris kämpft gegen den Menelaos wobei er überlebt, sich aber blamiert
  1. Hektor erschlägt Menelaos (womit die Geschichte auch schon zu Ende sein könnte, wenn Agamemnon nicht eigentlich hier wäre, um sich Troja zu schnappen, Helena und das Eheglück seines Bruders ist ihm egal)
  1. Hektor erschlägt den Ajax, den zweitgrößten Helden der Griechen (Leute, was ist das denn für ein Ehrentitel „Zweitgrößter Held“?)
  1. Agamemnon geht nach Ajax Tod etwas die Düse (verlieren will er den Krieg jedenfalls nicht). Er gibt dem Achill die Briseis zurück, allerdings leicht beschädigt, weil er sie zuvor seiner Mannschaft zur Vergewaltigung überlassen hatte….
  1. … und Achill ist verständlicherweise immer noch sauer (ZORN) und kämpft immer noch nicht mit.
Die Stellung der Frau im antiken Griechenland ist noch weit verbesserungsfähig: Briseis nachdem Achill sie sich wieder geholt hat.


Hier verlässt der Film die Vorlage drastisch: Bei einem nächtlichen Überfall der Trojaner sieht es für die Griechen eher schlecht aus, bis sich die Myrmidonen von Achill angeführt in die Schlacht werfen. Am meisten darüber erstaunt ist Achill selbst, der die Szene beobachtet. Nachdem Hektor (Immer wieder Hektor! What a man!) den vermeintlichen Achill erschlagen hat, stellt sich heraus, dass ein junger Verwandter des Achill mit dessen Rüstung und Schild die Truppe angeführt hat.

Achill ist jetzt aus neuem Grund ZORNIG (was hilft eigentlich gegen hohen Blutdruck?) und fordert Hektor zum Zweikampf.

Das ist jetzt ganz großes Tennis: Held Hektor und Held Achill mit Schild und Speer im Sand vor den Mauern Trojas, auf den Rängen die gesamte griechische Armee und die gesamte Trojanische Bevölkerung – an vorderster Stelle auf dem monumentalen Tor die schönste der Schönen, Helena, Tochter der Leda.


Achill siegt.


Kein gutes Omen für die Trojaner, aber sie haben ja immer noch die Mauern, und da müssen die Griechen erst einmal hochkommen. Ihr kennt der Trick, und gut dass sie Odysseus, den listenreichen (Οδυσσέας πονηρός) gezwungen haben, mitzukommen. Am Ende fliehen einige Leute und Achill stirbt, den Rest zu erzählen habe ich keine Lust mehr.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Paris und Helena in den Straßen der Stadt. Was den Schirm angeht: Wie ist denn da die Fundlage?

Wie war’s?


Fangen wir einmal mit der ganz großen Schwäche des Films an: Diana Kruger ist Deutsche, spricht fließend Französisch und Englisch, war 1992 „Look oft the year“ und hat sich beim Casting gegen 300 andere Bewerberinnen durchgesetzt. Aber sie ist eine GLATTE FEHLBESETZUNG!

Als schöne Helena ist Kruger ungefähr so überzeugend wie Nicole Kidman als Königin von Saba. Es kann mit ein paar Bauchmuskeln respektive mit einem hinreichenden Hüftschwung nicht so schwer sein, einen antiken Helden darzustellen (siehe Brad Pitt als Achill) oder ein antike Priesterin (siehe Rose Byrne als Briseis), aber Kruger ist als Helena nur die Statue einer Hollywoodschönheit in antiker Kulisse. Wenn sie sich wenigstens einmal bewegen würde! Oder Mimik zeigen würde! (ich meine außer „erschreckt gucken“) Die hat mir beim ersten Sehen (eines Ausschnittes, kam im Fernsehen) fast den ganzen Film vermiest.
Jajaja, schön isse schon, die Helena. Da kann ich auch nichts sagen. Nur ist sie keine Griechin. Und keine Schauspielerin.

Alle anderen leisten ihren Teil brav ab. Paris ist ein bisschen arg milchbubihaft; aber irgendwo musste es bei den Trojanern ja auch Milchbubis geben, also warum nicht. Achill: Top (der Mann hat etwas Zeit beim Bankdrücken verbracht), Hektor: akzeptabel, Odysseus: Glaubhaft.

Generell leidet die Charakterzeichnung (außer bei Achill, Agamemnon und Odysseus) etwas unter der Überfülle des Stoffes und der Notwendigkeit, die vielen Kampfszenen und Zweikämpfe unterzubringen. Immerhin hat der Regisseur der Versuchung wiederstanden, die Dialoge mit amerikanischem Schmalz einzubuttern, was mir schon einmal sehr gut gefällt.

Im Ganzen ist alles spannend, es ist viel los, die Kinder verstehen die Grundzüge der Illias und lernen den Unterschied zwischen Helden, Feiglingen und klugen Leuten kennen (hoffen wir, dass unsere alle zu den Klugen gehören). Ob sie je die Dichtung im Original lesen werden wie mein Vater ist zweifelhaft, aber man weiß ja nie.


Friendlys Schulnote: Eine ZWEI, das Plus ist verpasst wegen der erzwungen unterirdischen Darstellung der Helena und dem wüsten Gewimmel am Schluss. FSK-12, ich denke man kann den Film ab 10 Jahren sehen. Wüste Kampfszenen sind nicht enthalten, und die Bettgeschichten werden nicht so weit ausgewalzt, dass es Kinder stört. Ich fand’s sehenswert.


Freitag, 16. Januar 2015

Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Ich habe noch nie einen so unspektakulären und zugleich so überzeugenden Film gesehen. Ihr wisst, dass ich ein Freund von Verfolgungsjagden, Raumschlachten und Action jeder Art bin (muss unbedingt meine Rezension von „Bloodsport“ fertigschreiben). Trotzdem hat mich „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ von der ersten Minute an überzeugt.
Wer möchte nicht mit dem jungen Brad Pitt befreundet sein? Lügner!

Wie war’s?


Intensiv. Und das trotz schwieriger Umstände: Ich hatte mich erst mal eine Weile damit herumgeärgert, den Film von einer Streaming-Plattform zu laden, hatte gefühlte zwanzig Chat-Angebote von „GeileMutti24“ (mit Bildern – kann man seine Kinder überhaupt nicht mehr an den Rechner lassen?) weggeklickt um endlich eine verdächtig unstabile Version des Films auf dem Bildschirm zu sehen.

(An die geschätzten Kollegen der Nordrhein-Westfälischen Strafverfolgungsbehörden: ich habe ernsthaft versucht, den Film legal auszuleihen. Gab‘s aber nicht auf iTunes. Ist der jetzt ab 18 oder was?)
Wenn ich es richtig verstanden habe, muss man die Fliege am Haken mehrmals eng über der Wasseroberfläche hin und her schwingen, damit die Fische das Insekt für echt halten. Wenn man es kann, sieht es recht kunstvoll aus.

Der Film erzählt eine Familiengeschichte in Montana. Wunderschöne Gegend, die ganze Familie betreibt einen optisch ansprechenden Sport des Fliegenfischens (wusste vor dem Film auch nicht, was die Leute daran finden, aber das Auswerfen der Schnur ist ästhetisch ausgesprochen befriedigend).

Das Setting der 10er Jahre: Der Prediger-Vater ist insofern progressiv als er seine beiden Söhne nicht schlägt – und insofern konservativ, dass er sie zuhause unterrichtet, und zwar nur im Lesen und Schreiben. Da reicht es dann nur zu Berufen als Literaturdozent (älterer Bruder Norman) und Journalist (jüngerer Bruder Paul, gespielt von Brad Pitt). Hoffentlich können sie wenigstens ihren Lohn zählen.

Der Rassissmus ist allgegenwärtig: Selbst im verbotenen Speakeasy wollen sie Pauls Freundin nichts servieren, weil sie eine Indianerin sei. Sie zeigt ihnen, dass sie sich trotzdem mehr amüsiere als die anderen Gäste. Hoch die Tassen!
Die Leben der Brüder laufen auseinander: Norman studiert, Paul wird Reporter. Norman wird Dozent, Paul beginnt zu trinken und zu pokern. Die goldenen 20er bringen den Charleston und die Speakeasy-Kneipen auch nach Montana (und sogar Mädchen aus Kalifornien). Norman verlobt sich, Paul geht mit den wilden Mädchen aus.
Norman verlobt sich mit seiner kalifornischen Schönheit. Der Film endet hier, aber dass das nicht gut gehen wird, sieht ein Blinder mit dem Krückstock.
Norman versucht zögerlich seinem Bruder zu helfen, redet ihm ins Gewissen und bietet ihm Geld an – aber Paul ist zu stolz, sogar zu stolz, überhaupt zuzugeben, dass er ein Problem hat.
„Es sind Schulden, aber es sind meine Schulden. Verstehst Du: es sind meine Schulden“
Der letzte gemeinsame Ausflug zum Fischen steht unter keinem guten Omen: Paul kommt zu spät, (und das ist das einzige, was man in Montana nicht tun darf: sich zum Angeln verspäten). Der Vater fischt nicht mehr, sondern sieht lieber seinen Söhnen zu und liest in der Bibel. Am nächsten Morgen ist Paul tot, mit einem Revolvergriff vor der Pokerspelunke zu Tode geprügelt.

Wie war’s?


Ruhig. Und gut. Und ich habe ein romantisches Angebot von meiner Freundin bekommen: sie möchte sich mit mir beide Kill-Bill-Filme hintereinander ansehen. Wie nett! Zum Film: Es beruhigt schon beim Zusehen, wenn Paul und Norman ihre Köder in weiten Schwüngen über den Black Foot River fliegen lassen. Die Darstellung der drei Zeitebenen (als Kind, als Jugendlicher, als junger Erwachsener) wirkt auf mich wie drei Dioramen, die einen faszinierenden Einblick in das ländliche Amerika (hier ausnahmsweise im guten Sinne des Wortes) geben. 
Sie war die Schönheitskönigin der Stadt. Damals ist sie stehend auf dem Pferd durch die Menge geritten, dass ihre Röcke nur so flogen - deshalb hat man sie gewählt. In ihrem neuen Job ist ein Hosenrock eher hinderlich.

Nicht zu vergessen: der jugendliche, auf wirklich unnachahmliche Weise sympathisch grinsende Brad Pitt hat hier einen Auftritt, der sogar mit der beeindruckenden Landschaft Montanas konkurriert. (Das Brad in diesem Film mit bloßem Oberkörper zu sehen sei ist übrigens ein Gerücht. Er hat immer noch ein A-Shirt an.)

Friendlys Schulnote: Eine ZWEI-PLUS, FSK-12, ich empfehle den Film auch ab 12 Jahren. Tendenziell empfinden Kinder den Film aber als ‚alt‘ und unlustig.

Rätselfrage: Ein Country-Duo singt die Titelmusik einer aktuellen Serie. Wie heißt der Song?

Antwort der letzten Frage: „Jesus? Ist für mich gestorben“ kommt im Buch „Das Känguru-Manifest vor. (Nicht grade ein Geheimtipp – ist auf der Spiegel-Bestsellerliste).





Sonntag, 11. Januar 2015

Herz aus Stahl - Fury

Der Film beginnt mit einem Bajonett-Stoß ins Gesicht. Die Szene habe ich glücklicherweise verpasst (war Cola und Bier holen). Aber eines wurde recht schnell klar: Der Film ist zu hart, viel zu hart.
"Machine" Norman liest Emma aus der Hand: "Du wirst nur eine große Liebe in deinem Leben haben". Dann wird sie vergewaltigt und eine halbe Stunde später ist sie tot. Nasuper.

Worum geht’s?


Brad Pitt als Don „Wardaddy“ Colier fahrt Panzer. Ihm zur Seite stehen vier junge Männer, ein Christ, ein dicker Mexikaner, ein ekelhaftes Arschloch mit viel Muskel und Norman, ein Junge, der jetzt doch schon seit sechs Wochen am Krieg teilnimmt.

Dieser junge Soldat, der eigentlich in die Etappe gehört und dessen besondere Fähigkeit darin besteht, 60 Worte pro Minute auf der Schreibmaschine zu tippen, wird auf Linie gebracht, indem mit der Pistole in seiner Hand ein Gefangener erschossen wird – klares Kriegsverbrechen des Panzerkommandanten Don. Dann wird erst einmal gekämpft: Die Deutschen greifen den Konvoi mit Panzerfäusten an.

Brad Pitt wie wir ihn sehen. Kriegsheld, Vater des Platoons, moralisches Vorbild.
Nach bestandenem Scharmützel (ein Panzer weg, drei deutsche Kindersoldaten liegen tot in der Böschung) ziehen die Soldaten in ein Dorf ein. Wieder ein Kriegsverbrechen als Don einen deutschen Offizier mit der Maschinenpistole tötet, der (Aussage des Bürgermeisters) für das Hängen von jugendlichen Deserteuren verantwortlich sein soll.

Tja, und dann wird es wirklich ekelig: während auf den Straßen schon die „Verbrüderung“ der amerikanischen Befreier vor allem mit der lokalen Damenwelt stattfindet, dringen Don und Norman in eine Wohnung ein, bedrohen die Bewohnerin, ziehen eine versteckte Jugendliche unter dem Bett hervor und lassen sich in einer Atmosphäre der Gewalt und Drohung von den beiden Frauen bewirten. Don schickt die jugendliche Emma und seinen jungen Schützen Norman zum Beischlaf ins Nebenzimmer und Emma fügt sich.
"Norman, geh mit ihr nach drüben. Sonst werde ich es tun."
Habe ich gesagt, es werde ekelig? Regisseur David Ayer legt noch einen drauf: die restliche Panzerbesatzung kommt in die Wohnung und quält die beiden Frauen – sie wollen auch, was Norman hatte. Als Höhepunkt leckt Panzerlader „Rattenarsch“ über die Spiegleier der jungen Emma um jede Spur bürgerlichen Friedens am Tisch zu vernichten. „Wardaddy“ hält die Situation nur so eben grade unter Kontrolle.

Mörserbeschuss: Es gibt keine Zeit zur Verabschiedung. Die Besatzung klettert in die Panzer, es wird gekämpft, das Haus der beiden Frauen stürzt ein, sie sind tot, die Amis rücken ab.

Es folgt ein Panzerduell von fünf Shermans mit einem deutschen Tiger. Panzer „Fury“ bleibt als einziger unbeschädigt und gibt dem „Tiger“ den entscheidenden Schuss, der den Innenraum in Flammen setzt und die Besatzung brennend flüchten lässt, bis sie dann doch mit Handwaffen erschossen werden. (Das ist wirklich recht spannend – also das Panzergefecht, nicht das Verbrennen).
Was Brad Pitt vom Panzer sieht: "Sie sind alle Feinde. Sobald sich einer komisch bewegt, feuert ihr."
Im Camp bekommt die Mannschaft den Auftrag, die Kreuzung zu bewachen, die eine Umgehung der Frontlinie und direkten Zugang zu einer Nachschubeinheit der Alliierten ermöglicht. Ziemlich genau auf der Kreuzung macht eine Miene den Panzer fahrunfähig: ein Rückzug vor den tatsächlich nahenden 300 Deutschen ist nur mehr ohne zu Fuß möglich. Irrationalerweise (und vielleicht ist das ja Heldenmut) beschließen die Männer, die Kreuzung mit ihrem defekten Panzer zu verteidigen. Sie legen einen Hinterhalt, kämpfen eine halbe Stunde herum, alle außer Norman sterben, aus. Die Deutschen sind auch überwiegend tot.

Wie war’s?


Hart, zu hart. Zumindest für’s Kino. Vielleicht sehe ich mir das Ganze noch einmal auf meinem Beamer an, aber im Kino hat mich das zu sehr mitgenommen. All die Kriegsverbrechen, Panzer, die über plattgedrückte Leichen im Matsch fahren, die Lastwagen mit Leichenteilen, brennende Menschen… nicht zu vergessen: Drohung mit sexueller Gewalt, Ekelhaftigkeit aller Orten.

Der Film ist für mich, was mein letztes Curry für meinen Sohn war - „So scharf, dass man eigentlich gar nichts mehr schmeckt“: So grauenhaft, dass ich nicht sagen kann, ob der Film gut oder schlecht ist.

Der Film wirft in seinem dokumentarischen Ansatz ein paar Fragen auf. Zum Thema „wie ist denn da die Fundlage“ habe ich bemerkt:

  • Schießen die Maschinengewehre der Panzer wirklich mit Leuchtspurgeschossen? Das sieht zwar nett aus (wie Laserstrahlen), kommt aber hier erstmals im Film vor.
  • Machen zwei Stielgranaten, die in einem Panzer explodieren wirklich so geringen Schaden? Die Leichen waren noch intakt, die Taschentücher noch gefaltet, kein Kratzer im Lack – kann das sein?
  • Ist es realistisch, dass sich die keusche jugendliche Emma dem ersten besten klavierspielenden Amerikaner ihrer Altersklasse hingibt, den sie erst zwanzig Minuten kennt?
  • Die Tageszeit vergeht seltsam in diesem Film. Der Panzer verliert im Hellen seine Kette, man kann die anrückende SS schon singen hören und plötzlich wird im Dunklen gekämpft. Im April?
  • Waren Gefangenenerschießungen so üblich, dass sie an einem Tag zweimal vorkamen?
  • Weshalb tragen die deutschen Soldaten ihre Panzerfäuste zunächst beim Marsch auf dem Rücken, müssen sie dann aber im Gefecht aus einer Kiste entnehmen?
  • Zur Taktik: warum behindern sich die Panzerfahrer selbst, indem sie Rauchgranaten werfen, so dass sie die angreifenden deutschen Infanteristen nicht mehr kommen sehen? Warum lagern sie die Munition außerhalb des Panzers, so dass sie im Gefecht herauskrabbeln müssen?
"Machine" Norman bevor er den ersten Menschen erschossen hat. Ein freundlicher junger Mann, kann alphabetisieren. So sollte es bleiben.
Naja. Ich will nicht kleinlich sein, aber hier häuft es sich schon - als sei die Story an sich nicht schon spannend genug. Im Ganzen sind die Anachronismen und Brüche aber nicht so schlimm, dass der Zuschauer komplett aus dem Geschehen getrieben wird (wie es zum Beispiel bei „Maze“ der Fall ist).

Aber: es ist kein schlechter Film. Die Charakterexposition (von einer Entwicklung kann man nicht sprechen, dafür ist neben den vielen Schlachten keine Zeit mehr) ist stimmig. Brad spielt gut. Der Panzer ist zugleich schützendes Gehäuse und klaustrophobische Bedrohung (was etwas an „das Boot“ erinnert).

Allerdings nimmt der Film eine seltsam neutrale Position zu Gewaltexzessen und Kriegsverbrechen ein. Wie steht es um die Erschießung von Gefangenen? Wie um Kriegsvergewaltigungen? Was ist mit den Leichenschändungen? David Ayer stellt diese Akte zwar nicht als Obszönitäten aus oder rechtfertigt sie gar - sie geschehen gewissermaßen beiläufig, so als seien sie eben unvermeidbare Begleiterscheinungen und weiter nicht der Rede wert. Sind wir schon darüber hinweg, und über Unrecht und Gemeinheit Gedanken zu machen?
Dieser Mann ist ernsthaft gestört und böse. Lader "Rattenarsch" kann es sich leisten. Er ist der stärkste der Mannschaft. Ich möchte ihn nicht kennenlernen.
Für mich hat der Film auch darunter gelitten, dass ich Schwierigkeiten hatte, ihn von „Inglorious Bastards“ zu trennen – ebenfalls ein Kriegsfilm mit Brat Pitt in der Hauptrolle (kann der eigentlich auch anders?) und einer der schlechtesten Filme, die ich in meinem Leben gesehen habe. Das sollte ich diesem Film natürlich nicht zu Vorwurf machen, er ist schon (mit allen Einschränkungen, die ich aufgezählt habe), gut. (Eigentlich muss er tief drunten sogar ein sehr, sehr guter Film sein, wenn er all das, was ich aufgezählt habe, überlebt und mir trotzdem noch gefallen hat)

Und nicht zuletzt ist der Film einfach sehr, sehr spannend!

Friendlys Schulnote: eine ZWEI. Zu brutal, zu unlogisch, moralisch fragwürdig und ohne klare Position für eine bessere Bewertung. Der Regisseur hat sein Talent verschwendet. 

Alicia von Rittberg als Emma war gut (deutsche Schauspielerin, ist in kleineren Rollen mit (Urghhh…) Veronika Ferres aufgetreten). FSK-16, meine Empfehlung: wegen der extremen Brutalität, der moralisch fragwürdigen Position und der Allgegenwart der Gemeinheit nicht unter 16 Jahren zu empfehlen.

Rätselfrage: Wie heißt der Hauptmann von Daeneris Armee der „Unbefleckten“?

Antwort der letzten Frage: Bluegrass kommt im belgischen Melodram „The broken circle“ vor. Ein tief bewegender Film über eine junge Familie, die ihr Kind an den Krebs verlieren. Besondere Anerkennung diesmal an meine liebe Freundin, die als einzige mit der richtigen Lösung kam!

P.S.: Ok, es war auch nicht mein Tag. Alles ging schief, und „Herz aus Stahl“ war dann vielleicht nicht der Upper, den ich gebraucht hätte…

P.P.S.: Und jetzt kommt mir nicht mit "Das war doch keine Vergewaltigung, sie wollte es doch..". Es ist offensichtlich, dass Don es darauf anlegte, den Willen der Frauen durch die bedrohliche Atmosphäre zu brechen und sie in eine Situation zu bringen, in denen die Vergewaltigung ihnen das kleine Übel im Vergleich zu einer "Vergewaltigung plus verprügelt werden" zu sein scheint.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

The Hurt Locker / Fight Club / Einer flog übers Kuckucksnest

Freunde der Kunst, heute probiere ich mal etwas Neues aus: Es erwarten Euch drei Kurzkritiken zu Filmen, die ich nicht soooo beeindruckend fand - ich kann sie also weder heiß empfehlen noch schaudernd davor warnen, aber sie sind auch nicht so mittelmäßig, dass es sich nicht lohnen würde, ein paar Wort darüber zu verlieren. Ich denke, dass werde ich von Zeit zu Zeit (immer, wenn sich etwas angesammelt hat) wiederholen. Los geht's:
Da zieht man vorsichtig an einem Kabel, und dann das! Was aussieht wie staubiges Leergut sind mit Explosivstoffen gefüllte Artelleriegranatenhülsen. Da hilft der Splitterschutzmantel auch nicht mehr viel. "If you see me running, you'll better join!"

The Hurt Locker

Ein Spezialkommando räumt im Irak des Jahres 2004 Mienen und Sprengfallen weg. Damit ist schon alles gesagt, mehr passiert im Film nicht wirklich. Trotzdem ist er aber verteufelt spannend – die ständige Bedrohung und das Misstrauen gegen Alles und Jeden, besonders aber gegen alle Iraker, hält die Männer des Bombenräumkommandos und die Zuschauer auf den Zehenspitzen. Gut, drum herum gibt es noch eine Spur von Story: a) der neue Anführer ist kein Teamplayer und bringt durch seine Eigenmächtigkeiten seine Männer in Gefahr, b) irakische Kollaborateure werden getötet und die GIs fühlen sich verantwortlich, c) einer der Soldaten erkennt in der Heimat, dass er ohne den Krieg nicht mehr leben kann und geht zurück in den Irak.

Regisseurin des Films ist Katheryn Bigelow (auch von Zero DarkThirty). FSK-16, ich denke, dass ab 13 angemessener ist – manche Mädchen werden aber nicht so viel Interesse am Film finden, weil die zwischenmenschliche Interaktion eher sparsam dosiert ist. Friendlys Schulnote: eine ZWEI
Brad Pitt und die Jungs, mit nacktem Oberkörper: immer ein erhebender Anblick.

Fight Club

Brad Pitt ist das anarchisch-böse Alter Ego eines Automobilwerk-Angestellten. Zu zweit gründen sie den Untergrund-„Fight Club“, in dem sich alle, vom Punk bis zum Großbürger, mal so richtig gegenseitig auf die Mappe hauen können. Hat man einmal angefangen mit dem Anarchismus, beginnt es auch richtig Spaß zu machen: Er erpresst seinen Arbeitgeber, gründet eine Erweckungslehre – am Ende steht subversiver Terrorismus, der die Revolution einleiten soll. Nett rätselhaft, irgendwie auch spannend, aber für mich zu fantastisch und streckenweise nicht verständlich. Für die verrätselte Leistung von mir nur eine DREI. 

FSK-18 ist total lächerlich: den Film kann man durchaus mit 14 sehen.
Schwester Ratchet kann auch lachen. Es ist schlimm, dass sogar die Schlimmsten noch ihre guten Seiten haben.

Einer flog übers Kuckucksnest

Schwester Ratched und Billyboy – es fällt mir ziemlich schwer, diesen Film nicht mit einer Theateraufführung zu vermengen, in der mein Freund Jochen den Billy – und zwar ziemlich gut - gespielt hat. Die Story ist einfach: Jack Nicholson ist der extrem-extrovertierte Dropout, den seine Bereitschaft für Schlägereien und Ärger jeder Art in den Knast gebracht hat. Da will er raus, und die wollen ihn auch nicht haben - also warum nicht den Irren spielen, so schwer kann das doch nicht sein? In der Anstalt trifft Jack auf Schwester Ratched, unerbittliche Propaganistin der Klinikordnung und Feind jeder individuellen Abweichung. Es beginnt das Ringen der Titanen: in der linken Ecke die Oberschwester, allmächtige Erteilerin von Erlaubnissen und Einschränkungen. In der rechten Ecke: Jack-from-the-Box, manisch-anarchistischer Irrwisch – einzige Schwäche: ist eingewiesen und darf das Irrenhaus nicht verlassen. Am Ende ist Billy tot.

Der Film kritisiert hierarchischer Herrschaftsverhältnisse am Prototyp Irrenhaus. Er liefert starke Charaktere, die (wie Schwester Ratched) sprichwörtlich geworden sind. Jack Nicholson spielt brillant.


FSK-12 ist völlig ok. Friendlys Schulnote: Eine ZWEI wegen leichter Alterungserscheinungen

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