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Donnerstag, 1. Oktober 2015

Everest (2015)

Da habe ich es mir aber so richtig gegeben: Multiplexkino, großer Saal, optimaler Platz Mitte-Mitte (aber nicht direkt hinter dem Quergang) und das alles in 3D. Ich wollte es nicht zuletzt meiner Liebsten angenehm machen, die im Allgemeinen nicht so auf Überwältigungskino wie "Everest" steht. Um sie überhaupt ins Kino zu überreden habe ich trickreich genutzt, dass Frauenschwarm Gyllenhaal und Keira Knightley (grandios in "Kick it like Beckham", gut in "Imitation Game") mitspielen (und habe im dunklen gelassen, dass zumindest Jake temperaturbedingt überwiegend bis zur Nasenspitze in einem doppelt wattierten Daunenoverall steckt)
Gyllenhaal, diesmal mit Bart. Nimmt ihm ein bisschen von seinem Lausbubencharm, finde ich.

Ich war aber auch perfekt vorbereitet: Ich hatte 1996 den Geo-Artikel zur Katastrophe am Everest gelesen, hatte mir dann „In eisigen Höhen“ von Jon Krakauer (der an der Expedition als Reporter teilgenommen hatte) und anschließend „Der Gipfel“ von Anatoli Boukrejev (der ebenfalls dabei war) gekauft. Ich bin sogar in den Alpenverein eingetreten – alles führte also logisch auf diesen Film hin, und als ich mich in den orangenen Plüschsessel sinken ließ, war ich mehr als bereit, alles prima zu finden, was ich sehen würde.


"Why did you want to climb Mount Everest?" - "Because it is there." (George Mallory, 1923)

Das hat leider nicht funktioniert. 

Der Film hatte alle Möglichkeiten, und hat aus allen nichts gemacht. Das große Bergdrama mit elf Toten, mit schicksalhaften Wendungen, wahren Helden, tragischen Fehlern, menschlicher Schwäche, dem Zorn Gottes und mit Liebesszenen, die direkt aus Exupérys „Nachtflug“ entnommen sein könnten, und ja, sogar mit der Auferstehung der Toten, hätte auf viele verschiedene Weisen ein großartiger Film sein können, so wie es auch ein großartige Geschichte ist.

Links: Hillary, links: Tenzing, die beiden Erstbesteiger des Everest. Die beiden sind nicht nur hervorragende Bergsteiger sondern auch lebenslang überragende Beispiele von Fairness und Redlichkeit

Verschenkt. Stattdessen hat Baltasar Kormákur ein blutleeres Kammerspiel von im Wesentlichen herumstehenden Bergsteigern im Kunstschneegestöber gedreht. Auf einmal sind es nur die Bergsteiger zweier Anglo-Amerikanischer Teams, die gezeigt werden – das Indische, das Japanische, das Taiwanische Team kommen nicht vor, obwohl sie nicht nur anwesend waren und ihre Bergsteiger erfroren und abgestürzt sind, sondern sie auch maßgeblichen Einfluss auf das Geschehen hatten.
"Hier stehe ich nun, seit Erdenbestehen der erste Mensch auf diesem Fleck, am Ziel meiner Wünsche. Ich bin mir der Bedeutung des Augenblicks nicht bewusst, fühle auch nichts von Siegesfreude, [...] ich bin nur froh, dass ich heroben bin und all diese Strapazen vorläufig ein Ende haben. Ich bin völlig fertig." (Hermann Buhl auf dem Nanga Parbat, 1953)

Überhaupt windet sich der Film so offensichtlich um die Frage: „Wer ist Schuld“ herum, dass er schon wieder selbst schuldig wird, und zwar der Feigheit.


DAS ist der Hillary-Step. Sieht harmlos aus, liegt aber auf 8730 Meter Höhe, wo die Luft dann auch nur ein Drittel so dicht ist wie auf Meereshöhe. Da wird schon eine Treppe zur Herausforderung
Wie ist es denn nun? Ist Boukreev der team-unfähige Egozentriker, der seine Kunden im Stich lässt (weil er ohne Sauerstoff klettert und vor den  Kundenabsteigt)? Oder ist er der selbstlose Held, moralisches Role-Model und Über-Bergsteiger, weil er in das nächtliche White-Out des Schneesturms herausgeht und, die eigene Gefahr nicht achtend, drei Menschen rettet, wo die anderen im Camp sich zitternd weigern, das Zelt zu verlassen?


Nein, das ist kein Tanga, was der Herr in der Mitte in die Höhe reckt. Auf dem Gipfel zu stehen, erzeugt bei niedrigeren Bergen Euphorie, auf 8000ern sind die Bergsteiger meist zu entkräftet um sich zu freuen.
Ist Robert Hall der fürsorgliche Straßenkehrer, der hinter dem letzten seiner Kunden geht, um sicherzugehen, dass auch alle den Weg nach unten schaffen? Oder ist er der profitgierige Hasardeur, der alle Zahler auf den Gipfel bringen will, damit in der nächsten Saison die Kasse klingelt, selbst wenn es schon zwei Stunden nach der letzten sicheren Umkehrzeit ist?

Josh Brolin spielt Beck Weathers, den kletternden Pathologe aus Texas. Als Bergsteiger war er bestenfalls mittelmäßig (und das heißt: 1000mal besser als ich). Er verlor einen Arm, eine Hand und seine Nase. Die Fotos davon sind zu grauenhaft, um sie in diesem Blog zu zeigen

Wer hat die Fixseile nicht verlegt? Wer hat die Sauerstoffflaschen leer gemacht? Wer hat wen für tot gehalten und liegengelassen? Viele Fragen, und sie werden alle nicht gestellt.

Das ist schon schlimm genug, aber leider verfehlt der Film nicht nur dramaturgisch das Klassenziel bei weitem. Auch optisch ist der Everest so offensichtlich in Südtirol beheimatet, dass es streckenweise schmerzt. Ich hätte mir auch eine etwas näher am original orientierte Darstellung insbesondere des Hillary Steps gewünscht. Besonders dort kam Kormákurs miniaturenhafte Sicht auf das Geschehen deutlich: zwei Mann, ein Seil, ein Schneehügel, statt wie es zuverlässig dokumentiert ist, -zig Leute, die sich zwei Stunden bei -25 Grad vor einem 12-Meter-Hang die Beine in den Bauch stehen.

Oben: Mallory, unten: Irvine. Diese beiden gutaussehenden Männer hatten 1921 bis 1924 die ersten ernstzunehmenden Versuche der Besteigung des Everest (über die schwierigere Nordroute) unternommen. Sie sind beide auf dem Berg geblieben, Mallory wurde erst 1999 gefunden. 

Ich habe lange versucht, in der Verzwergung der großen Geschehen etwas Positives zu finden und die Motivation des Regisseurs zu verstehen. Erst heute habe ich gelesen, dass Kormákur das Drehbuch im Wesentlichen basierend auf dem Funkverkehr zwischen den Bergsteigern und dem Basislager (plus des Erlebnisberichts von Beck Weathers) hat schreiben lassen. Das große Drama, das Krakauer und Bokejeev schildern konnten, blieben unberücksichtigt weil Krakauer die Filmrechte seines Buches bereits an Sony verkauft hatte – und die waren dort wohl zu teuer. Tja. Ein Film, dem seine Story zu teuer ist. Nicht schön. 

Friendlys Schulnote: Hätte eine Eins werden können, ist aber eine Drei. Nicht wirklich schlecht, aber auch keineswegs gut. Und leider auch ein Schandfleck im Lebenslauf des Regisseurs: Was hätte er daraus Großes machen können.


"I look back on tremendous efforts & exhaustion & dismal looking out of a tent door on to a dismal world of snow and vanishing hopes - & yet, & yet, & yet there have been a good many things to set the other side" (Mallory)

P.S.: Alle meine sorgfältigen Vorbereitungen für den optimalen Filmgenuss sind übrigens ins Leere gelaufen: an der Kinokasse habe ich unsere Karten lange vor der Vorstellung gekauft, und die haben mir Karten für die Fünf-Uhr-Vorstellung (statt für acht) gegeben!!! Wir mussten dreimal im Saal umziehen - Grrr. 

P.P.S: Mallory inspirierte E.M. Forster zur Gestalt des George Emmerson in "Room with a view" (Deutsch: Zimmer mit Aussicht), erschienen 1908. Ich kenne den Roman auch nur in der ausgesprochen gelungenen 1985er Verfilmung mit Helena Bonham Carter als jugendliche Lucy. Bonham Carter kennen wir natürlich alle als böse Bellatrix Lestrange aus den Harry-Potter-Filmen

Anatoli Boukreev als Held. Interessanterweise ist es extrem schwer, ein Foto zu finden, auf dem er nicht niedergeschlagen aussieht

Freitag, 10. Juli 2015

End of Watch

„Sag mal, fühlst du dich eigentlich als Held?“ fragt Officer Jake seinen Kollegen Michael. Gestern hatten sie drei Kinder aus einem brennenden Haus geholt, gekotzt, vorübergehend das Augenlicht verloren und ihnen war eine Tapferkeitsmedallie verliehen worden. „Nein. Wie sich das wohl anfühlen würde?“ antwortet der Partner. So bodenständig, vernünftig und grundgut sind die Cops den ganzen Film hindurch. Das ist gleichzeitig gut und schlecht. 

Die beiden haben gut Lachen: Ihre Frauen lieben sie, der Job macht Spaß und sie sind die Guten
„End of watch“ ist zum großen Teil mit der (vorgeblichen) Hand- und Schulterkamera gedreht worden. Der Found-Footage-Look, das Herumblödeln vor der Kamera und die Metaebene des „Filmst du mich? Mach das Ding aus!“ fügen sich aber nahtlos in Sequenzen in Kinoqualität ein – schwer zu sagen, wo das eine endet und das andere beginnt, zumal im Film auch ziemlich viel passiert.

Worum geht’s?


Jake und Michael sind, was Deeskalation angeht,  nicht grade Toto und Harry und das LA der 10er Jahre ist nicht das Ruhrgebiet, aber die beiden tun ihren Job nach Kräften. Sicher: Rassismus (Weißbrötchen gegen Mexikaner, Mexikaner gegen Schwarze, Schwarze gegen Fitschis) und Gewalt sind überall, auch bei den Bullen. 

Na gut - dann ist da noch sinnlose Aggression, Lebensgefahr, Irre Drogies mit Knarren aber ohne Hirn. Das ist Berufsrisiko.

Korrektheit im Verhalten ist schwer beizubehalten gegenüber Leuten, die ihre Kinder mit Klebeband in der Abstellkammer knebeln um einen ruhigen Nachmittag zu haben. Wenn man grade noch die Pistole wegschlagen kann, mit dem einen der Fahrer des angehaltenen Pickups ins Gesicht schießen wollte, neigt man zu Überreaktionen. Dafür, und nach den Maßstäben eines Amerikas, in dem die Schusswaffe in Bürgerhand nicht grade zur allgemeinen Befriedung beiträgt, machen die beiden es wirklich gut.

Der unscharfe Herr Rechts ist der schlaue Cop, der freundliche Kleine links ist der gute Cop: beides Helden

Und nicht nur im Beruf sind Jake und Michael Männer mit mehr Höhen als Tiefen. Dauerehe mit der Highschool-Freundin auf der einen, „was Ernsthaftes“ mit der Studentin auf der anderen Seite, das freut die Mama.

If you run away I will chase you. If you fight me I will fight back. If you shoot at me I will shoot back. By law I am unable to walk away.

Weniger freut die Freundin, dass der Job doch wirklich manchmal sehr, sehr gefährlich ist. Die beiden Superpolizisten retten drei Kinder vor den Flammen, und dafür bekommen sie zuhause noch Vorwürfe: „Leben leichtfertig aufs Spiel setzen, habe fremde Kinder wohl lieber als das eigene“ – so ein Quatsch!

Das ist nun wirklich unschön. Der Officer lebt, wird aber wohl keine Karriere mehr im Außendienst machen. Der riesenhafte Täter prügelt etwas weiter hinten noch rhythmisch auf das Gesicht der Polizei-Praktikantin ein, die heute ihren ersten Tag hatte. 
Was die beiden erleben, wird im Grunde so eins nach dem anderen dahinerzählt (und deshalb erinnert mich der Film auch etwas an „The hurt locker“). Jede der Episoden ist unterhaltsam, interessant, spannend und brachte mir die beiden Polizisten nahe. Gleichzeitig und dagegen laufen andere Handlungsstränge, die das Geschehen in einem Mordanschlag auf die Polizisten kulminieren lassen. Sogar die Iden des März bemüht Regisseur Ayer (übrigens auch von ihm: Fury), wenn Michael vom delinquenten Tre vor einer Falle durch die Latino-Gang gewarnt wird – sehr süß, aber vielleicht doch eine etwas bemühter Beweis klassischer Bildung.

Wie war's?


Jake Gyllenhaal (Brokeback Mountain, Nightcrawler, Everest) ist mal wieder in Hochform. Dieser Mund, der alle Nuancen zwischen zuckersüß bis schmierig-irre nur durch das Heben der Mundwinkel darstellen kann! Die Augen, die den treuen Basset-Blick nie verlieren! Der Mann hat Schlag bei den Frauen!

Die zwei mögen sich sehr: Jake und Anna haben Spaß.
Außerdem lobend zu erwähnen: Anna Kendrick (die Jessica Stanley aus der ekligen Mädchen-Vampir-Schmonzette „Biss zum…“). Sie spielt als Jakes Freundin das All-American-Girlfriend hier so attraktiv, man möchte nochmal zwanzig sein. Übrigens ist „Pitch-Perfect“ mit ihr in der Hauptrolle auch ein guter Jugendfilm!


Friendlys Schulnote: Eine ZWEI. Das war alles sehr spannend, die Helden sind sympathisch, Jake ist wie immer großartig. Allerdings fehlte mir ein bisschen die Dringlichkeit in der Handlung – und die beiden Helden sind unter den gegebenen Umständen einfach zuuuu gut. FSK-16, ich empfehle den Film ausnahmsweise wirklich erst ab 16 wegen der abgetrennten Leichenteile und vermoderten Köpfe im Mexikanischen Gang-Unterschlupf.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Nightcrawler

„Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe“ sagt Louis Bloom. Wo andere eigenen Ideen haben, kopiert er, was bei anderen schon funktioniert hat. Eine wage Vorstellung von korrektem Benehmen im zwischenmenschlichen Bereich hat er sich aus einem Fernkurs Betriebswirtschaft zusammengestoppelt - das funktioniert schlecht, aber immer noch besser als gar kein Plan.
Louis ist sympathisch nur auf den ersten Blick - nach drei Sätzen müsste auch der dümmste wissen, dass mit diesem Menschen nicht gut Kirschen essen ist. Es glaubt nur keiner

Worum geht’s?

Louis ist zunächst einmal ein Ganove der alleruntersten Schublade:  er verdient sein Geld damit Gullydeckel und Maschendrahtzaun zu stehlen. Gelegentlich gibt er auch einem Wachmann einen über die Mütze und klaut eine Armbanduhr.

Eine feste Stelle hat er nicht, und das nicht ohne Grund: Es zeugt nicht von großem Durchblick, ausgerechnet den Hehler, dem man grade Buntmetall vertickt, um einen Job anzuhauen.

Louis wird ein feiner Mann und fährt jetzt auch einen schnellen Wagen.Dem Tüchtigen winkt das Glück.
Auf der Rückfahrt entdeckt Louis zwei Journalisten, die einen Unfall filmen. Er stellt sich dazu und ganz nebenbei erfährt er, welche Kamera die Journalisten benutzen, wie viel sie für die Bilder bekommen werden und wem sie das Material verkaufen. Louis fasst einen Plan - was die können, kann er auch.

Mit seinem neuen Scanner (eingetauscht gegen ein gestohlenes Rennrad) hört Louis den Polizeifunk ab. Wenn die anderen Bildjournalisten noch einen minimalen Abstand halten geht Louis Bloom ran bis zum Nasenhaar.

Im Studio des Nachrichtenkanals bietet er seine Ware der begeisterten Moderatorin Nina an. Schlüsselszene:  Louis fragt Nina dreimal, was ein gutes Videomaterial ausmache: alle drei Antworten kann er zusammenfassen auf „blutig muss es sein“.

Das hat er jetzt verstanden. Beim nächsten Einsatz geht er direkt ran: Er filmt Einschusslöchern, Briefe mit der Adresse des Opfers und die Kinderfotos am Kühlschrank.

„Es ist nicht üblich, jemanden erst zu erpressen und ihn dann zu fragen, ob sie mit einem ins Bett geht!“
"Ich mag ältere Frauen" - Louis tauscht alles gegen alles, auch Gehorsam beim Beischlaf gegen Videoaufnahmen sterbender Menschen. Warum auch nicht?
Wieder ein großer Erfolg. In Louis erwacht der professionelle Ehrgeiz: beim nächsten Unfall arrangiert er das Opfer so um wie es die Kompositionslehre verlangt.

Louis hat einen Lauf, aber sein Konkurrent hat Ideen: er ist jetzt mit zwei Vans und zwei Mannschaften in Los Angeles unterwegs. Es wird schwieriger für Louis, der erste am Schauplatz zu sein, sein Sender ist unzufrieden, das Geld sitzt nicht mehr locker.

Zehn Minuten Montagearbeit unter dem Van der Konkurrenz lösen das Problem – wenn man mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs ist, sind ausreichend Druck in der Bremsleitung schon eine wichtige Sache. Louis filmt den Abtransport der Schwerverletzten.
"Haha, jetzt haben sie mich erwischt!" - Louis erkennt es nicht einmal, wenn seine pseudo-joviale Art unangenehm auffällt. Kann man einem seelisch Behinderten böse sein?
Beim nächsten Coup ist Louis dann wieder Monopolist: er filmt als einziger den brutalen Überfall auf eine wohlhabende weiße Familie. Warum er in das Haus eingedrungen sei? Er müsse doch Hilfe leisten! Die Videoaufnahmen von den beiden Tätern hält er erstmal zurück, vielleicht braucht man die ja noch… und wirklich: er sucht und findet die Täter, ruft die Polizei aber erst, als sie in einem gut einsehbaren Diner in belebter Öffentlichkeit sind, und nicht mehr in ihrem unfotogenen Eigenheim. Prima Bilder sind das! Besonders der Schusswechsel und die Kinder, die sich unter dem Tisch verstecken!

Aber die Probleme hören nicht auf: jetzt wird sein Fahrer aufmüpfig und erpresst ihn um höheren Lohn. Das hätte er lieber bleiben lassen. Louis schickt ihn in eine Falle, der Assistent wird von einem schweren Jungen erschossen und sein Sterben wird – natürlich – gefilmt.

Am Ende ist es Louis, der mit zwei Mannschaften und zwei Vans Los Angeles abfährt. Die Toten hat er schon vergessen.

Wie war’s?


Gutgutgut. Und obwohl es auch ein guter Action-Thriller ist, ist der Film als Charakterstudie eines Narzissten sogar noch besser: Jake Gyllenhaal als schleimscheißendes, nach oben buckeln – nach unten treten Charakterschwein ist ebenso unsympathisch wie glaubwürdig. 

(Auf besonderen Wunsch meiner Freundin hier noch der Hinweis, dass Jake Gyllenhaal natürlich ein _super_ Schauspieler ist und natürlich auch _supersüß_! Meine Kritik sei total oberflächlich, weil ich auf diese wichtigen Punkte gar nicht einginge)

Friendlys Schulnote: Eine ZWEI. Solide Charakterstudie, glaubhafter Gyllenhaal, vielleicht etwas zu folgerichtig und vorhersagbar, aber ein Gewinn. FSK-16, ich empfehle den Film eher für Erwachsene.

Rätselfrage: Ein bekannter Schauspieler spielt in Alien 3 den Stationsarzt. Wessen Vater ist er in einer aktuellen Fernsehreihe?

Montag, 23. Juni 2014

Brokeback mountain

Schwulenfilme sind sonst nicht so mein Ding - ich bin geschädigt von "Philadelphia", einem ziemlich langweiligen Homofilm-Machwerk, obendrein mit Tom Hanks in der Hauptrolle - nicht grade mein Lieblingsschauspieler. Warum war der Film so schlecht? Diese frühe Generation der filmischen Aufarbeitung homosexueller Emanzipation ist so plakativ und schwerblütig wie die 80er und frühen 90er Jahre, in denen sie entstanden sind. Zusätzliches Problem: es geht meistens um Gefühle, schlimmer noch: um Männer-Gefühle, und wenn Amerikaner in etwas wirklich schlecht sind, dann im Empfinden. 

Die beiden sind wirklich-wirklich süß, wenn sie nicht grade wie Cowboys gucken:
Heath Ledger und Jake Gyllenhaar
Langer Rede kurzer Sinn: ich war wirklich nicht grade positiv voreingenommen, als ich mir zusammen mit meiner Freundin "Brokeback Mountain" angesehen habe. Aber: surprise surprise: Der Film war super! Gegen jede Wahrscheinlichkeit waren die Charaktere glaubhaft in ihrem Handeln und wenig mitleidheischend, es wurde weder stumm-verwundet in der gegen herumgestiert noch wurden Schwulenklischees bedient. Mir hat's gefallen!

Worum geht's?


Ennis und Jack heuern 1963 beim gleichen Schaf-Farmer an und bewachen einen Sommer lang dessen Herde in einem eigentlich nicht für Bewirtschaftung vorgesehenen Naturpark. Die Aufgabe ist langweilig und nach den ersten Wochen lässt auch die Faszination des Freiluftlebens nach, zumal immer einer der beiden Jungs auf dem offiziellen Campingplatz, der andere im Nationalpark bei der Herde schlafen muss. Als die beiden den Frust mit einer Flasche Hochprozentigen ertränken, bleibt Ennis ausnahmsweise bei Jack auf dem Platz und später im Zelt - sie tun's. Wie Cowboys so sind, versichern sie sich beide am nächsten Morgen, auf keinem Fall schwul zu sein, haben aber weiter ihren Spaß miteinander. 

Irgendwann kommt der Schnee, die Herde muss von der Alm und der unvermeidbare Abschied kommt. Da Ennis aus Montana und Jack aus Texas kommt, ist ein zufälliges Wiedersehen eher unwahrscheinlich. 

Jack will die Sache forcieren und bemüht sich im Folgejahr wieder um Arbeit am Brokeback Mountain, findet aber weder Ennis noch Arbeit: der Rancher hatte Jack und Ennis mit dem Fernglas beobachtet und war weder begeistert von ihrem Liebesleben, noch bereit, ihn wiederum anzustellen.

Alma liebt Ennis, aber Ennis liebt auch Männer. So haben wir nicht gewettet. 

Jetzt schaltet der Film auf ein beschleunigtes Tempo: Ennis heiratet seine Verlobte Alma, sie bekommen Kinder während Jack sich mehr oder minder erfolglos als Rodeoreiter versucht. Vier Jahre später besucht Jack Ennis in Montana - erster einer Reihe von halbjährlichen Besuchen, zu denen Jack und Ennis vorgeblich Angelausflüge unternehmen, tatsächlich aber ihre homoerotische Beziehung pflegen. Alma versteht schnell, dass die Beziehung ihres Mannes zu seinem Freund Jack nicht die übliche Männerfreundschaft ist, wagt aber auch nicht recht, das Offensichtliche mit ihm zu besprechen. 

Jacks Leben nimmt äußerlich eine Wende zum Guten, als er die reiche Tochter Cassie eines Landmaschinenfabrikanten heiratet - gut, der Schwiegervater ist ein dominantes  Ekel sondergleichen, aber wenigstens weiß Jack jetzt, was es morgen zu essen gibt.

Während Jack ernsthaft überlegt, ob es eine Möglichkeit für ihn und Ennis gibt, doch als Paar zusammen zu leben, lehnt Ennis diese Option rundheraus ab - als Kind hat er von seinem Vater die Leiche eines Ranchers, der wegen seiner Homosexualität von den Nachbarn ermordet worden ist, vorgeführt bekommen, was ihm dauerhaft den Mut genommen hat, seine Veranlagung auch nur vermuten zu lassen.

1975 lässt sich Alma von Ennis scheiden - nicht zuletzt wegen dessen vermuteter Homosexualität. Jack sieht seine Stunde gekommen, aber Ennis lehnt es weiter ab, mit Jack zusammen zu ziehen. Ennis hat eine Freundin, trennt sich von ihr, sieht Jack nur noch unregelmäßig, leidet aber darunter. Einige Jahre später bekommt er eine Postkarte an Jack zurück: der Adressat sei verstorben. Jacks Frau berichtet ihm, ihr Mann sei bei einem technischen Defekt einer Reifenpanne gestorben - eine so unglaubwürdige Geschichte, dass Ennis weiß, dass Jack - wie er es immer befürchtet hatte - von Schwulenhassern erschlagen worden ist. (Wenn ihr mich fragt: der Schwiegervater hat seine Finger drin)

Die Dame mit dem auffälligen Hut steht auf sportliche Typen wie Jack. Ihr Vater hält wenig davon.
Der große tragische Held im Film ist Ennis. Wie Herr K. steht er vor einer Tür, die nur für ihn geschaffen worden war und traut sich nicht, hindurchzugehen, weil es ihm verboten wurde. Anders als bei Kafka erweist sich der Weg zum Glück hier allerdings wirklich als risikoreich. Hätte er mit Jack zusammen glücklich werden können? Oder waren Treffen im Zelt alle sechs Monate das beste, was er hoffen konnte? Der Film endet damit, dass der in bedrängten finanziellen Verhältnissen lebende Ennis seiner erwachsenen Tochter verspricht, zu ihrer Hochzeit zu kommen, auch wenn das ihn seinen Job kosten werde. Ist das "den Mut haben", wie Jack es ein halbes Leben von Ennis gefordert hatte?

Wie war's?


Es war bemerkenswert. Der Film hat Tiefgang.Die beiden schweigsamen Helden sind glaubwürdig in ihrer Darstellung des zwischen "So muss man Leben" und "Könnte ich nicht auch ganz anders?" hin- und hergerissenen Rollenverständnisses. Eigentlich bis zum Stetson-Rand unemanzipiert, kommt ihnen die eigene Persönlichkeit mit Macht in die Quere. Aus diesem Film kann man (und das sage ich nicht leichtfertig über einen amerikanischen Film) etwas für das eigene Leben lernen, und wenn es nur das ist, seine Chancen nicht zu vertrödeln. Nicht zu vergessen: der Film ist auch von einer betörenden Schönheit: Wyomings wilde Landschaften, atmosphärisch dichte Aufnahmen aus der Rodeoszene, Heath Ledgers Lächeln...

Friendlys Schulnote: EINS-EINS-EINS!

Rätselfrage: Von wem wird die Frau gespielt, die in einem amerikanischen Film Frühstückseier in allen möglichen Zubereitungen isst: Spiegeleier, Over-Easy, Benedict, Scrambled...

Antwort der letzten Frage: Das war "Die Eisprinzessin", in der die begabte Neu-Eisläuferin von der Mutter der Konkurrentin neue Eislaufschuhe geschenkt bekommt, mit denen sie erwartungsgemäß ihre Show versemmelt. Nicht wirklich ein großartiger Film übrigens...




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